Missionar in Sachen Klavier Pianist Joja Wendt gibt im Blue Note Übungsstunde

Von Tom Bullmann

Joja Wendt gibt NOZ-Videojournalist Nils Elixmann eine Klavierstunde. Foto: Jörn MartensJoja Wendt gibt NOZ-Videojournalist Nils Elixmann eine Klavierstunde. Foto: Jörn Martens 

Osnabrück. Anlässlich einer Tournee unter dem Motto „Alles andere als Piano - Die Kunst des Unmöglichen“, die den Pianisten Joja Wendt im April nach Osnabrück führt, testeten wir ihn als Lehrer: Schafft es Klaviernovize Nils Elixmann, unter Wendts Anleitung schon nach wenigen Minuten ein Lied von Robbie Williams zu spielen?

Er ist eine Art Musikmissionar: Seine Faszination für Musik und vor allem für ein bestimmtes Instrument ist so groß, dass er sie an andere weitergeben muss. Daher geraten die Konzerte von Joja Wendt auch immer zu kleinen Lehrstunden in Sachen Piano. Dann lädt er bisweilen Gäste auf die Bühne, um sie von den Vorzügen eines Klaviers oder Flügels zu überzeugen. Anlässlich seines Osnabrück-Gastspiels im April nächsten Jahres machte unsere Redaktion vorab einen Test: NOZ-Videojournalist Nils Elixmann, Novize am Piano, ließ sich das Instrument erklären, um dann einen Song von Robbie Williams zu probieren.

„Mensch, du bist ja viel besser als die Journalistin neulich. Die konnte nämlich gar nichts!“, ruft Joja Wendt aus, nachdem Elixmann „Alle meine Entchen“ gespielt hat. Gleich zu Beginn der Übungsstunde stellt sich nämlich heraus, dass der Osnabrücker musikalisch nicht unbeleckt ist: Elixmann spielt bereits Gitarre und Schlagzeug. Das ist jetzt wohl auch der Grund, warum er das Kinderlied auf Anhieb fast richtig intoniert. „Du merkst: Das Piano ist ein einfaches, aber unglaublich vielseitiges Instrument. Man kann Lautstärke, Anschlag und Klang variieren, aber eigentlich nichts verkehrt machen, wie zum Beispiel bei einer Geige oder einem Saxofon“, sagt Wendt zu seinem Schüler. Man brauche einfach nur die Tasten zu drücken und es käme ein Ton.

„Du wirst sehen, das macht geradezu süchtig“

Zu zweit sitzen die beiden jetzt auf dem Klavierschemel: Der eine zeigt etwas, der andere macht es nach. Wendt ist offenbar ein guter Pädagoge, den stets ist er darauf bedacht, Elixmann zu loben, wenn er wieder etwas richtig gemacht hat. Er motiviert ihn, lässt Begeisterung aufkommen. „Du wirst sehen, das macht geradezu süchtig“, meint Wendt. Gerade begleitet er die Melodie, die Nils mit der rechten Hand spielt, auf der linken Seite mit einem Akkord. Der Sound wird beeindruckend voll. „So ein Konzertflügel ist wie ein ganzes Orchester“, sagt Wendt und haut in die Tasten. Ein Dreiklang ertönt und beim zweiten erkennt man schnell das Intro zu dem Song „Feel“ von Robbie Williams. Er fordert Elixmann auf, genau hinzusehen, zeigt ihm die Tastenkombination und schon nach wenigen Versuchen spielt der Klaviereleve fehlerfrei das Songintro.

„Jetzt könnte ich ihn auffordern, über diesem einfachen Thema zu improvisieren“, sagt der Profi. Doch schnell fügt er hinzu, dass man Schülern nie zuviel auf einmal zumuten sollte, weil sie sonst zu schnell die Lust verlieren. „Ich habe als Kind angefangen, Klavier zu spielen, weil bei uns zuhause ein Piano stand und ich das Instrument selbstständig erforscht habe. Wer weiß, was aus mir geworden wäre, wenn meine Eltern mir Unterricht aufgedrängt hätten. Vielleicht hätte ich unter Druck ganz schnell aufgegeben“, sagt der Musiker, der schon als 17-Jähriger im Vorprogramm von Joe Cocker vor einem Tausender-Publikum aufgetreten und jetzt in der ganzen Welt unterwegs ist, um die Menschen für das Piano zu begeistern.


Joja Wendt: „Alles andere als Piano - Die Kunst des Unmöglichen“. Samstag, 29. April 2017, 20 Uhr, Osnabrückhalle.