Prof. Monheim spricht im Rathaus In Osnabrück muss das Jobticket billiger werden


Osnabrück. Wenn jeden Tag 160 Millionen leere Autositze durch die BRD chauffiert werden, ist für Heiner Monheim schon klar, warum es zum Stau kommt. Der emerierte Professor der Universität Trier gilt als Deutschlands bekanntester Protagonist einer nachhaltigen Verkehrspolitik. Am Donnerstag spricht er im Rathaus.

Beim Forum Mobile Zukunft geht es um die Frage, wie der Stadtverkehr in Osnabrück nachhaltig umgestaltet werden kann. Heiner Monheim wird mit seinem Impulsvortrag auf die Zusammenhänge von Lebensqualität und Mobilität eingehen. Er tritt dafür ein, dass der öffentliche Raum in Städten und Dörfern nicht von den Autos blockiert wird.

Dass täglich viele Pendler mit dem Auto in die Stadt fahren, ist für Monheim das Ergebnis einer seit Jahrzehnten verfehlten Verkehrspolitik. „Man muss der Autofahrerfraktion des Umlandes etwas anbieten“, sagt der Stadt- und Regionalplaner. Er konstatiert, dass Osnabrück keine Straßenbahn mehr hat und dass es bei den Schienenverbindungen in die Region noch „Luft nach oben“ gebe. Der Haller Willem („den habe ich selber mit angeschoben“) sei ein gutes Beispiel, wie ein moderner Umlandverkehr organisiert werden könne: „Davon braucht man mehr!“

Bussysteme zu „schülerorientiert“

Auch bei den Bussystemen gebe es Verbesserungsbedarf. Die meisten seien schülerorientiert, meint der Mobilitätsforscher, und das schrecke viele Fahrgäste ab. Schnellbusse, die auch über die Autobahn fahren, müssten das System ergänzen. Im April 2014 hat der Verkehrswissenschaftler in Osnabrück bei einem Vortrag in der Umweltstiftung ein Plädoyer für das Bürgerticket gehalten, eine allgemeine Abgabe, die dem öffentlichen Nahverkehr mehr Geld in die Kassen spülen soll.

In der politischen Diskussion war schnell von einer „Zwangsabgabe“ die Rede. Inzwischen haben SPD und Grüne, die anfangs Sympathien für ein solches Modell erkennen ließen, das Bürgerticket fallen lassen. Monheim meint, das sei nur eine vorübergehende Absage: „Irgendwann wird das Thema europaweit angegangen“.

Busse in die Gewerbegebiete

Der Stadt und den Stadtwerken rät der Verkehrsexperte, mit Nachdruck auf das betriebliche Mobilitätsmanagement zu setzen. Das Busnetz müsste auch die Gewerbegebiete erschließen und die Rabatte für das Jobticket müssten deutlich günstiger sein, lautet sein Tipp. Das Marketing dürfe im Übrigen nicht Angelegenheit eines einsamen Kämpfers sein: „Da müsste man in einer Stadt wie Osnabrück fünf Leute drauf ansetzen – und weitere fünf bei den Stadtwerken!“

Monheim ist überzeugt, dass Autos bei künftigen Planungen weniger Raum bekommen werden. Seine Zuversicht schöpft er aus einem Wertewandel, den er an „jungen Urbaniten“ festmacht. Umfragen unter den 17- bis 24-Jährigen hätten gezeigt, dass sich nur 24 Prozent vorstellen konnten, einen Monat ohne Handy und Internet zu leben, aber 59 Prozent, einen Monat aufs Auto zu verzichten. Das sei noch vor wenigen Jahrzehnten undenkbar gewesen.


Bürgerdialog Mobile Zukunft

Im Osnabrücker Rathaus findet am Donnerstag, 1. Dezember, von 15 bis 19 Uhr der Bürgerdialog Mobile Zukunft statt. Um 17 Uhr beginnt der Vortragsteil. Dabei spricht der Verkehrswissenschaftler HeinerMonheim über „Lebensqualität und Mobilität“. Um 18 Uhr wird ein Resümee gezogen und ein Mobilitätskompass entwickelt.In der Schlussrunde findet ein „Pecha Kucha“ mit Politikern aus dem Rat statt. Von 15 bis 18 Uhr wird eine kostenlose Kinderbetreuung angeboten.

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