Kein Geld von der Bima Bund will Osnabrücker Höhlen jetzt doch nicht verfüllen


Osnabrück. Die Bima will die Gertrudenberger Höhlen jetzt doch nicht zuschütten. In Osnabrück löst diese Nachricht Erleichterung und zugleich Empörung aus. Denn die Behörde, die noch vor wenigen Monaten Millionen in die Zerstörung des Gangsystems stecken wollte, wittert nun die Chance, sich aller Kosten zu entledigen.

Weil das unterirdische Labyrinth im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker gedient hat, ist der Bund noch immer verantwortlich für Sicherheit und Instandhaltung. Zugleich bemüht sich der Verein Gertrudenberger Höhlen um ein Zutrittsrecht, doch das wird ihm seit Jahren verweigert. Der Plan, die geheimnisvolle Welt der Stollen für Besucher zu öffnen, liegt auf Eis.

Keine Einsturzgefahr

Die mehr als 700 Jahre alten Höhlen im Gertrudenberg stehen als Baudenkmal unter Schutz, zugleich läuft ein Verfahren, sie als Naturdenkmal zu sichern. Von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) wurde der frühere Luftschutzkeller jedoch als Sicherheitsrisiko angesehen, das es zu entschärfen galt. Ein bergtechnischer Sachverständiger aus der Oberfinanzdirektion Münster hatte nach einem Ortstermin im Dezember 2012 bekundet, das mittelalterliche Gangsystem sei einsturzgefährdet. Ohne diese Aussagen zu prüfen, kündigte die Bima daraufhin an, die unterirdischen Hohlräume mit einer Zementschlämme zu verfüllen.

Damit hätte sich die Bundesbehörde in Erfurt ihrer Unterhaltungspflicht dauerhaft entledigt, aber zugleich ein bedeutendes Kulturdenkmal dauerhaft zerstört. Bei den Höhlen handelt es sich um einen spätmittelalterlichen Kalksteinbruch unter Tage.

Gegen die Pläne der Bima lief der Verein Gertrudenberger Höhlen Sturm; auch die Stadt und diverse Politiker erhoben Einwände. Aber die Bima hielt an ihrem Vorhaben fest und weigerte sich, die umstrittene Stellungnahme zu veröffentlichen. Zugleich lehnte sie es ab, gemeinsam mit der Stadt ein weiteres Gutachten in Auftrag zu geben, um das Risiko eines Tagesbruchs seriös auszuloten.

Bima schwenkt um

Am Ende ließ die Stadt auf eigene Kosten für 60000 Euro die Standfestigkeit der Höhlen untersuchen. Ein Gutachten des auf bergtechnische Expertisen spezialisierten Ingenieurbüros Taberg aus Lünen kam zu dem überraschend klaren Ergebnis, dass keinerlei Einsturzgefahr bestehe. Pfeiler und Deckschichten seien absolut tragfähig, in einigen Teilen des Gangsystems könne sich aber gelegentlich ein Stein von der Decke lösen, was bei Führungen unter Tage nicht unproblematisch sei.

Dieses von der Stadt initiierte Gutachten nimmt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben jetzt zum Anlass, sich aus der Verantwortung zu verabschieden. Bima-Sprecher Thorsten Grützner erklärte auf Anfrage unserer Redaktion, seine Behörde habe in der Vergangenheit angenommen, dass durch die „Ein- und Umbauten für Luftschutzzwecke“ während der NS-Zeit „Gefahren für Gesundheit und Leben von Menschen“ entstanden seien. Als zuständige Instanz „nach dem Allgemeinen Kriegsfolgengesetz (AKG) zur Beseitigung der Gefahrensituation“ sei die Bima für eine Verfüllung der Höhle eingetreten.

„Haarsträubendes Verhalten“

Das von der Stadt Osnabrück in Auftrag gegebene Gutachten weise nun aus, dass „von den Ein- und Umbauten, die durch das ehemalige Deutsche Reich vorgenommen wurden, keine Gefahren ausgehen“. Etwaige Risiken gingen allein auf das seit Jahrhunderten bestehende Höhlensystem an sich zurück, schreibt Grützner. Dafür trage der Bund aber keine Verantwortung. Deshalb werde die Bima „zukünftig weder Kontrollbefahrungen noch Sicherungsmaßnahmen an oder in der Gertrudenberger Höhle vornehmen“ und folglich auf die Verfüllung verzichten.

Mit dem neuen Sachstand will sich der Betriebsausschuss Immobilien- und Gebäudemanagement am kommenden Dienstag befassen. Getagt wird nichtöffentlich, weil neben der Stadt zwei private Grundstückseigentümer betroffen sind. Wilfried Kley, der Vorsitzende des Vereins Gertrudenberger Höhlen, nennt das Verhalten der Bima „haarsträubend“ und „unverfroren“. Der Staat dürfe sich seiner Verantwortung nicht durch eine Hinterlist entziehen.


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