Aus der Region um Osnabrück Namenforscher: Bockbreders Haus stand an der Buchenbreite

Von Winfried Breidbach

Den Ursprüngen von Familiennamen unserer Leser ist Dr. Winfried Breidbach auf der Spur. Symbolfoto: dpaDen Ursprüngen von Familiennamen unserer Leser ist Dr. Winfried Breidbach auf der Spur. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Neue-OZ-Leser Frank Bockbreder aus Osnabrück fragt sich, ob sein Name etwas mit der Schafzucht zu tun hat (Bock = Schafbock?). Friedrich Bockbreder aus Ostercappeln vermutet einen Zusammenhang mit plattdeutsch „Boukbreh“ (Buchenbreite).

Mit etwa 60 Namensträgern ist Bockbreder ein recht seltener Familienname, der sehr deutlich in der Region Osnabrück, Bohmte, Melle konzentriert ist. Namenvarianten gibt es nicht. Die Nachforschungen ergeben, dass der Name früher auch in den angrenzenden Gebieten Westfalens existierte und dass es weitere Namensformen gab. So sind in den Orten Borgholzhausen, Blasheim und Halle neben Bockbreder die Schreibweisen Bockbreeder und Bokbreder sowie die Genitivformen Bockbreders und Bokbreders bezeugt. Dazu kommt mit Schwund des Konsonanten -d- Bockbreer (1720 in Börninghausen).

Zuwanderung aus Deutschland

Die Namensformen Bokbre(e)der und Bockbreeder sind für das 18./19. Jahrhundert auch für Amsterdam belegt. Dorthin gelangte der Name aber sicherlich durch Zuwanderung aus Deutschland.

Verschiedene Namensformen

Die Deutung unseres Ostercappelner Lesers trifft genau das Richtige. Das Grundwort -breder ist von mittelniederdeutsch brêde „Breite“ abgeleitet, das in Flurnamen breite Flächen oder die „Ackerbreite“ bezeichnete, meist Ackerstücke von größerer Breite als Länge. Der einfache Familienname Breder (abgeschliffen Breer) bezog sich als Wohnstättenname auf den Wohnsitz an einer Flur namens Brede.

Der Name Bockbreder ist ganz entsprechend von einer „Bockbrede“ abgeleitet. Der mit diesem Flurnamen identische Familienname ist historisch in den Schreibungen Bockbrede, Bockbrehde und Bokbrede in Borgholzhausen und Versmold bezeugt. Der Nachname ist hier sicherlich verkürzt aus einer älteren dreigliedrigen Form wie „to der Bockbrede“ oder ähnlich. In Borgholzhausen gab es noch die Namensformen Bockbreden und Bokbreden sowie abgeschliffen Bockbren, die wahrscheinlich als Genitivformen zu Bockbrede entstanden.

Zahlreiche Varianten

Das Bestimmungswort gehört zu mittelniederdeutsch böke, bôke „Buche“. In den plattdeutschen Mundarten entwickelten sich zahlreiche Varianten des Baumnamens wie Bööke, Bök, Böcke, Böike, Böuke, Book(e), Bock(e), Bauck, Beuk, Büke, Buke. Die Wortform mit Kurzvokal -o- wie in Bockbrede findet sich in vielen Orts- und Familiennamen wie Bockholt, Bockhoff, Bockhorn, Bockhorst, Bockheim, Bockloh, Bockum, Bockwiede, Bockwoldt, Bockstruck usw.Eine ganz parallele Namenbildung liegt im Bielefelder Namen Heid-/Heitbreder vor, bei denen es die zugrunde liegenden Namen Heid-/Heitbrede „Heidebreite“ auch heute noch gibt.


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