Kündigung nach Kakerlaken-Plage Cinestar zeigt Osnabrücker Kino-Chefin erneut an

Kakerlaken-Plage mit Folgen: Seit bald einem Jahr tobt ein Kündigungsstreit zwischen der früheren Leiterin des Cinestar Osnabrück und dem Kinobetreiber. Zum wiederholten Mal beschäftigt der Fall nun auch Polizei und Staatsanwaltschaft. Foto: Michael GründelKakerlaken-Plage mit Folgen: Seit bald einem Jahr tobt ein Kündigungsstreit zwischen der früheren Leiterin des Cinestar Osnabrück und dem Kinobetreiber. Zum wiederholten Mal beschäftigt der Fall nun auch Polizei und Staatsanwaltschaft. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen die frühere Chefin des Cinestar Osnabrück eingestellt. Der vom Kinobetreiber erhobene Untreue-Vorwurf löst sich damit in Luft auf. Cinestar reagiert darauf mit einer weiteren Strafanzeige – wegen angeblichen Prozessbetrugs.

Die Neue Filmpalast GmbH (Lübeck) und die ehemalige Theaterleiterin liefern sich seit April einen erbitterten Kündigungsstreit vor dem Arbeitsgericht. Der Kinobetreiber hatte die 38-Jährige in diesem Jahr gleich zweimal fristlos entlassen: erst im Januar, dann im Mai. Anlass ist in beiden Fällen eine wiederholte Kakerlaken-Plage im Cinestar Osnabrück Ende 2015 und ihre Folgen.

So wurde die Kinochefin zunächst bezichtigt, sich bei der im Alleingang durchgeführten Entsorgung befallener Ware strafbar gemacht zu haben. Die beseitigte Menge – überwiegend Lebensmittel – sei viel zu groß für den Hausmüll gewesen, argumentierte der Arbeitgeber. Folglich müsse die Mitarbeiterin etwas unterschlagen und sich an den Vorräten bereichert haben. Ein Vorwurf, der seit 9. November offiziell vom Tisch ist.

Mangelhafte Inventuren

„Das Ermittlungsverfahren wurde inzwischen mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt“, bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück jetzt auf Nachfrage unserer Redaktion. Es könne nicht ausgeschlossen werden, „dass der vermeintliche Warenfehlbestand auf strafrechtlich nicht relevante Mängel bei den durchgeführten Inventuren zurückzuführen ist“. Im Klartext: Bereits die Gesamtbestandsliste, welche die Theaterleiterin nach Räumung des verseuchten Lagerraums heranzog, um die Differenz zu ermitteln, war möglicherweise falsch. Laut der Kündigungsschutzklage landeten mehr als eine Tonne Popcorn-Mais und vier Tonnen Zucker im Abfall, außerdem 1618 Kilogramm Nachos, 372 Liter Käsesoße, über 900 Liter Getränkekonzentrat, 1000 Tafeln Schokolade sowie Trinkbecher, Deckel, Strohhalme und Servietten – insgesamt Vorräte im Wert von 16.000 Euro. Wahrscheinlich wurde am Ende aber deutlich weniger Ware weggeworfen.

Fortsetzung im Frühjahr

Was den Kinobetreiber eigentlich freuen könnte. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Neue Filmpalast GmbH leitet daraus einen Prozessbetrug ab. Und lässt ihren Verdacht nun, da ihr die gerichtsfeste Begründung einer fristlosen Kündigung immer schwerer fällt, auch strafrechtlich prüfen.

So liegt der Staatsanwaltschaft Osnabrück nach Informationen unserer Redaktion seit wenigen Tagen eine weitere Strafanzeige gegen die frühere Theaterleiterin vor. Für das Berufungsverfahren vor dem Landesarbeitsgericht gibt es hingegen noch keinen Termin. Prozessteilnehmer rechnen mit einer Verhandlung im Frühjahr 2017.


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