Nach dem Reportertausch Typisch osnabrückisch!

Merle Sievers hat mit den Osnabrückern am 11.11. Karneval gefeiert.Foto: GründelMerle Sievers hat mit den Osnabrückern am 11.11. Karneval gefeiert.Foto: Gründel

msi Osnabrück. Eine Woche hat unsere Gastreporterin aus dem Rheinland Geschichten in und über Osnabrück geschrieben. Ihr Fazit: Osnabrück ist chillig, ohne provinziell zu sein.

Osnabrück ist eigenartig. Im besten Sinne. Die Stadt und seine Bewohner haben eine sehr eigene Art. Eine Woche durfte ich als Gastreporterin hier arbeiten, bin vom Rheinland an den äußersten Zipfel Niedersachsens gewechselt. Es war eine interessante Woche, voller netter Begegnungen, Beobachtungen und Erkenntnisse.

Osnabrücker sind keine Westfalen

Beim Zipfel Niedersachsens fängt es schon an mit der Eigenart der Osnabrücker. Um Gottes Willen darf man sie nicht, niemals, never als Westfalen bezeichnen. Zwar liegt die Stadt an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen, ist stolz, Geburtsstätte des Westfälischen Friedens zu sein und für mich als Außenstehende liegen die Westfalen und Osnabrücker mentalitätsmäßig äußert nah beisammen: Aber Westfälisch? Neee, das sind die anderen. Da drüben in NRW, keine drei Kilometer Luftlinie entfernt, völlig andere Welt ist das. In Osnabrück ist man osnabrückisch.

Beim Bier sind wir wieder alle beisammen

Im Klartext heißt das: Man ist freundlich, aber zurückhaltend. Ich als Rheinländerin liebe große Emotionen, lautes Lachen, forsches Nachfragen, singende Sprachmelodien und Freundschaften für den Moment. Die Osnabrücker sind im Vergleich dazu… verhaltener. Jedenfalls habe ich sie so erlebt. Als ich am 11.11. mein Karnevalskostüm an- und das kölsche Jeföhl aufgelegt habe, waren sowohl die Kollegen in der NOZ-Redaktion als auch die Passanten auf der Straße gleichermaßen irritiert und fasziniert. Viele haben geschmunzelt und nach anfänglichem Zögern dann auch ein Kölsch mit mir getrunken. Beim Bier sind wir wieder alle beisammen, wir Deutschen.

Fahrzeit 45 Minuten

Für Verwunderung auf beiden Seiten hat außerdem die unterschiedliche Wahrnehmung von Entfernungen gesorgt. Während des Reporteraustausches habe ich auf eigenen Wunsch in Halle/Westfalen gewohnt und in Osnabrück gearbeitet. Fahrtzeit: 35 bis 45 Minuten, je nach Verkehr. Im Rheinland eine absolut durchschnittliche Pendler-Entfernung, mein Arbeitsweg von Köln nach Düsseldorf ist in etwa genauso lang. Die Osnabrücker Kollegen, von denen sich mindestens die Hälfte radelnderweise durchs Leben bewegt, haben mich regelmäßig und ausführlich für diese Fahrtstrecke bemitleidet. „Ach, sooo weit musst du noch fahren?“ und „Gute Heimreise!“ habe ich in dieser Woche öfters gehört. Danke dafür!

Überschaubarer als das Rheinland

Alles in allem ist Osnabrück deutlich überschaubarer als das Rheinland. Und in diesem Detail liegt für viele ein Reiz. Das wurde auch in meinen Gespräch mit Studenten an der Osnabrücker Uni deutlich. Millionenstädte sind stressig, Osnabrück ist chillig, ohne provinziell zu sein. Hier gibt es ein buntes Nachtleben - und Pumpernickel. Ich mag Pumpernickel, ich komme wieder!


Zum Reportertausch:

Bei diesem einmaligen Projekt tauschen sechs Medienhäuser für eine Woche jeweils ein bis zwei Reporter, die mit dem fremden Blick über die Geschehnisse in einer für sie neuen Stadt berichten. Merle Sievers ist eigentlich Redakteurin bei der Rheinischen Post in Düsseldorf und ist nun als Gastreporterin bei der NOZ in Osnabrück. Jean-Charles Fays ist eigentlich Lokalreporter in Osnabrück und war eine Woche Gastreporter in der Siegener Lokalredaktion der Westfalenpost. Alle Berichte zum Austausch finden Sie auf www.reportertausch.de

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