Eislaufen, ohne auf Eis zu laufen Warum es auf der Osnabrücker Eislaufbahn am Ledenhof kein Eis gibt

Von Christian Ströhl


Osnabrück. Die Weihnachtszeit in Osnabrück ist um eine Attraktion reicher. Am Ledenhof hat die neue Eislaufbahn den Betrieb aufgenommen. Das Besondere daran: Auf der Bahn gibt es gar kein Eis. Die Besucher gleiten mit ihren Schlittschuhen auf Kunststoffplatten über die Fläche. Wir haben ein paar Proberunden gedreht.

16 Tage lang haben Schausteller Bernhard Kracke Junior und seine Kollegen am Ledenhof gebaut. „Teilweise haben wir die Nacht durchgearbeitet“, sagt er. Das Ergebnis ist der „Eiszauber am Ledenhof“. Aus Richtung Schloss fällt dabei das große Zeltdach ins Auge. Darunter umringen Imbiss- und Getränkebuden das Highlight: die neue synthetische Eislaufbahn. Aber eine Eisbahn ohne Eis? Das klingt befremdlich. Wir haben die Bahn unter die Lupe genommen.

Aus der Entfernung sehen die Kunststoffplatten aus wie Eis. Erst aus der Nähe erkennt man die Fugen zwischen den Platten. Diese fühlen sich glatt an und sind kühl, was aber an den Außentemperaturen liegt. Im Sonnenlicht spiegeln sie sich wie normales Eis. Unter den Platten liegt Dämmmaterial, das Stürze dezent abfedert.

Scharfe Kufen

Wichtig für ein gutes Eislauferlebnis auf synthetischen Bahnen sind geschliffene und scharfe Kufen, sagt Hersteller „Glice“. Zwar könne jeder mit seinen eigenen Schlittschuhen kostenlos auf der Fläche herumfahren. Es gilt jedoch: Je schärfer die Kufen, desto besser gleitet man auf den speziellen Kunststoffplatten. Aus diesem Grund ließen die Schausteller am Vortag der Eröffnung noch einmal alle Leihschlittschuhe schärfen. Auch die unseres Testers Christian Ströhl.

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Nachdem dieser sich in die (noch etwas steifen) Leihschuhe gezwängt hat, betritt er vorsichtig die Lauffläche. Er besinnt sich zurück an seine Zeit als Skater und Schlittschuhläufer. Seine ersten Steh- und Gleitversuche verraten jedoch: Diese Zeit liegt lange zurück. Doch nach einer holprigen Runde, die mit Unterstützung der Bande ohne Sturz verläuft, gleitet er plötzlich besser über die Bahn. Wie bei echtem Eis bildet sich unter den Kufen der herkömmlichen Schlittschuhe nach einiger Zeit ein Gleitfilm.

„Wie auf Eis“

Nach ein paar Runden ist dann Schluss für unseren Tester. Die Schausteller holen ihn freundlich von der Eislaufbahn, die sie für die Eröffnungsfeier reinigen und herrichten wollen. Das Testfazit: Besucher werden ein bis zwei Runden brauchen, um „wie auf Eis“ zu gleiten. Dann ist die Plastikbahn aber kaum von einer gefrorenen Eisfläche zu unterscheiden.

„Wir sind stolz, dass wir diese Bahn jetzt haben“, sagt Kracke, der zusammen mit drei weiteren Schaustellern die Eiszauber GmbH gegründet hat. 200.000 Euro nahmen die vier in die Hand. Dank der Unterstützung von Sponsoren entstand die zwölf mal 24 Meter große Schlittschuhlauffläche binnen kürzester Zeit. „Wir haben spät den Zuschlag bekommen“, sagt Kracke. Erst Mitte Oktober gab der Osnabrücker Rat grünes Licht. Danach musste alles ganz schnell gehen.

Temperaturen egal

Die synthetische Eisfläche bietet Vorteile für die Schausteller: So benötigen sie keine stromfressenden Aggregate zum Runterkühlen der Fläche. Auf dem Ledenhof wäre dafür eh kein Platz. Eine normale Eisbahn ähnlicher Größe verbraucht laut Kracke in sechs Wochen bis zu 100000 Kilowattstunden Strom. Dieser Kostenpunkt fällt weg. Zudem sei die Benutzung bei allen Temperaturen möglich. „Ob minus 20 oder plus 30 Grad: Das ist eigentlich egal“, sagt Kracke.

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Krackes Team plant an sechs Tagen in der Woche ein Programm auf der Bahn. So findet mindestens dreimal in der Woche Eisstockschießen statt, an den Wochenenden sollen Themenabende oder Theateraufführungen „on ice“ die Besucher anlocken. Als Konkurrenz zum Weihnachtsmarkt sieht Kracke den „Eiszauber am Ledenhof“ aber nicht. „Der historische Weihnachtsmarkt hat seinen Stil und der ist unantastbar“, sagt der Schausteller. Zusammen mit dem Weihnachtsdorf auf dem Neumarkt, dem kleinen Markt an der Johanniskirche und dem Eiszauber sei Osnabrück nun bestens aufgestellt. „Weitere Weihnachtsmärkte verträgt die Stadt nicht“, glaubt Kracke.


Die Bahn hat täglich bis zum 30. Dezember von 12 bis 21.30 Uhr geöffnet, an Freitagen und Samstagen bis 22 Uhr. Am Totensonntag und an Heiligabend bleibt die Bahn geschlossen. Die Miete der Schuhe beträgt 3,50 Euro.

Auf der Bahn findet an drei Tagen in der Woche Eisstockschießen statt. Mehr Informationen dazu gibt es hier.

Außerdem sorgen die Veranstalter für ein großes Rahmenprogramm. Details dazu hier.