„Stadtprojekt Nathan“ Auftaktveranstaltung im Theater Osnabrück

Texte zum Thema Toleranz trugen Cornelia Kempers und Ronald Funke beim Auftakt zum „Stadtprojekt Nathan“ vor. Foto: Egmont SeilerTexte zum Thema Toleranz trugen Cornelia Kempers und Ronald Funke beim Auftakt zum „Stadtprojekt Nathan“ vor. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Um Toleranz ging es beim Auftakt zum „Stadtprojekt Nathan“ am Freitag im Oberen Foyer des Theaters am Domhof in Osnabrück.

Nein, Donald Trump wurde kein einziges Mal erwähnt. Dabei hätte das nahe gelegen bei einem Abend über Toleranz. Zumal der noch im Theater stattfand, einem Ort, der sich gern mit der weltpolitischen Lage auseinandersetzt. Doch die Auftaktveranstaltung zum „Stadtprojekt Nathan“ konzentrierte sich auf das Thema im Allgemeinen statt im Besonderen.

Schon in der vergangenen Saison gab es das „Stadtprojekt Remarque“ , mit dem die Inszenierung von „Der schwarze Obelisk“ und das Tanztheaterstück „Sag mir, dass du mich liebst“ flankiert wurden. Begleitend zur Aufführung von „Nathan der Weise“ (Premiere: Samstag, 28. Januar, 19.30 Uhr, Theater am Domhof), dem Lessings Aufruf zur Toleranz mit der berühmten Ringparabel, gibt es wieder ein Programm mit verschiedenen Projekten. „Es ist uns ein Anliegen, die Thematik in die Stadt zu tragen“, erklärte Jens Peters, Leitender Schauspieldramaturg.

Stück in jüdischer, christlicher und muslimischer Gemeinde

Den Anfang des Abends machten Sätze aus Björn Bickers „Urban Prayers“, die in dieser Spielzeit wiederzuhören sein werden: „Was glaubt ihr denn. Wer wir sind“, wird da mantraartig immer wieder aufgegriffen. Bicker hat dafür in einer Münchener Moschee recherchiert und den Stoff außerdem für die jüngste Ruhrtriennale neu aufgearbeitet.

In Osnabrück werde es eine eigene Variante geben, so Peters. Denn drei Amateurtheatergruppen werden „Urban Prayers“ an einem Abend in einer christlichen, einer muslimischen und der jüdischen Gemeinde aufführen.

Texte und Musik zum Auftakt

Cornelia Kempers und Ronald Funke vom Schauspielensemble des Theaters trugen zwei Ausschnitte aus Bickers „Urban Prayers“ sowie Texte von weiteren Autoren vor, unter anderem von Elfriede Jelinek, Voltaire und natürlich Lessing. Ihre Kollegen Stefan Haschke und Janosch Schulte präsentierten außerdem einen Ausschnitt aus Lessings „Ernst und Falk“, das demnächst im Lortzinghaus zu sehen ist.

Auch die Musik war passend zum Thema des Abends ausgewählt worden. Denn Dmitri Schostakowitsch, von dem Denys Proshayev ein Präludium und eine Fuge spielte, geriet in Konflikt mit Stalins Regime. Außerdem sang Rhys Jenkins einen Ausschnitt aus der Oper „Simon Boccanegra“.

Programm des „Stadtprojektes“

Das „Stadtprojekt Nathan“ besteht unter anderem aus einer Schreibwerkstatt für 16- bis 24-Jährige. An den „Urban Prayers“ sind die Amateurgruppen Jugendclub Mania, Amigos Bandidos und der neu gegründete Studentenclub beteiligt. Sie spielen in der Jugendkirche, der Synagoge und der Moschee der DITIB-Gemeinde.


Infos zum „Stadtprojekt Nathan“ in einem Flyer und unter www.theater-osnabrueck.de.

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