Angeblich Taubstumm Betrügerische Spendensammler in Osnabrück

Von Louisa Riepe

Mit Spendenlisten wie dieser sind Trickbetrüger in Osnabrück unterwegs. Foto: Marianne Meyer (Name von der Redaktion geändert)Mit Spendenlisten wie dieser sind Trickbetrüger in Osnabrück unterwegs. Foto: Marianne Meyer (Name von der Redaktion geändert)

Osnabrück. Seriöser Spendensammler, Betrüger oder Trickdieb? Kurz vor Weihnachten sind in Osnabrück scheinbar taubstumme Menschen unterwegs, die um Unterschriften und Geld bitten. Alles für den Bau einer Anlage für Personen mit körperlicher Behinderung, so steht es auf den Listen. Doch Misstrauen ist angebracht: Die Polizei warnt vor diesen Personen.

„Fur Taubstumme Und Korperlich Behinderte Personen Und Fur Die Armen Kinder Wollen Wir Ein Internationales Zentrum Erschaffen Um Bauliche Anlagen Zu Bauen.“ Mit diesem Anliegen wenden sich derzeit falsche Spendensammler an die Osnabrücker. Mit Klemmbrettern und Namenslisten sind sie vor allem vor Einkaufs- und Baumärkten unterwegs und bitten Passanten um Unterschriften und Geld.

Fehlerhafte Rechtschreibung, ungewöhnliche Wortwahl

Zweimal hinschauen reicht aus, um das Papier als Fälschung zu entlarven: Die fehlerhafte Rechschreibung und die ungewöhnliche Wortwahl sind eindeutige Anzeichen. Der Verein „Handicap International“ dessen Logo auf dem Sammelschein abgedruckt ist, warnt ebenfalls vor den falschen Spendensammlern: „Immer wieder verwenden betrügerische Spendensammler unser Logo, um damit illegalerweise Geld zu erschleichen“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung. Und weiter: „Handicap International führt prinzipiell keine Haussammlungen und zurzeit auch keine Straßensammlungen durch.“

Die „stümperhafte Ausführung“ fiel auch Marianne Meyer (Name von der Redaktion geändert) sofort auf, als sie einen zerknüllten Zettel mit genau dieser Aufschrift vor einem Einrichtungsgeschäft an der Pagenstecher Straße fand. Besonders beunruhigend: Auf dem Zettel stehen insgesamt sieben Namen, insgesamt ist ein Spendenbetrag von 72 Euro verzeichnet. „Ich ärgere mich, dass so dreiste Betrüger die Gutgläubigkeit der Menschen ausnutzen“, so Meyer.

Mehrere Fälle in Osnabrück

Ähnliche Fälle hat es in Stadt und Landkreis Osnabrück offensichtlich mehrfach gegeben. In der Facebookgruppe „Was ist los in Osnabrück“ meldeten sich mindestens vier weitere Personen, die falsche Spendensammler mit denselben gefälschten Listen beobachtet hatten: unter anderem am Eversbruger Platz, bei Combi in Wallenhorst, bei Lidl an der Pagenstecherstraße und bei Toom in Georgsmarienhütte. Einer Osnabrücker Rentnerin wurde auf dieser Weise ihr Portemonnaie gestohlen. Weitere Beispiele finden sich deutschlandweit: Auch in Hamburg, Mainz, oder München sind die vermeintlichen Spendenaufrufe von Handicap International schon aufgetaucht.

Auch bei der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück (HHO) ist das Phänomen der falschen Spendensammler bekannt. „Das Problem gibt es gerade zu Weihnachten leider immer wieder“, bestätigt Sprecherin Rabea Giesser auf Anfrage. Besonders dreiste Betrüger würden sogar versuchen, Putzmittel, Schwämme und andere Haushaltsgegenstände im Namen HHO zu verkaufen. „Diese Personen sind uns nicht bekannt und sind nicht bei uns beschäftigt“, stellt Giesser klar.

Falsche Spendensammler, organisierte Kriminalität

Die Osnabrücker Polizei geht im Falle der gefälschten Spenderlisten von Handicap International von organisierter Kriminalität aus: „Wir nennen das Phänomen Klemmbrett-Betrügerei. Es ist eine Form des Taschendiebstahls“, sagt Polizei-Sprecherin Anke Hamker auf Nachfrage. Den vermeintlichen Spendensammlern würden nur darauf warten, dass die Passanten im guten Glauben ihr Portemonnaie zücken. „Dann wird ihnen das Geld aus der Tasche gezogen“, so Hamker. Zeugen bittet sie, sich bei der Polizei zu melden – am besten dann, wenn jemand mit einem Klemmbrett Passanten anspricht. Im Falle von Marianne Meyer konnten die Beamten nichts mehr tun, erklärt Hamker: „Wir haben kein Opfer, deshalb können wir keine Anzeige aufnehmen.“ (Lesen Sie weiter: Pärchen betrügt bundesweit Baumärkte mit gefälschten Barcodes .)


Woran erkennt man eine seriöse Spendenorganisation?

Weihnachtszeit ist Spendenzeit: Ob per Post, Email oder beim Weihnachtseinkauf, überall wird man dazu aufgerufen, Geld für einen wohltätigen Zweck abzugeben. Aber woran erkennt man, ob die jeweilige Organisation seriös ist und das gespendete Geld wirklich bei Bedürftigen ankommt?

Spendensiegel der DZI

Das deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) vergibt ein Spendensiegel an seriöse Organisationen, die in den beiden Vorjahren jeweils mehr als 25.000 Euro an Geldspenden erhalten haben. Wer das Logo mit den fünf Sternen tragen will, muss hohe wirtschaftliche, rechtliche und ethische Kriterien erfüllen. Das DZI wird vom Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren, und Jugend gefördert.

Gezielt spenden

Es ist nicht ratsam, sich spontan von Spendensammlern auf der Straße oder an der Hautür zum Geldgeben überreden zu lassen. Die Verbraucherzentrale rät stattdessen, sich genau über die jeweilige Organisation zu informieren – zum Beispiel über die Website oder den Jahresbericht. Außerdem lässt sich so auch meist schnell herausfinden, ob ein Verein als gemeinnützig anerkannt ist und welche Ziele er verfolgt.

Wiedererkennungswert

Auch die Heilpädagogische Hilfe Osnabrück (HHO) bittet vor Weihnachten um Spenden – allerdings nicht an der Haustür sondern per Brief. „Wir drucken unser Logo auf und verschicken die Briefe mit unserer Adresse“, sagt Sprecherin Rabea Giesser, „dadurch entsteht ein hoher Wiedererkennungswert.“ Gerade lokale Organisationen wie die HHO können genau auf diesen Effekt setzen: Potentielle Spender kennen die Organisation wegen ihrer Aktivitäten oder aus der Presse.

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