Drei Freiwillige unterrichten Flüchtlinge lernen Deutsch in der Osnabrücker Angelaschule

Anneke Haverkamp (18 Jahre), Lisa Hehmann (19 Jahre) und Marie Wolter (20 Jahre) sind in ihrem „Freiwilligem Jahr“ an der Angelaschule auch als Sprachlernhelferinnen für Flüchtlinge tätig. Foto: Barbara BehnenAnneke Haverkamp (18 Jahre), Lisa Hehmann (19 Jahre) und Marie Wolter (20 Jahre) sind in ihrem „Freiwilligem Jahr“ an der Angelaschule auch als Sprachlernhelferinnen für Flüchtlinge tätig. Foto: Barbara Behnen

Osnabrück. Anneke Haverkamp, Lisa Hehmann und Marie Wolter sind die neuen „Freiwilligen“ an der Angelaschule in Osnabrück. Anneke Haverkamp macht ein Freiwilliges Ökologisches Jahr, Lisa Hehmann den Bundesfreiwilligendienst und Marie Wolter ein Freiwilliges Soziales Jahr. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist das Schulintegrationsprojekt der Angelaschule (SIA), das Anfang September erneut angelaufen ist.

SIA ist ein niedrigschwelliges Angebot für jugendliche Flüchtlinge, die noch keinen Schul- oder Ausbildungsplatz haben. Sie sollen die Möglichkeit erhalten, Deutsch zu lernen und den deutschen Schulalltag kennenzulernen. Die Idee zu SIA hatte Daniel Fuhrmann, Sozialpädagoge an der Schule. Er ist es auch, der die drei Freiwilligen bei dem Projekt begleitet und unterstützt.

Jeden Montag und Donnerstag von 10 bis 12.30 Uhr unterrichten die jungen Frauen die Flüchtlinge mit viel Elan und Begeisterung. Bisher sind es vier Teilnehmer aus dem Sudan im Alter zwischen 18 und 25 Jahren, die zum Unterricht kommen. Angelegt ist das Projekt für bis zu zwölf Teilnehmer. „Die Schüler sind alle sehr motiviert und zuverlässig“, lobt Anneke Haverkamp. Schon vor dem Unterricht paukten sie die Vokabeln auf dem Flur.

Individuell auf jeden eingehen

Der Lernstand der Schüler sei sehr unterschiedlich, einer sei Analphabet und habe in seinem ganzen Leben erst zwei Jahre die Schule besucht, zwei andere könnten dagegen fließend Englisch sprechen. „Wir können individuell auf jeden eingehen, weil wir zu dritt sind“, sagt Lisa Hehmann. Die drei Frauen treffen sich jeweils anderthalb Stunden vor dem Unterricht, um zu planen.

Dabei haben sie ein eigenes Lernkonzept entwickelt. Sie gehen auf den Lernstand des Teilnehmers ein, der am schwächsten ist. Aber wie lehrt man einen Analphabeten Buchstaben? „Wir versuchen, uns an unsere Grundschulzeit zu erinnern“, erläutert Anneke Haverkamp. Zuerst hätten sie Buchstaben ausgedruckt, dann hätten sie die Schüler die Buchstaben an die Tafel und ins Heft schreiben lassen.

Bilder und Worte

Bei der Wortschatzarbeit gehe es um lebensnahe Situationen wie das Einkaufen, erklärt Lisa Hehmann. „Zu den Wörtern malen wir auch Bilder an die Tafel“, erklärt Anneke Haverkamp. Im Unterricht sei viel Übung und Wiederholung vorgesehen. Lisa Hehmann arbeitet dabei oft mit Mimik und Gestik. „Ich spreche immer wieder die gleichen Wörter mit den gleichen Gesten.“

Die drei sind sich einig: Der Spaß steht bei ihnen im Unterricht im Vordergrund. Marie Wolter bedeutet es viel, den Schülern etwas beizubringen und ihre Freude zu sehen, wenn sie etwas gelernt hätten. Gibt es auch Probleme mit den Schülern? „N‘ bisschen Sprachprobleme“, witzelt Anneke Haverkamp. Das größte Problem sei, dass die Schüler nicht in die Pause gingen, weil sie weiter lernen wollten… Es ist nämlich gewünscht, dass die Flüchtlinge sich in den Pausen mit den anderen Schülern des Gymnasiums auf dem Schulhof aufhalten, um einen Teil des Schulalltags kennenzulernen.

Hospitation in der Regelklasse

Um den Schulalltag zu erleben, sollen die Teilnehmer von SIA in den nächsten Monaten auch in einer Regelklasse hospitieren, etwa im Kunst-, Sport- oder Englischunterricht. Wenn die drei Freiwilligen nicht gerade Deutsch unterrichten, können sie sich im fünf Hektar großen Schulgarten der Angelaschule austoben, zum Beispiel den Barfußpfad ausbessern oder die vielen Beete pflegen. Zu ihrem Aufgabengebiet gehört außerdem die Nachmittagsbetreuung der Fünft- und Sechstklässler. „Wir machen alles zusammen, das macht mehr Spaß“, sagt Lisa Hehmann.


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