Stimmig leuchtender Band-Sound Popmusik ohne Instrumente: A-capella-Formation Onair im Rosenhof

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Osnabrück. Die sechs Vokalartisten der Berliner A-capella-Formation Onair präsentierten im Rosenhof eine bunte und abwechslungsreiche Mischung aus mitunter rockigen Coverversionen und einer Handvoll überwiegend sphärischer Eigenkompositionen.

Letztere sind dabei ein neuer Bestandteil im Repertoire des vor vier Jahren ins Leben gerufenen Sextetts, das bereits zum zweiten Mal im Rosenhof zu Gast war. Nicht mit sonderlich großartigen Lichteffekten, aber mit in vielen Klangfarben facettenreich leuchtenden Stimmen und eigenen Texten, die von einigen der rund hundert Besucher sogar mitgesungen wurden, näherten sich die Gesangskünstler dem ihrer „Illuminate“-Show eigenen Thema „Licht und Schatten“ - etwa, als bei „Radiant“ die Sehnsucht nach einem Leuchtturm, der Licht spendet und den richtigen Weg weist, besungen wurde.

Verblüffend gefühlsecht

Bei der Auswahl der neu interpretierten und für sechs Stimmen re-arrangierten Stücke, die mit Queens „The Show Must Go On“ programmatisch eingeleitet wurde, konnten sich die Vokalartisten auch deswegen eine große Bandbreite leisten, weil sie besonders überzeugend dazu in der Lage sind, im äußerst harmonischen Zusammenspiel einen verblüffend „gefühlsechten“, stimmigen Band-Sound zu erzeugen, der bisweilen richtig rockig geriet. Rammstein „Sonne“ etwa strahlte heiß und kraftvoll. Rage Against The Machines „Killing In The Name Of“ wurde indes so clever wie gewagt mit Led Zeppelins „Kashmir“ verwoben. Die leider insbesondere mit Blick auf die USA politisch akut aktuelle Blender-Hymne „The Pretender“ der Foo Fighters wollte Tenor André Bachmann auch als Gegen-Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz verstanden wissen.

Nationale Hits wie „Sie sieht mich nicht“ von Xavier Naidoo oder „Der Weg“ von Herbert Grönemeyer kamen der hiesigen A-capella-Konvention noch am nächsten. Unkonventionell transformierte Nummern wie „Mr. Brightside“ von den Killers oder die partytaugliche Daft Punk-Zugabe „Get Lucky“ unterstrichen indes den internationalen Anspruch der auf dieser Ebene auch bereits preisgekrönten Formation.

Rhythmus mit Hand und Fuß

Zu Noas Immigrationssong „Wildflower“ stellte Sopranistin Marta Helmin, die als 13-Jährige von Polen nach Deutschland zog, einen ganz persönlichen biografischen Bezug her. Ihre Kollegin Jennifer Kothe sang hingegen mit Trude Herrs „Morgens bin ich immer müde“ wohl vielen aus der verträumten Seele. Mund-Perkussionist und „Beat-Box“ Patrick Oliver stellte bei Hurts „Illuminated“ nachhaltig sein „echtes“ Gesangstalent als Bariton unter Beweis, während seine Mitstreiter mit Hand und Fuß für den Rhythmus sorgten.

Dass sie aber auch die leisen Töne beherrschen, bewiesen Onair nicht nur am Ende mit dem finalen, traditionellen deutschen Volkslied „Wenn ich ein Vöglein wär“ aus dem 18. Jahrhundert, mit dem das Publikum beinahe in den Schlaf gesungen wurde - aber durch die eigenen Standing Ovations schnell wieder erwachte.


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