Berufungsverfahren am Landgericht Osnabrück „Bulle, willst du auf´s Maul?“: Prozess um Ärger am Hyde Park

Im Juli 2016 hatten zwei Männer vor dem Hyde Park Polizisten beleidigt. Die Beamten setzten schließlich Pfefferspray ein. Gegen seine Verurteilung zu drei Monaten Haft legte einer der Männer jetzt Berufung ein. Foto: Archiv/Thomas OsterfeldIm Juli 2016 hatten zwei Männer vor dem Hyde Park Polizisten beleidigt. Die Beamten setzten schließlich Pfefferspray ein. Gegen seine Verurteilung zu drei Monaten Haft legte einer der Männer jetzt Berufung ein. Foto: Archiv/Thomas Osterfeld

Osnabrück. Jörg G. (Name geändert) hatte im Februar zwei Polizisten unter anderem sexuell beleidigt, nachdem er nicht in den Hyde Park gekommen war. Die Beamten setzten ihn mit Pfefferspray außer Gefecht. Gegen seine Haftstrafe legte er jetzt Berufung ein.

  • Ein heute 25-Jähriger hatte im Februar Polizisten vor dem Hyde Park in Osnabrück teilweise sexuell beleidigt. Aufgrund seiner Vorstrafen verhängte das Gericht im Juli eine Haftstrafe von drei Monaten.
  • Die Anwältin legte gegen das Urteil Berufung ein, um ein günstigeres Urteil zu erwirken. Sie verwies auf die ihrer Ansicht nach gute Sozialprognose ihres Mandanten.
  • Das Gericht lehnte ein milderes Urteil ab. Der 25-Jährige habe sein Alkoholproblem nicht im Griff.

Der 25-Jährige verbüßt gegenwärtig in der JVA Lingen eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten, die sich aus mehreren Strafen zusammensetzt. Seine Anwältin wollte nun vor Gericht erreichen, dass zumindest ein Teil der Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird. Konkret ging es um die drei Monate Haft, die er für den Vorfall am Hyde Park in Osnabrück bekommen hatte. Das Gericht lehnte eine mildere Strafe jedoch ab.

Am 21. Februar 2016 hatten die Türsteher vom Hyde Park G. und einen Bekannten, mit dem er unterwegs war, nicht reingelassen. Die Türsteher forderten die beiden auf, auch den Parkplatz zu verlassen. Als G. und dessen Bekannter dieser Aufforderung nicht nachkamen, holten die Türsteher die Polizei.

Pfefferspray eingesetzt

Die Beamten, ein Mann und eine Frau, sprachen einen Platzverweis gegen G. und seinen Freund aus. Davon ließen sich die beiden Männer nicht beeindrucken und gingen mit erhobenen Händen auf die Polizisten zu. Zu dem Mann sagte G. unter anderem „Scheiß Bulle, willst du auf´s Maul?“, die Beamtin beleidigte er mehrfach sexuell. Auch als die Polizisten Verstärkung erhielten, gaben die beiden keine Ruhe. Die Ordnungshüter setzten schließlich Pfefferspray ein, um G. außer Gefecht zu setzen und ihm und dessen Freund Handschellen anlegen zu können.

Die Tat hatte G. vor Gericht bereits im ersten Verfahren eingeräumt und gesagt, dass es ihm leidtue. Zum Zeitpunkt der Auseinandersetzung war er alkoholisiert. Das Gericht hatte die Strafe von drei Monaten nicht zur Bewährung ausgesetzt, weil G. bereits einschlägig in Erscheinung getreten war und zu dem Zeitpunkt noch eine Bewährungsstrafe verbüßte.

Räuberische Erpressung und Körperverletzung

G. stand schon wegen diverser Delikte wie Diebstahl, räuberischer Erpressung und Körperverletzung vor Gericht. So hatte er zusammen mit zwei Bekannten vor gut anderthalb Jahren einen jungen Mann angegriffen, der zufällig mit ihnen im Linienbus nach Pye gesessen hatte. Nachdem sie ausgestiegen waren, hatten sie ihn zunächst geschlagen und ihm dann eine Halskette abgenommen. Auch damals war G. bei der Tat stark alkoholisiert gewesen: Bei ihm wurden 2,11 Promille gemessen.

Keine günstige Sozialprognose

Trotzdem sieht seine Anwältin G. auf einem guten Weg, wie sie vor Gericht sagte, zumal er im Gefängnis nun einen kalten Entzug mache und ab Februar 2017 im Gefängnis zusätzliche Hilfe bekomme, um seinen Alkoholkonsum in den Griff zu bekommen.

Gericht und Staatsanwaltschaft lehnten eine Verminderung der Haftstrafe jedoch ab. Eine teilweise Aussetzung zur Bewährung komme nicht in Frage, da rechtlich nur die Gesamtstrafe zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Im Gegensatz zu seiner Anwältin war das Gericht nicht der Ansicht, dass G. eine günstige Sozialprognose habe.

Aggressiv unter Alkoholeinfluss

Obwohl er wisse, dass er unter Alkoholeinfluss aggressiv werde, habe er immer wieder getrunken. Eine Ausbildung habe er abgebrochen, weil er zu wenig Durchhaltevermögen habe, so die Richterin. „Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihr Leben noch hinkriegen“, sagte sie abschließend zu G. . Sie sehe zwar, dass er es mit einer Vergangenheit im Heim schwerer habe als viele andere Jugendliche. „Aber andere mit einer ähnlichen Vergangenheit bekommen es auch hin.“


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