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Eine ungewöhnliche Immobilie Land Niedersachsen verkauft exklusive Villa in Osnabrück


Osnabrück. Er schimmert noch durch, der Glanz vom einstigen Luxusleben, aber der Niedergang der herrschaftlichen Pracht ist unübersehbar. Das Land Niedersachsen verkauft eine denkmalgeschützte Villa am Westerberg von 1905 zum Höchstgebot. Mehr als 100 Interessierte haben sich schon gemeldet.

Fast 400 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche stehen zum Verkauf, dazu kommt noch ein riesiger Keller. Beim Gang durchs Erdgeschoss und die Beletage kommen Rundbögen, edle Holzverkleidungen und Schiebetüren zum Vorschein. Im Salon glänzt das Parkett, und es fällt kaum auf, dass nicht Tapeten, sondern textile Wandbebespannungen die vertikalen Flächen schmücken. Ein Speiseaufzug verbindet die herrschaftlichen Räume mit der Küche im Keller. Und das Marmorbad mit Bleiverglasung wirft die Frage auf, wer sich vor 100 Jahren wohl so einen Luxus leisten konnte. Bei genauer Betrachtung zeigen sich allerdings etliche Schäden, die nicht mit Materialien aus dem Baumarkt zu beheben sind.

Kanalrohre verstopft

Die Villa an der Sedanstraße 4 stand seit 1976 in den Diensten von Uni und Hochschule. Bis vor einigen Wochen residierte der Asta der Universität in dem einstmals so noblen Domizil. Doch die Nutzung war zuletzt stark eingeschränkt, weil die Wurzeln der stattlichen Bäume die Abflüsse der sanitären Anlagen verstopft haben. Mit Dixi-Klos half man sich einige Monate über die Runden, inzwischen hat die Uni das Gebäude aber an das Land Niedersachsen zurückgegeben. Und nun ist es die Aufgabe von Ralf Kolchmeyer, für den 2100 qm großen Park mit dem 111 Jahre alten Baudenkmal einen möglichst hohen Preis zu erzielen.

So eine Villa wie die vom Westerberg ist auch für den Immobilienspezialisten aus der Oberfinanzdirektion ein ganz besonderes Schätzchen. Die Anzeige, die vor einer Woche in unserer Zeitung und in diversen Internetportalen erschienen ist, weckt selbst bei Kaufinteressierten aus dem Reihenhausmilieu Begehrlichkeiten. Bei einem Gutachtenwert von 376000 Euro fangen Familienväter an zu rechnen, wie sie sich provisionsfrei, mit überschaubarem Aufwand und optimistisch kalkulierten Mieteinnahmen in den Besitz dieses repräsentativen Prachtstücks bringen könnten. Und genau diesen Zahn will Ralf Kolchmeyer allen Interessenten ziehen, die vor dem Umgang mit siebenstelligen Beträgen zurückschrecken.

Geld, Liebe, Verhandlungsgeschick

Sitz des Patriarchen: Die Villa auf einem Briefkopf der Samenhandlung Stahn & Finke von 1911. Foto: Oberfinanzdirektion Niedersachsen

Etwa 20 Personen habe er schon überzeugt, „dass es sich nicht lohnt, Zeit da reinzustecken“, sagt der Verkaufsmanager aus dem Landesliegenschaftsfonds in Bad Iburg. Acht potenzielle Käufer hat er inzwischen durch alle Räume vom Salon bis zum Keller geführt, weitere 25 Besichtigungstermine stehen in den nächsten Tagen an.

Kolchmeyer macht seinen Gesprächspartnern unmissverständlich klar, dass der neue Eigentümer die Villa nur nutzen kann, wenn er viel Geld und Liebe in sein neues Heim investiert, zugleich aber auf schwierige Verhandlungen mit den Baubehörden eingestellt ist. „Bei dem aufstehenden Gebäude handelt es sich um ein Einzelbaudenkmal mit inneren und äußeren zu schützenden Merkmalen“, heißt es im Exposé der Oberfinanzdirektion.

Denkmalschutz durch und durch

Der Denkmalschutz gelte auch für Fenster, Holzdecken und Wandbehänge, sagt Kolchmeyer, für die Originalfliesen in Bad und Keller, im Zweifel sogar für die gusseisernen Heizkörper, denn die waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts fast so exklusiv wie eine blaue Mauritius. An einen Stellplatz oder eine Garage mag er gar nicht denken: Baurechtlich gebe es da ein Problem, bekennt der Immobilienprofi, weil der schmiedeeiserne Zaun an der Sedanstraße nicht einfach unterbrochen werden dürfe. Aber mit Geschick und Hartnäckigkeit werde sich ein Weg für eine zeitgemäße Nutzung finden.

Vor 100 Jahren war die Villa noch nicht von einem Park umgeben, sie war der Blickfang auf dem Betriebsgelände der Samenhandlung Stahn & Finke. Die „Osnabrücker Central-Saatstelle“ exportierte und importierte Feld-, Gemüse-, Garten-, Gras und Blumensamen, wie auf einem 1911 verwendeten Briefkopf vermerkt ist. Und das Geschäft florierte offensichtlich. Dafür spricht die fast schon feudale Pracht, die sich die Direktorenfamilie ganz privat in ihren vier Wänden gönnte.

Bieten und überbieten

40 Jahre nach der Umwidmung durch das Land Niedersachsen kommt es jetzt zur Re-Privatisierung der einstigen Patriarchenvilla. Bis zum 15. November läuft die erste Runde im Gebotsverfahren. Die ambitionierten Bieter bleiben im Rennen und bekommen immer wieder Gelegenheit, ihre Mitbewerber auszustechen. Spätestens im Dezember will die Oberfinanzdirektion die ganz besondere Immobilie an den Mann oder an die Frau gebracht haben. Könnte ja auch ein schönes Weihnachtsgeschenk sein, meint Rald Kolchmeyer.


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