Frauen sollen Führung übernehmen Geschlechtergerechtigkeit für Kirchenkreis Melle-GMHütte

Von Andre Pottebaum

Fordern mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern (v. li.): Sabine Weber (Diakoniewerk), Rita Steinbreder (Frauenwerk im Sprengel), Doris Schmidtke (Diakoniepastorin), Hans-Georg Meyer-ten Thoren (Superintendent Kirchenkreis Melle), Hella Mahler (Gleichstellungsbeauftragte evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover) und Frieder Marahrens (Erwachsenenbildung Osnabrück). Foto: André PottebaumFordern mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern (v. li.): Sabine Weber (Diakoniewerk), Rita Steinbreder (Frauenwerk im Sprengel), Doris Schmidtke (Diakoniepastorin), Hans-Georg Meyer-ten Thoren (Superintendent Kirchenkreis Melle), Hella Mahler (Gleichstellungsbeauftragte evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover) und Frieder Marahrens (Erwachsenenbildung Osnabrück). Foto: André Pottebaum

Osnabrück. Die nackten Zahlen sind eindeutig: Immer mehr Kirchenmitglieder und Ehrenamtliche sind weiblich. Doch je höher die Position, desto größer ist der Männeranteil. Diese Entwicklung missfällt dem evangelisch-lutherischen Kirchenkreis, der sich für die Gleichstellung von Männern und Frauen in der evangelischen Kirche einsetzen will.

„Erst vor 50 Jahren sind die ersten Frauen ordiniert worden. Daran sieht man, dass wir mit Bezug auf die Gleichstellung von Männern und Frauen einen langen Weg vor uns haben“, sagt Frieder Marahrens, evangelischer Pastor. Mit dem Projekt „Männer und Frauen im evangelisch-lutherischen Kirchenkreisverband – Gender in Zahlen“ hat die Steuerungsgruppe Gender in Stadt und Landkreis Osnabrück empirische Daten zur Gleichstellung von Männern und Frauen in der evangelischen Kirche erhoben.

Daraus geht hervor, dass zehn Prozent mehr weibliche als männliche Kirchenmitglieder existieren. Auch in den Kirchenvorständen spiegelt sich diese Zusammensetzung wider. Gleichzeitig übernehmen jedoch deutlich weniger Frauen Verantwortung, wenn es um die Besetzung von Führungspositionen einzelner Gremien geht. „Je höher sich die Position im Ehrenamt und bei den beruflichen Mitarbeitern darstellt, desto größer ist der Männeranteil“, resümiert Doris Schmidtke, Vorsitzende der Steuerungsgruppe Gender.

Fehlende Führungsbereitschaft?

Mit Blick auf die Kirchenkreistage in Stadt und Landkreis Osnabrück fällt auf, dass der Anteil der Männer bei 57,5 Prozent liegt, deutlich über dem der Frauen. Lediglich ein Drittel der 15 Positionen in den drei Kirchenvorständen werden von Frauen besetzt. Signifikanter wird es bei den Superintendenturen, die ausschließlich von Männern bekleidet werden. Bei den Mitarbeitern in den Diakonieeinrichtungen sind Männer hingegen chronisch unterrepräsentiert. 76,7 Prozent der Diakoniemitarbeiter sind weiblich, in den Kindertagesstätten sogar 96,4 Prozent.

„Allerdings stellen wir fest, dass Frauen nicht bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. In den Kirchengremien sind insgesamt mehr Frauen als Männer vertreten, jedoch nicht in den Vorständen“, so Hans-Georg Meyer-ten Thoren, Superintendent im Kirchenkreis Melle-Georgsmarienhütte. Dies habe einerseits mit der Kultur, andererseits mit der Arbeitsweise von Männern und Frauen zu tun. So spiele die Erwartungshaltung an die Zusammenarbeit eine wichtige Rolle. Deshalb sei es wichtig, Strukturen zu schaffen, um Frauen zu motivieren, Führungspositionen zu übernehmen, so der Superintendent.

Aufgabe der Gesellschaft

Ziel müsse es sein, dass haupt- und ehrenamtlich Tätige gleichberechtigte Chancen bekommen und die Vereinbarkeit von Familie im Beruf fokussiert wird. „Faktisch existieren aber nach wie vor Unterschiede. Die Gleichstellung von Männern und Frauen in der evangelischen Kirche ist eine Querschnittsaufgabe, die uns alle betrifft“, so Hella Mahler, Gleichstellungsbeauftragte der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover.