Pfandringe abgebaut Liebe Osnabrücker, warum versteht ihr Big Belly nicht?

Die Pfandringe an den Big Bellys haben sich nicht bewährt. Foto: Gerlinde Kolbe/OSBDie Pfandringe an den Big Bellys haben sich nicht bewährt. Foto: Gerlinde Kolbe/OSB 

Osnabrück. Osnabrück und die Big Bellys – eine schwierige Beziehung. Warum kommen die Osnabrücker mit den Supermülltonnen nicht klar? Jetzt sind auch die Pfandringe abgebaut worden –weil sie „nicht bestimmungsgemäß genutzt“ wurden.

Manche kapieren es offenbar nicht. Deshalb hier noch einmal die ganz einfache Regel: Müll gehört in die Mülltonne. Und nicht daneben. Diese eigentlich unmissverständliche Regelung, die uns das Zusammenleben erleichtern soll, gerät an den Big Bellys in der Osnabrücker Fußgängerzone immer wieder ins Wanken. Jüngster Beweis: Die Pfandringe – eine Forderung aus der Politik – sind abgebaut worden, weil sie ständig zugemüllt waren, wie der Osnabrücker Service-Betrieb erklärt.

Für Pfandsammler

Drei der acht Big Bellys in der Osnabrücker Innenstadt erhielten auf Druck der Politik Pfandringe. Diese sollen Menschen, die sich mit dem Sammeln von Pfandflaschen ihr Einkommen aufbessern, den Job sichern. Denn anders als die herkömmlichen Müllkästen stellen die Big Bellys ein hermetisch abgeschlossenes System dar. Von außen kommt keiner an den Inhalt ran.

Doch die Pfandringe haben sich nicht bewährt. Wie aus einer Antwort des Service-Betriebes auf eine Anfrage der SPD-Fraktion hervorgeht, sind die Flaschenhalter „zu einem Großteil nicht bestimmungsgemäß genutzt“ worden. Viele Kaffeetrinker missverstanden offenbar das Angebot und stellten ihre leeren Pappbecher in den Flaschenhalter. Andere Zeitgenossen entsorgten dort gedankenlos ihren sonstigen Müll, statt ihn in den Schlund des Müllschluckers zu werfen. Nachahmer legten weiteren Müll nach, bis er auf die Straße fiel und das Umfeld der Big Bellys kontaminierte.

„Das führte zu einem unansehnlichen Erscheinungsbild und zu einem beträchtlichen Mehraufwand bei der Leerung“, teilte der OSB dem Rat mit. Der Müll habe von Hand aufgelesen werden müssen. Ein Pfandring sei von Unbekannten beschädigt worden und habe wegen Verletzungsgefahr abgebaut werden müssen. Tröstlich für Osnabrück: Auch andere Kommunen hätten solche Erfahrungen gemacht, heißt es weiter.

Lange Vorgeschichte

Die Pfandringe beschäftigen die Politik in Osnabrück schon seit mindestens drei Jahren. Vor allem der SPD war und ist es ein Anliegen, den Pfandsammlern ein unwürdiges Wühlen im Abfall zu ersparen. 2013 griffen die Sozialdemokraten die bundesweite Aktion „Pfand gehört daneben“ auf und schlugen Sammelboxen für Pfandflaschen vor. Der zuständige Ratsausschuss entschied sich aber dagegen – aus hygienischen Gründen und weil Zweifel blieben, ob die richtige Zielgruppe erreicht würde. Auch Kinder und Jugendliche könnten zugreifen und sich ihr Taschengeld aufbessern.

Die Big Bellys, diese knapp 6000 Euro teuren Alles-Könner-Mülltonnen, verdichten mittels einer solarbetriebenen Presse den Abfall, sodass sie ein Vielfaches der üblichen Müllmengen schlucken können. Außerdem melden sie selbstständig ihren jeweiligen Füllstand der OSB-Zentrale. Dadurch, so die Kalkulation des OSB, sollten die Leerungsintervalle ausgedehnt und langfristig Kosten gespart werden. Aber die Technik zeigte am Anfang Macken, und manche Passanten stopften die Tonnen so voll, dass die Klappe blockierte, die Presse versagte und der Müll sich auf der Straße verteilte.


Pfandring

Vorsicht, der Begriff Pfandring ist geschützt und bezeichnet eine ganz bestimmten Flaschenhalter – auch wenn die Bezeichnung im normalen Sprachgebrauch für alle Arten Flaschensammeleinrichtungen benutzt wird. Designer Paul Ketz aus Hachenburg (Westerwald) hat den filigranen Ring als Ergänzung öffentlicher Mülltonnen erfunden. Der Original-Pfandring, so verspricht der Erfinder, ist so konstruiert, dass er nicht als Müllablage missbraucht werden kann. Mehr Infos: www.pfandring.de

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