Klimaschutzbesuch in Japan Osnabrück als das „Vorbild, von dem man lernen möchte“

Solarenergie wird auch in Japan zur Stromerzeugung und Warmwasserbereitung genutzt. Aber im Vergleich zu Osnabrück haben die Städte noch einen großen Nachholbedarf.  Foto: Detlef GerdtsSolarenergie wird auch in Japan zur Stromerzeugung und Warmwasserbereitung genutzt. Aber im Vergleich zu Osnabrück haben die Städte noch einen großen Nachholbedarf. Foto: Detlef Gerdts

Osnabrück. Während in Marrakesch auf politischer Ebene die nächsten Schritte zum Klimaschutz diskutiert wurden, war eine kleine Delegation aus Osnabrück in Japan, um dort zu erzählen, wie Klimaschutz ganz praktisch funktionieren kann. Besucht hat sie auch Fukushima, das jetzt wieder von einem Erdbeben betroffen ist.

Es war der erste Gegenbesuch, bei dem Detlef Gerdts, Leiter des Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz bei der Stadt Osnabrück, und Hermann Brandebusemeyer, Projektentwickler Erneuerbare Energien bei den Osnabrücker Stadtwerken, in drei Städten Japans von den Aktivitäten an der Hase berichteten. Vor wenigen Wochen erst hatte sich eine Delegation aus Japan in Osnabrück über Windenergie, Projekte wie „Sun Area“ und weitere Aktivitäten zum Thema Regenerative Energien informiert.

Thema Solardachkataster

Besonders das Solardachkataster interessierte die japanischen Gastgeber, auch als Gerdts und Brandebusemeyer bei Podiumsdiskussionen, Vorträgen und Besichtigungen von der Osnabrücker Klimaschutz-Praxis berichteten: „Wir machen das hier schon seit 20 Jahren. Die Japaner stehen noch ganz am Anfang“, resümiert Gerdts nach seiner Rückkehr bei einem Gespräch mit unserer Redaktion.

Die Treffen in Deutschland und Japan werden organisiert, seit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und ihre japanische Amtskollegin Tamayo Marukawa im Mai Pläne für eine bilaterale Kooperation hinsichtlich Klimaschutztechnologien in die Wege geleitet hatten. Fachlich begleitet werden die Treffen vom Institut für dezentrale Energien der Universität Kassel. Auch das Umweltbundesamt und das Bundesumweltministerium sind beteiligt.

Solarenergie statt Atomkraft

Vor allem das Erdbeben und die daraus folgende Reaktor-Katastrophe in Fukushima im März 2011 motivierten Privatleute dort, vermehrt auf Solarenergie zu bauen, erläutern Detlef Gerdts und Hermann Brandebusemeyer. Denn sie wollten bei ihrer Stromversorgung unabhängig sein. Aus diesem Grund haben sich auch erste Bürgergemeinschaften gegründet, die den hiesigen Bürgergenossenschaften ähnlich sind und an denen sich in Japan auch örtliche Gewerbetreibende beteiligten.

Aber auch die Organisation der Stadtwerke habe die Japaner interessiert, erzählen die beiden nach ihrem siebentägigen Besuch in Odawara, Tokyo und Fukushima. Mit dabei waren nicht nur die beiden Vertreter aus Osnabrück, sondern auch Teilnehmer aus Kassel, Saerbeck, Frankfurt am Main und München. Begleitet wurden sie dabei stets von einem 13-köpfigen Team aus Japan, darunter hochrangige Vertreter der Politik in der besuchten Region.

Wieder mit von der Partie

Teilgenommen haben die beiden auch an einem deutsch-japanischen Symposium zu den Themen Klimaschutz und Regionaler Entwicklung, das von der Deutschen Botschaft in Tokyo, dem Goethe-Institut und weiteren Veranstaltern durchgeführt worden war.

„Es war spannend, zu sehen, wie die Leute aus dem Ausland auf das gucken, was hier läuft. Wir sind das Vorbild, von dem man lernen möchte“, sagt Gerdts. Aus diesem Grund sollen Hermann Brandebusemeyer und Detlef Gerdts auch beim nächsten Austausch in Japan wieder mit von der Partie sein. Im Februar kommenden Jahres soll es soweit sein. „Eigentlich ist das nicht üblich“, sagt Detlef Gerdts. Denn ursprünglich sei vorgesehen gewesen, dass bei jedem Besuch Vertreter anderer Regionen aus Deutschland nach Japan reisen.


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