Förderkreis Friedensgespräche Diskussion in Osnabrück zu Integration und Stadtplanung

Der Oldenburger Soziologieprofessor Walter Siebel (links) mit Diskussionsleiter Reinhold Mokrosch. Foto: Michael GründelDer Oldenburger Soziologieprofessor Walter Siebel (links) mit Diskussionsleiter Reinhold Mokrosch. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Wie gelingt Integration? Welche Bedingungen müssen gegeben sein, damit Einwanderer sich in die für sie fremde Gesellschaft einfügen? Um diese Frage ging es nun bei einem Diskussionsabend, den der Förderkreis Osnabrücker Friedensgespräche organisiert hatte.

Als Referenten zum Thema „Die Stadt als Integrationsraum? Stadtplanung angesichts verstärkter Zuwanderung“ waren Walter Siebel, Soziologieprofessor an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, und Reinhard Richter, Osnabrücks ehemaliger Kulturamtsleiter, geladen. Siebel stellte die jüngste „Flüchtlingswelle“ in einen größeren historischen Zusammenhang: Schon vor 2015 lebten in Deutschland etwa 16 Millionen Zuwanderer. In großen Städten hätten sogar 40 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Migrationshintergrund.

„Moderne Großstädte produzieren aus sich heraus vielfältige Fremdheiten – unabhängig von Zuwanderung“, so der Professor. Ganz verschiedene Milieus existieren hier nebeneinander, wenn man etwa an Künstler, Studenten, verschiedene Subkulturen, die wohlhabende Oberschicht und andere denke. „In Städten gibt es eine Kultur der urbanen Indifferenz, die den zivilisierten Umgang mit Fremden ermöglicht.“ Auch aus diesem Grund hätten es Einwanderer in Städten leichter als auf dem Land.

Keine Angst vor Einwanderungsquartieren

Einwanderungsquartiere seien dabei notwendige Übergangsräume auf dem Weg zur Integration. „Diese Quartiere bieten Schutz und lassen Raum für die Vergewisserung der eigenen Identität.“ Erst auf dieser Basis könne Integration in die fremde Gesellschaft gelingen.

Siebel beschrieb Integration als „zweiseitigen Prozess“, der sowohl den Zuwanderern als auch der aufnehmenden Gesellschaft viel abverlange. „Die Gesellschaft muss den Zuwanderern die gleichen politischen und ökonomischen Chancen eröffnen wie den Einheimischen. Die Zuwanderer wiederum müssen bereit sein, sich der hiesigen Leitkultur anzupassen.“ Beide Bedingungen hängen wechselseitig voneinander ab, so der Experte für Stadt- und Regionalforschung.

Die deutsche Gesellschaft könne weit mehr Zuwanderung „ertragen“ als bisher, es komme allerdings darauf an, auch die Ängste der unteren Gesellschaftsschichten, die sich durch die Zuwanderer bedroht fühlen, zu thematisieren. „Wenn die fortschreitende Spaltung der Gesellschaft nicht aufgehalten wird, wird auch Integration nicht gelingen.“

Konkrete Beispiele

Reinhard Richter führte im Anschluss daran einige konkrete Beispiele für städtische Integrationsprojekte an: Sprachförderpatenschaften von Unternehmen, die Ausbildung von jungen Integrationslotsen, eine „Talenttauschbörse“ für Flüchtlinge, ein gemeinsames Reihenhaus-Bauprojekt von Flüchtlingen mit Handwerksunternehmen, sowie die Ausbildung von Flüchtlingen ohne Bleibeperspektive im Sinne einer „kommunalen Entwicklungshilfe“.

„Migranten brauchen Erfolgserlebnisse und Wertschätzung“, betonte Richter. Untätigkeit und die damit verbundene Perspektivlosigkeit seinen fatal für die Integration.


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