Schwelle überschritten 1,25 Millionen Patienten im Marienhospital

Archivfoto: Michael HehmannArchivfoto: Michael Hehmann

Osnabrück. Das Marienhospital Osnabrück hat eine Schwelle überschritten: Seit Gründung vor 157 Jahren sind 1,25 Millionen Patienten stationär behandelt worden.

Eine 47-jährige Frau aus Melle war es, die den Statistikern im November den runden Wert bescherte. Sie unterzog sich in der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde einem komplizierten Eingriff, den sie nach Angaben des Krankenhauses gut überstanden hat. 1250000 Patienten seit der Gründung des kirchlichen Krankenhauses 1859: Für den Ärztlichen Direktor Prof. Dr. Jörg Heckenkamp und Verwaltungschef Johannes Düvel Anlass zu einer Lageeinschätzung aus ihrer jeweiligen Profession. „Wir sind medizinisch exzellent aufgestellt“, sagt der Chefarzt. „Wir haben bei uns und landesweit einen enormen Investitionsstau“, sagt der Verwaltungschef.

Fast 30000 Patienten pro Jahr

Als 1859 eine Cholera-Epidemie über Osnabrück hereinbrach und es zu wenige Betten für Kranke in der Stadt gab, ließ Bischof Paulus Melchers ein Krankenhaus in bischöflicher Trägerschaft einrichten. Im ersten Jahr fanden dort 62 Menschen Hilfe, schon vier Jahre später war die Schwelle von 1000 Patienten erreicht. Heute nimmt das Krankenhaus, das zum Niels-Stensen-Verbund gehört, jährlich fast 30000 Patienten auf. 2016 dürfte mit etwas mehr als 29300 Menschen in stationärer Behandlung ein neues Allzeithoch erreicht werden.

Der Markt wächst. Vor allem große Häuser wachsen, weil immer mehr kleine Krankenhäuser aufgegeben werden müssen. Der Abbau der Akutversorgung in Dissen und Bramsche hat den beiden Osnabrücker Krankenhäusern mit Maximalversorgung – dem Marienhospital und den städtischen Kliniken – zusätzliche Patienten gebracht. Das kräftigt die wirtschaftliche Basis der Häuser und steigert das Niveau der medizinischen Versorgung noch mehr, wie Jörg Heckenkamp sagt. Er ist sich sicher, dass die Konzentration auf große, leistungsstarke Häuser weiter zunehmen wird, und er hält das auch aus Sicht der Patienten für sinnvoll.

Wettbewerb

Die Situation in Osnabrück mit zwei Großkrankenhäusern sei eine besondere, so der Ärztliche Direktor weiter. MHO und Klinikum stünden im Wettbewerb miteinander, was zu einer „außerordentlichen medizinischen Leistung“ in Osnabrück führe.“ Kein ruinöser Wettbewerb, sondern ein Wettbewerb „auf vernünftiger Basis“, denn natürlich wolle keiner einen Patienten an die Konkurrenz verlieren.

Das war nicht immer so. In einigen Bereichen – wie in der Neurochirurgie – entstanden Doppelstrukturen, die unter dem Druck des Sozialministeriums zurückgefahren wurden. In der Neurochirurgie kooperieren jetzt das MHO, Klinikum und die Paracelsus-Klinik. Die MHO-Spitze verhehlt nicht, dass die Abstimmung im Alltag zuweilen schwierig ist. „Wir haben mit der Kooperation den quadratischen Ball erfunden“, umschreibt das Chefarzt Heckenkamp. Und Düvel ergänzt: „Der eckige Ball rollt schlecht, aber er ist in Bewegung.“

Investitionsstau

Während Heckenkamp die größte Herausforderung im demografischen Wandel sieht, macht sich Düvel Gedanken über die Finanzausstattung der Krankenhäuser. Er beziffert den Investitionsstau allein in Niedersachsen auf 1,8 Milliarden Euro. Das Marienhospital müsste in den nächsten Jahren 50 bis 60 Millionen Euro investieren. So wartet das MHO auf die Zustimmung des Landes für den Umbau der Geburtshilfe. 17 Millionen Euro kostet das aufwenige Projekt, 13,3 Millionen erhofft das katholische Krankenhaus dabei vom Land.

Die Krankenhausfinanzierung steht in Deutschland auf zwei Säulen: Die Länder kommen für die Investitionen auf, die Häuser für die Betriebskosten. Soweit die reine Lehre. In Wahrheit zahlt das Land nicht alles. Das bedeutet, dass Krankenhäuser aus dem laufenden Betrieb Überschüsse für Investitionen erwirtschaften müssen. Wie schwer das ist, rechnet Düvel anhand der Personalkosten vor: Die tariflichen Steigerungen für 2017 und 2018 sind in der Vergütung durch die Krankenkassen nicht enthalten. Allein da tut sich eine Lücke von 1,8 Millionen Euro auf.


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