Sheridan-Ranking 2015 Zoo Osnabrück zählt europaweit zu den drei besten

Von Sebastian Stricker


Osnabrück. Der britische Zoo-Analyst Anthony Sheridan hat 124 Zoos in 28 Ländern verglichen. Ergebnis: Der Zoo Osnabrück gehört europaweit zu den drei besten seiner Klasse – noch. Denn das hohe Niveau zu halten, werde mangels Geld immer schwerer, ahnen die Chefs am Schölerberg.

Am Dienstag überwog bei den Verantwortlichen des Osnabrücker Zoos jedoch zunächst die Freude über das wiederholt gute Abschneiden in dem alle zwei Jahre erscheinenden Sheridan-Ranking, das laut Stiftung Warentest als „die wichtigste Bewertung europäischer Zoos“ gilt. Für die Präsentation seines im September erschienenen Buches „Europas Zoos unter der Lupe“ war der Experte aus England am Abend persönlich eingeflogen. Der Zoogesellschaft und dem Zoo-Förderkreis stellte er dabei im Detail seine neuesten Erkenntnisse über die kontinentale Zoolandschaft vor, welche er nach eigenen Angaben „völlig unabhängig“ und anhand von 40 verschiedenen Kriterien untersucht hat.

Den Zoo Osnabrück sortierte Anthony Sheridan dabei in die Gruppe jener Zoos ein, die auf eine halbe bis eine Million Besucher pro Jahr kommen. Was überrascht: Denn zuletzt lag man am Schölerberg mehrfach knapp drüber. Doch der Analyst hat sein eigenes Einmaleins entwickelt. „Jeder Zoo rechnet die Anzahl der Besucher anders aus – manche zählen nur die verkauften Tickets, andere jeden Besucher. Auch Jahreskarten müssen umgerechnet werden. Ich will wissen, wie viele Menschen den Zoo besuchen, egal ob sie zahlen oder nicht und egal welches Alter sie haben.“ So kommt der Brite im Fall von Osnabrück auf 995.000 Besucher (Stand Ende 2014).

Weniger Geld als die Konkurrenz

Was Andreas Busemann auch ganz recht ist. „Lieber unter den Besten in der B-Gruppe als bei den ganz Großen im Mittelfeld“, sagte der Zoogeschäftsführer im Gespräch mit unserer Redaktion. Um im nächsten Satz einmal mehr darauf hinzuweisen, dass andere Zoos gleicher Kragenweite gegenüber Osnabrück finanziell im Vorteil seien, da sie allesamt mit öffentlichen Millionenzuschüssen arbeiten können: der Zoo Rostock als Branchenprimus (176 Punkte), der Zoo Frankfurt auf Platz zwei des Sheridan-Rankings (175) und auch der Allwetterzoo Münster, welcher nach seinem Abstieg aus der A-Gruppe diesmal punktgleich mit Osnabrück den Bronzerang belegt (173).

„Geld schießt Tore. Das ist bei Zoos nicht anders als im Fußball. Bei uns ist aber alles auf Kante genäht, wir leben von der Hand in den Mund“, erklärte Busemann. Zwar bescheinigt Sheridan dem Zoo Osnabrück höchste wirtschaftliche und organisatorische Kompetenz – und rechnet insbesondere Busemann, dem „unbestreitbar wohl konkurrenzbetontesten“ Zoomanager Europas, eine Beinahe-Verdopplung der Besucherzahlen in den vergangenen zehn Jahren an. Doch verfügte der Zoo Osnabrück auch über die Bankkonten der Mitbewerber, wären leicht mehr Punkte in dem fürs Sheridan-Ranking ebenfalls wichtigen Bereich „Bildung/Natur- und Artenschutz“ drin gewesen, glaubt der Geschäftsführer. So aber kommt Osnabrück hier nur auf einen eher unterdurchschnittlichen Wert.

Besucher werden kritischer

Und daran werde sich vermutlich so bald nichts ändern, fürchtet Busemann. Mehr Geld sei in der Region kaum zu beschaffen, erst recht nicht für teure Projekte außerhalb des Zoos. Die Sponsoren, deren Pool seit 2014 von 100 auf 190 Partner gewachsen ist, seien abgegrast. „Wir haben alle abtelefoniert, da ist nichts mehr drin.“ Der einzige Bereich, in dem der Zoo Osnabrück noch wachsen könne, betreffe die Besucher. Nicht unbedingt ihre Menge – da ist das Potenzial laut Busemann ebenfalls „fast ausgereizt“. Vielmehr müsse es gelingen, statt Tageskarten mehr Jahreskarten zu verkaufen. Gerade um Kunden von weiter weg werde deshalb mit Rabatten heftig und erfolgreich geworben. Gleichwohl seien „Eintrittspreis-Erhöhungen alle zwei Jahre“ absehbar.

Was dem Geschäftsführer außerdem Sorgen bereitet: „Die Besucher werden kritischer. Sie finden uns immer noch sehr gut. Aber ihre Bereitschaft zur Weiterempfehlung lässt nach.“ Grund sei die Tierpräsentation. Zwar würden Osnabrück nur drei der zwölf beliebtesten Zootierarten fehlen: Gorilla, Flusspferd und Eisbär. Doch bei den Anlagen, die zudem verschärften Mindesthaltungsnormen genügen müssen, gebe es große Qualitätsunterschiede zwischen alt und neu. „Die Gäste sehen zurzeit zwei Zoos: den umgebauten und den nicht umgebauten. Das schlägt sich auf die Zufriedenheitswerte nieder.“

„Der Wald, die Hügel sind unsere DNA“

Busemann hofft, dass nach Fertigstellung etwa des neuen Angkor-Wat-Menschenaffenhauses, der Nordamerika-Landschaft und der afrikanischen Themenwelt Mapungubwe bis 2020 auch „die DNA unseres Zoos, der Wald, die Hügel“ wieder besser erkennbar ist. Denn nicht nur den Tieren soll es am Schölerberg besser gehen. Auch dem Publikum verspricht der Geschäftsführer einmalige, sogar prägende Erlebnisse – beispielsweise auf neuen, langen Baumwipfelpfaden, die über viele Gehege hinwegführen werden. „Das wird unser Alleinstellungsmerkmal, das kann keiner nachbauen.“

Das Osnabrücker Zoogelände hat übrigens auch Anthony Sheridan nachhaltig beeindruckt. Der Analyst beschreibt es in seinem Buch als „schön und abwechslungsreich“, lobt den „sehr guten Baumbestand“ und die „natürliche Vegetation“. Ob er Wachstum auch an anderen Stellen erkennt, bleibt abzuwarten. Das nächste Sheridan-Ranking ist Ende 2017 geplant.


Das 470 Seiten starke Buch „Europas Zoos unter der Lupe“ von Anthony Sheridan, erschienen im Schüling Verlag (Münster), ist unter anderem im Zoo Osnabrück für 29,80 Euro erhältlich. Die Einnahmen aus dem Verkauf gehen vollständig an die Stiftung Artenschutz.

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