Lange Wartezeiten Warum es so schwer ist, einen Handwerker zu finden

Von Cornelia Achenbach

Handwerker gesucht? Dann sollten sich Kunden auf längere Wartezeiten einstellen. Foto: dpaHandwerker gesucht? Dann sollten sich Kunden auf längere Wartezeiten einstellen. Foto: dpa

Osnabrück. Warum ist es eigentlich so schwer, einen Handwerker für kleinere Reparaturen in seinen vier Wänden zu bekommen? Darf man Portalen wie myhammer.de trauen oder fördert man damit die Schwarzarbeit? Und was mache ich in einem akuten Notfall?

In den 90er Jahren gab es einmal einen Werbespot: Ein Paar sitzt in der Badewanne und stößt auf das neue Eigenheim an. Doch beim „Kling“ der Gläser fallen sämtliche Fliesen von der Wand. Fazit: „Gelbe Seiten – machen das Leben leichter.“ Doch was ist, wenn man sich sein handwerkliches Unvermögen offen eingesteht, aber bei den Handwerkern nur Absagen kassiert?

Handwerker kann Aufträge einfach ablehnen

„In Deutschland herrscht Vertragsfreiheit. Das heißt, es besteht für den Handwerker keine Verpflichtung, einen Auftrag anzunehmen“, sagt Josina Starke, Expertin für Verbraucherrecht von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. So machen leider Privatleute immer wieder die Erfahrung, dass Handwerker nach Hause kommen, sich die anstehende Arbeit ansehen, dann den Auftrag ablehnen – oder sich schlicht nach dem ersten Termin nie wieder melden.

Drei Monate Wartezeit

„Die Auftragsbücher sind einfach voll“, sagt Andreas Lehr von der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim. Derzeit gebe es eine „Spitzenauftragsreichweite von zwölf Wochen“, so Lehr. Heißt: Wer jetzt sein Bad sanieren möchte, muss mit einer Wartezeit von rund drei Monaten rechnen. Bei Stammkunden oder Notfällen sehe es allerdings anders aus, versichert der Sprecher der Handwerkskammer. Niemand müsse Sorge haben, im Winter mit einer kaputten Heizung alleine gelassen zu werden. Die Lage werde sich jedoch noch weiter verschärfen, ist sich Lehr sicher – durch den Fachkräftemangel. Liebend gerne würden die regionalen Betriebe weitere Fachkräfte einstellen, doch es würden einfach keine geeigneten Bewerber gefunden.

Im Notfall schneller zur Stelle

Eine kleine Stichprobe in Osnabrück: Anruf bei Plogmann, Heizung und Sanitär, im Stadtteil Voxtrup. Das Telefon klingelt, eine automatische Ansage erklingt: Alle Leitungen seien belegt. Endlich das Freizeichen: „Wir haben derzeit Hochsaison“, erzählt uns eine freundliche Mitarbeiterin am anderen Ende der Leitung. Wann wir den nächsten Termin bekämen, so rein theoretisch? „Das kommt immer darauf an. Aber für eine Badsanierung müsste ich Sie auf nächstes Jahr vertrösten.“ Zweiter Versuch, diesmal beim Elektriker: „Ja, hallo?“ Der Empfang ist etwas schlecht, es ist 8 Uhr morgens und Elektromeister Florian Roeder im Auto auf dem Weg zum nächsten Kunden. Mit etwa drei Wochen müsste man rechnen, um einen Termin zu bekommen. Notfälle? „Ja, die versuchen wir irgendwie dazwischen zu schieben oder hängen das abends noch dran.“ Letzter Anruf, diesmal bei Tischler Korte an der Iburger Straße. Hier geht es schneller mit Terminen – schon binnen zwei Tagen könnte ein Handwerker für kleinere Reparaturen vorbei kommen. Denn genau auf die haben man sich spezialisiert. „Wir haben viele kleinere Aufträge, darunter viele Einbruchsgeschichten.“ Da müsse man flexibel sein.

Handwerksportale im Internet

Und wenn man als Kunde doch partout niemanden findet? Dann lockt das Internet mit Portalen wie www.myhammer.de oder blauarbeit.de. Über deren Seriosität kann die Verbraucherzentrale Niedersachsen derzeit noch wenig sagen: „Wir planen für Anfang 2017 dazu einen Marktcheck“, sagt Josina Stark. Unter den Portalen gebe es bestimmt auch schwarze Schafe, doch viele fordern von Handwerkern, die dort ihre Arbeit anbieten, einen Nachweis, dass sie tatsächlich ein Gewerbe haben, sowie einen Qualitätsnachweis.

Vorsicht vor Abzockern

Allgemein rät die Mitarbeiterin der Verbraucherzentrale Kunden dazu, sich nach kleineren und regionalen Betrieben umzusehen und nicht einfach nur eine Google-Suche zu starten und dann den ersten Eintrag zu nehmen. Denn gerade so tappe man leicht in Abzockfallen und lande am Ende beispielsweise bei einem völlig überteuerten Schlüsseldienst.

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