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Fleischlos liegt im Trend In Osnabrück etabliert sich eine Veganer-Szene

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<em>Bitte nichts vom Tier!</em> Lorenzo Grani serviert Stefanie Brandenburg ein veganes Mahl.<em>Foto: Jörn Martens</em>Bitte nichts vom Tier! Lorenzo Grani serviert Stefanie Brandenburg ein veganes Mahl.Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Veganer essen weder Fisch noch Fleisch. Eier, Honig und Milch ebenfalls nicht. Einfach nichts, was vom Tier stammt. „Was kannst du überhaupt noch essen...?“, wollen manchmal Freunde und Bekannte wissen. „Jede Menge“, antwortet Stefanie Brandenburg dann. Zumindest zu Hause. Außer Haus sei das vegane Leben ganz und gar nicht einfach, wie die 31-Jährige erfahren hat. Seit knapp drei Monaten versucht sie, sich vegan zu ernähren.

Vegetarisch lebt die Osnabrückerin schon seit mehr als zwei Jahren. Kein Fleisch und keinen Fisch. Dem Geruch von frischem Grillfleisch oder Speck aus der Pfanne kann die junge Frau zwar auch heute noch sehr viel abgewinnen. „Aber nicht so viel, dass ich wieder Fleisch essen würde“, sagt sie und lacht. Verlockungen seien immer wieder da, Versuchungen nicht.

„Ich habe mich irgendwann nicht mehr gut damit gefühlt, Fleisch zu essen.“ Filme über Tierhaltung und Mastmethoden hätten sie vom Fleisch weggebracht. „Und wenn man erst vegetarisch lebt, beschäftigt man sich noch viel mehr mit Ernährung“, sagt Brandenburg.

Vor einigen Monaten reifte dann der Gedanken, komplett auf tierische Produkte zu verzichten. „Ich habe es erst mal für zwei Wochen ausprobiert.“ Ohne Druck, einfach mal testen, wie sich das vegane Leben anfühlt. „Es ging mir richtig gut“, sagt sie, und es klingt ein wenig überrascht. „Ich habe mir einiges viel schlimmer vorgestellt. Den Appetit auf Käse zum Beispiel.“ Das Gegenteil war der Fall.

„Wenn man vegan lebt, lernt man viel mehr Alternativen kennen und wird kreativer in der Zusammenstellung des Essens.“ So habe sie schnell Produkte entdeckt, die man sehr gut anstelle von Milch oder Fleisch verwenden kann. „Mein Müsli esse ich morgens zum Beispiel mit einem Soja-Reis-Drink statt mit Milch.“ Anstelle von Hähnchenstreifen im Salat oder im Gemüseragout könne man auch prima Seitan-Streifen anbraten.

Seitan ist auch unter dem Namen Weizenfleisch bekannt. Es ist ein Produkt auf der Basis von Weizeneiweiß und hat eine fleischähnliche Konsistenz. Damit das Eisen aus dem Müsli auch richtig vom Körper aufgenommen wird, gibt es zum Frühstück ein Glas Orangensaft.

Doch das Leben als Veganerin ist nicht nur rosig, bemerkt die junge Frau. Wenn sie zum Beispiel mittags mit Kollegen essen geht oder zu Geburtstagen eingeladen ist, merkt sie immer wieder, wie schwierig es ist, außerhalb der eigenen vier Wände vegan zu leben. „In Osnabrück ist das Angebot wirklich noch nicht groß.“ Zwangsläufig hat sie für auswärtiges Essen ihre veganen Gewohnheiten inzwischen schon etwas gelockert. „Es ist sonst wirklich sehr schwierig, auch bei Einladungen.“

Eines der wenigen Restaurants, die sich inzwischen auf die Wünsche von Veganern eingerichtet haben, ist die Trattoria von Lorenzo Grani am Markt. Grani legt in seiner kleinen Pizzeria einen Schwerpunkt auf Bio-Produkte. Zudem verarbeitet er Urgetreidesorten wie Emmer und bietet außer glutenfreien Produkten auch viele vegetarische und vegane Gerichte an.

Seine Nudeln macht der Gastronom selbst. Passend zum alternativen Konzept gibt es seit einigen Monaten eine rein vegane Karte und täglich wechselnden veganen Mittagstisch. „Die Nachfrage ist da“, sagt Lorenzo Grani. Auf Facebook habe er mal ein veganes Mittagsangebot veröffentlicht, woraufhin einige Leute vorgeschlagen hätten, dass er das öfter machen sollte. „Ich wurde dann zur Osnabrücker Vegan-Gruppe bei Facebook eingeladen“, erzählt der junge Mann.

Seit zwei Jahren existiert diese Gruppe, in der sich Veganer aus Osnabrück und Umgebung austauschen und auch zum Essen verabreden. Einer der Gründer ist Ron Meyer. Der 32-Jährige lebt seit zweieinhalb Jahren vegan und hat sich außer der kulinarischen Komponente auch der kommunikativen Seite des Veganismus angenommen: „Es ist schön, sich auszutauschen, Leute zu informieren, Neues zu entdecken.“

Vor allem innerhalb der vergangenen sechs bis neun Monate habe sich in der Gruppe „Vegan in Osnabrück“ einiges getan. „Es ist ein Trend, vegan zu leben“, sagt Ron Meyer. Über 350 Mitglieder sind inzwischen in der Gruppe vernetzt. Einmal im Monat treffen sich alle Interessierten im Gemeinschaftszentrum Ziegenbrink zum gemeinsamen veganen Essen. „Jeder bringt was mit“, ist da das Motto. „Wir haben viele Torten, Burger, Salate, verschiedene Dips und selbst gebackene Brote.“

In der Gruppe schreiben die Mitglieder an die „Pinnwand“, wenn sie in einem Osnabrücker Lokal mal wieder ein besonderes Speisenangebot für Veganer entdeckt haben. In der Eisdiele Fontanella zum Beispiel sei das Zartbitterschokoladeneis vegan. Auch bei „Schlecks“ gebe es mehrere vegane Eissorten.

Die Vegan-Karte von Lorenzo Grani findet sich natürlich in der Gruppe wieder. „Wir haben soeben eine erste Broschüre über das vegane Angebot in Osnabrück erstellt“, sagt Meyer. Sie liegt demnächst in den Osnabrücker Lokalen aus, sodass jeder Veganer gleich sehen kann, was er sorgenfrei essen kann. Zugleich wünschen sich die Veganer, dass die Broschüre für die Osnabrücker Gastronomen ein Anreiz ist, ihr veganes Angebot auszubauen.

Auch Stefanie Brandenburg ist Mitglied von „Vegan in Osnabrück“. Für sie eine super Initiative: „Es ist klasse, sich über das Thema unterhalten zu können, sich auszutauschen.“ Letztens habe sie sich mit drei anderen aus der Gruppe zum Eisessen verabredet – natürlich vegan.


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