Verluste werden realisiert Osnabrück stößt Schweizer Franken ab – und zahlt drauf

Von Wilfried Hinrichs

Die Stadt Osnabrück soll 2017 mit dem Ausstieg aus dem Schweizer Franken beginnen. Fotomontage: dpa/Friso GentschDie Stadt Osnabrück soll 2017 mit dem Ausstieg aus dem Schweizer Franken beginnen. Fotomontage: dpa/Friso Gentsch

Osnabrück. Die Stadt Osnabrück soll 2017 mit dem Ausstieg aus dem Schweizer Franken beginnen. Bleibt es bei dem Ratsbeschluss, macht die Stadt im kommenden Jahr einen Verlust von 269000 Euro.

Die Kreditaufnahme in Schweizer Franken waren einmal ein gutes Geschäft. Das war vor der großen Finanzkrise und vor dem Wertverfall des Euro im Vergleich zur Schweizer Währung so.

Als am 15. Januar 2015 die Schweizer Nationalbank die Finanzwelt mit der Freigabe des Wechselkurses überraschte, zuckten auch die Zinsmanager in der Osnabrücker Finanzverwaltung zusammen . Eine Rückzahlung der Franken-Kredite wäre zu dem Zeitpunkt mit einem Verlust von gut 13 Millionen Euro verbunden. Vielen anderen Kommunen erging es ähnlich, auch der Landkreis Osnabrück musste Buchverluste von zehn Millionen Euro bilanzieren.

Unter diesem Eindruck beschloss der Stadtrat im März 2015, die Franken-Kredite abzuschmelzen, ohne Panik und in kleinen Schritten . Demnach soll ab 2017 der Kreditbestand abhängig vom jeweiligen Wechselkurs abgebaut werden. Liegt der Wechselkurs unter 1,20 Franken, sollen jährlich zwei Prozent des Kreditbestandes abgeschmolzen werden. Bei höheren Wechselkursen will die Stadt den Rückzug entsprechend beschleunigen.

Nach den Prognosen aus der Finanzwelt wird der Wechselkurs 2017 mit großer Wahrscheinlichkeit in einem Korridor zwischen 1,00 bis 1,20 Euro für einen Schweizer Franken liegen. Daraus folgt, dass die Stadt im kommenden Jahr zwei Prozent der Franken-Kredite tilgt.

Die Finanzverwaltung hat dem Finanzausschuss jetzt eine Übersicht über die aktuelle Franken-Verschuldung vorgelegt. Demnach hat die Stadt neun Darlehen im Portfolio im Gesamtwert von 49,4 Millionen Schweizer Franken. Die geplante Tilgung von zwei Prozent entspricht 988000 Franken.

Warum entsteht der Stadt dabei ein Verlust? Weil der Euro gegenüber dem Franken seit Aufnahme dieser Kredite deutlich an Wert verloren hat. In Zahlen: Vor zehn Jahren (vor der Krise) hätte die Stadt zur Rückzahlung der 988000 Franken nur rund 645000 Euro aufwenden müssen. Bei heutigem Wechselkurs sind es 914000 Euro. Die Differenz – 269000 Euro – ist der Verlust, der mit der Rückzahlung tatsächlich realisiert wird.

Als der Stadtrat 2015 den Ausstieg beschloss, hielt er sich ein Hintertürchen offen. Vor der Umsetzung solle die Finanzverwaltung dem Rat noch einmal die aktuelle Lage darstellen, um vor diesem Hintergrund neu zu entscheiden. Und die Lage ist aus finanzwirtschaftlicher Sicht zurzeit absurd: Die Schweizer Nationalbank erhebt Negativzinsen, die sich zwischen minus 0,25 und minus 1,2 Prozent bewegen. Diese Negativzinsen geben die Banken an die Kreditnehmer weiter, sodass die Stadt Osnabrück als Kreditnehmerin mit ihren Schweiz-Krediten Geld verdient . Nicht viel, aber immerhin: Ein Fünf-Millionen-Kredit mit einer Laufzeit von sieben Monaten bringt gut 9000 Euro ein. Auch die vermittelnde Bank verdient noch etwas, die Zeche zahlt am Ende die Schweizer Nationalbank.


Zinsmanagement

Die Finanzverwaltung der Stadt Osnabrück ist seit Jahren bemüht, durch geschickte Kreditmanagement die Zinslasten zu reduzieren. Das brachte zu Zeiten, als die Zinsen deutlich höher lagen, jährlich Einsparungen im sechs- und siebenstelligen Bereich. Im Jahr 2000 ermächtigte der Rat einstimmig die Zinsmanager, derivate Finanzierungsinstrumente und Auslandskredite einzusetzen. Die Osnabrücker Finanzverwaltung sagt, damit in 15 Jahren rund 16 Millionen Euro an Zinsen eingespart zu haben. Anfang des Jahrtausends machte in den Kommunen das Schweizer Modell Schule: Die Zinsen für Kredite in Franken lagen im Schnitt um bis zu zwei Prozent unter Euro-Krediten. Das Wechselkursrisiko schien irrelevant, weil sich das Verhältnis zwischen Franken und Euro im Langzeitvergleich kaum verändert hatte. Das änderte sich mit der Finanzkrise und nach der Freigabe des Wechselkurses durch die Schweizer Nationalbank im Januar 2015.