Der erste Schritt Gasumstellung in Osnabrück beginnt im Januar

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Die SWO Netz kommt in die Haushalte. Foto: dpaDie SWO Netz kommt in die Haushalte. Foto: dpa

Osnabrück. Die Umstellung von Low-Gas auf High-Gas nimmt Fahrt auf. Die SWO Netz wird ab Januar alle etwa 30000 Haushalte mit Gasanschluss aufsuchen, um die dort installierten gasbetriebenen Geräte zu erfassen. Die Hundert-Prozent-Tochter der Stadtwerke rechnet mit etwa 65000 Geräten, die technisch umgerüstet werden müssen.

„Das ist alles kein Hexenwerk“, so Stadtwerkevorstand Manfred Hülsmann jetzt bei der Vorstellung der konkreten Vorgehensweise. Er erinnerte an die Umstellung von Stadt- auf Erdgas, mit der die Osnabrücker zu Beginn der 70er Jahre schon einmal ein ähnliches Infrastrukturprojekt erleben durften. Was seinerzeit reibungslos geklappt hat, soll nun also auch ab Anfang des kommenden Jahres ohne Probleme über die Bühne gehen. Die Vorbereitungen laufen seit etwa zwei Jahren, konkret wird es im Januar, wenn die ersten Mitarbeiter eigens qualifizierter Firmen in die Hauhalte ausschwärmen, um die Gasgeräte zu erfassen und zu definieren, welches Gerät an welchem Anschluss, wie für das neue Gas umgerüstet werden muss.

Etwa 18 Monate wird diese erste Phase der Umstellung dauern. Danach bleibt der SWO Netz etwa ein halbes Jahr, in dem vor allem das notwendige Material bestellt wird. In der zweiten Phase ab Anfang 2019 bekommen die Haushalte dann den zweiten Besuch. Ein Monteur wird die entsprechenden Modifizierungen an Heizungen, Herden aber auch an allen anderen mit Erdgas betriebenen Geräten vornehmen. Der dritte Schritt betrifft dann nur noch zehn Prozent der erfassten und umgestellten Haushalte. Er sieht eine stichprobenartige Qualitätskontrolle der durchgeführten Arbeiten vor.

Die SWO Netz legt großen Wert auf die enge Zusammenarbeit mit der Polizei. Trittbrettfahrer, die diese umfassende Infrastrukturmaßnahme nutzen könnten, um sich Zutritt zu den Haushalten zu verschaffen und dann auf Diebestour zu gehen sollen durch eine massive Informationspolitik, nicht nur der SWO Netz, sondern auch des Präventionsteams der Polizei, möglichst komplett ausgebremst werden. Wichtigstes Mittel hierbei ist ein Code auf dem Dienstausweis der SWO-Netz-Mitarbeiter, der einem Code auf den schriftlichen Informationen entspricht, die das Unternehmen im Vorfeld der Besuche – unter anderem zwecks einer Terminabsprache – an die betroffenen Haushalte per Post verschickt. „Wer trotzdem Zweifel hat oder wem etwas ungewöhnlich vorkommt, kann sich unter der 110 direkt an die Polizei wenden“, so Martin Schmitz vom Präventionsteam. Die Polizei werde von der SWO Netz immer informiert, in welchem Gebiet sich deren Mitarbeiter gerade für die Erhebung oder die physikalische Umstellung bewegen. Auch die SWO Netz hat eine Hotline geschaltet, die Kunden unter der Rufnummer 0541/2002-2230 erreichen können. Weitere Informationen finden sich auch im Internet unter der Adresse https://www.swo-netz.de/gasumstellung.

Die Umstellung ist für die Verbraucher kostenneutral. Alle Kosten werden zunächst von den Netzbetreibern übernommen, gesammelt und anschließend über die Netzentgelte auf alle Verbraucher umgelegt. Durch die Umlage, so das Versprechen der Netzbetreiber, wird der einzelne Kunde die Kosten nicht spüren. Auch die Gaspreise sollen wegen der Umstellung nicht steigen. Anfängliche Unsicherheiten, wie es um die Kosten bei Geräten bestellt ist, die zum Beispiel aufgrund ihres Alters nicht mehr umzurüsten sind, hat der Gesetzgeber aus der Welt geräumt. Sollte ein Gaskunde wegen der Umstellung zum Beispiel eine neue Heizung benötigen, was den Schätzungen zufolge wohl in weniger als einem Prozent aller Fälle vorkommen wird, werden diese Kosten nicht wie die generelle Umstellung von den Netzbetreibern übernommen. Hülsmann kündigte aber an, dass es Bestrebungen gebe zum Beispiel Hilfestellungen durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW) zu leisten. Die Mitarbeiter der Stadtwerke stünden hier jederzeit für die Beratung zur Verfügung.


Die Erdgasumstellung in aller Kürze

Gaskunden in Deutschland werden derzeit, je nach Region, entweder mit L-Gas oder H-Gas versorgt. Beide unterscheiden sich in ihrer chemischen Zusammensetzung und somit ihrem Brennwert, der in Kilowattstunden pro Kubikmeter [kWh/m³] gemessen wird. Der Brennwert von H-Gas ist höher als der von L-Gas (rund 11,5 kWh/m³ zu 10 kWh/m³). L-Gas wird beispielsweise in den Niederlanden und in Deutschland gefördert, H-Gas zum Beispiel in Norwegen und Russland.

L-Gas steht aufgrund rückläufiger Fördermengen in der Zukunft nicht mehr unbegrenzt zur Verfügung, daher wird ab dem Jahr 2015 (bis voraussichtlich 2030) in allen mit L-Gas versorgten Gebieten (Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz) die Versorgung nach und nach auf H-Gas umgestellt. Die Umstellung wird sich über mehrere Jahre erstrecken, der genaue Zeitpunkt für die Umstellung des jeweiligen Verteilnetzes wird zwischen den betroffenen Netzbetreibern abgestimmt, die Grobplanung wird im jährlichen „Netzentwicklungsplan Gas“ beschrieben.

Die meisten Gasgeräte, die bisher mit L-Gas betrieben werden, dürfen und können nicht ohne weiteres mit H-Gas betrieben werden. Daher müssen für eine weiterhin zuverlässige und sichere Funktion alle Gasgeräte einzeln durch einen Fachbetrieb angepasst werden. Dabei reichen die notwendigen Maßnahmen von softwareseitigen Anpassungen der Steuerung bis hin zum Austausch von Düsen und Brennerplatten. Eine Anpassung ist insgesamt für etwa 6 Millionen betroffene Gasgeräte und -anlagen notwendig. Quelle: Arbeitsgemeinschaft Erdgasumstellung

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