Interview mit Jo Halbig Killerpilze: Keine Dudelmusik-Dienstleister

Auf Tour: Die Killerpilze spielen am 10. Dezember im Osnabrücker Rosenhof. Foto: Simon LohmAuf Tour: Die Killerpilze spielen am 10. Dezember im Osnabrücker Rosenhof. Foto: Simon Lohm

Osnabrück. Seit fast 15 Jahren erlebt die süddeutsche Band Killerpilze die Höhen und Tiefen des Rockbusiness. Anlässlich ihrer aktuellen Deutschland-Tournee sprachen wir mit Sänger Jo Halbig über das Schauspielen, über Crowdfunding, Dudelmusik und seinen Bruder Fabian.

Jo Halbig, Sie haben mit Ihrer Band Killerpilze nicht nur im deutschsprachigen Raum Erfolg, Sie treten auch gerne in Polen, Tschechien oder Griechenland auf. Versteht man Sie dort?

Es ist unfassbar und zugleich faszinierend: Die Leute dort identifizieren sich mit unserer Musik. Da kommen Fans auf uns zu und sagen: Wir haben wegen euch ein bisschen deutsch gelernt. Und singen dann unsere Songs mit.

Wie viele Zuschauer kommen denn im Ausland zu Ihren Konzerten?

In Moskau kommen um die 400 Zuschauer. In Paris haben wir mit über 2000 Besuchern vor zwei Jahren eines unser größtes Konzert überhaupt gegeben. Wir genießen das Privileg sehr, dort als deutschsprachige Band auftreten zu dürfen. Das ist etwas sehr Besonderes und Schönes.

Zu ihrer Herkunft: Sind Sie denn jetzt eigentlich Schwaben oder Bayern?

Ursprünglich kommt meine Familie aus Schwaben. Aber ich lebe mittlerweile schon seit sieben Jahren in München und mein Bruder Fabi, unser Drummer, wohnt auch schon seit fünf Jahren an der Isar. Ich fahre zwar immer noch sehr gerne nach Hause zu meinen Kumpels in Villingen, aber München ist jetzt unser Lebensmittelpunkt.

Das heißt, Sie verdienen mit den Killerpilzen genug Geld, um sich das Leben im teuren München leisten zu können?

Wir haben immer schon so viel Geld verdient. Wir hätten unser ganzes Leben in München verbringen können. Nein, das ist natürlich Quatsch. Aber uns geht es jetzt gut. Wir arbeiten ja auch viel dafür. Momentan sind wir so viel unterwegs, dass wir München kaum sehen.

Wegen Ihrer Deutschland-Tournee?

Auch. Im September waren wir in Österreich. Dann haben wir in Frankreich gespielt, jetzt ist die Deutschlandtour dran. Wir sind gerade die fleißigste Band, die wir je in unserer Bandgeschichte waren. Das Touren macht uns momentan aber auch ungeheuer viel Spaß.

Funktioniert es denn, mit ihrem Bruder in der Band zu spielen? Es gibt Beispiele, bei denen das gar nicht gut gegangen ist.

Oh, das klappt sehr gut. Ein kleines Beispiel: Gerade haben wir zu Zweit bei mir zuhause die Oasis-Dokumentation angeschaut. Da geht es ja um die Brüder Gallagher, die Oasis gegründet haben und sich nicht immer bestens verstanden haben. Bei Fabi und mir ist das so: Wir wissen genau, wann wir uns aus dem Weg gehen sollten, damit der Frieden gewahrt bleibt. Aber im Grunde verstehen wir uns mega gut. Wir unternehmen privat etwas zusammen, leben in derselben Stadt, sehen uns fast jeden Tag. Ich kenne nur wenige Brüder, die so ein gutes Verhältnis haben. Und wenn Spannungen auftreten, dann ist das auch gut. Das führt zu Kreativität. Es gibt ja wohl nichts Langweiligeres, als wenn in einer Band immer Friede, Freude, Eierkuchen herrscht.

Ihr Bruder Fabian ist auch als Schauspieler erfolgreich. Da haben Sie keine Ambitionen?

Ich habe Schauspielern noch nicht ausprobiert. Daher weiß ich gar nicht, ob ich das Talent dazu habe. Neid kommt da jedenfalls nicht auf. Dafür schreibe ich viel geilere Songs als mein Bruder. Ich finde es allerdings toll, wenn er auf Filmpremieren eingeladen wird und mich mitnimmt. Ich darf dann die vielen schönen Frauen bewundern.

Momentan sammeln Sie per Schwarmfinanzierung Geld für einen Film: „15 Jahre Killerpilze – Immer noch jung“. Bereits nach 15 Jahren eine Banddokumentation?

Es geht über 15 Jahre Killerpilze hinaus. Wir thematisieren auch das Erwachsenwerden im Musikbusiness, die Hindernisse, die das mit sich bringt, wie es ist, ein eigenes Label zu gründen, und ob man den Traum haben kann, die größte Rockband Deutschlands zu werden. Für den Film setzen wir jetzt wieder auf Crowdfunding und sind uns sicher, dass wir das Geld zusammen bekommen. Wir haben schon über 16000 Euro zusammen und wir haben noch knapp 30 Tage Zeit.

Was halten Sie als unabhängige Band eigentlich von Streaming-Diensten im Internet?

Wir halten uns nicht für Spotify-Dienstleister, die ihre Songs für 0,0002 Cent rauskloppen. Wir sind zwar auch bei Spotify, aber wir feiern unsere Fans, die unsere Musik als Platte kaufen und in unsere Konzerte kommen, weil sie nicht in einer Fahrstuhl-Dudelmusik-Gesellschaft leben wollen.


Killerpilze live: 10. Dezember, 20 Uhr, Rosenhof. Support: Meine Zeit.

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