Besserer Tag der Deutschen Einheit? Osnabrücker Schüler befragten Passanten zum 9. November

Von Andre Pottebaum


Osnabrück. Mit einer Umfrage zum Thema „9. November – der bessere Tag der Deutschen Einheit?“ haben Schüler der Thomas-Morus-Schule in dieser Woche mit Passanten in der Großen Straße über historische Ereignisse wie den Mauerfall und die Reichspogromnacht debattiert. Bei den Passanten fand die Idee der Schüler, den Einheitstag zu verlegen, durchaus Anklang.

„Die Schüler möchten mit der Befragung zum Nachdenken über die deutsche Geschichte anregen, aber auch von den Gesprächspartnern etwas über einen Tag erfahren, der vor ihrer eigenen Geburt liegt“, erzählte Lehrer Michael Schwarzwald. Im Unterricht hatten sich die 16- und 17-Jährigen mit der Reichspogromnacht auseinandergesetzt und erfahren, dass der 9. November auch ansonsten ein „Schicksalstag der deutschen Geschichte“ ist.

Die Ereignisse um den Mauerfall 1989, die Pogrome 1938 und den Hitler-Luddendorff-Putsch 1923 – jeweils am 9. November – nahmen die Schüler zum Anlass, auf Spurensuche nach Zeitzeugen und Interessierten zu gehen, die mehr über die geschichtsträchtigen Hintergründe zu berichten wissen. „Wir hatten einen Mann, der wusste einfach alles über die Daten und Zusammenhänge der Ereignisse. Er hat uns zum Beispiel seine persönlichen Erfahrungen während des Mauerfalls geschildert“, berichtete Emre Atasoy.

9. November als Tag der Deutschen Einheit?

Mit Fragen wie „Können Sie uns wichtige Ereignisse der deutschen Geschichte nennen, die auf einen 9. November gefallen sind?“ oder „Am 3. Oktober 1990 ist die DDR der Bundesrepublik beigetreten. Meinen Sie, der Tag des Mauerfalls am 9. November wäre als Tag der Deutschen Einheit besser geeignet?“ gingen die Schüler auf Stimmenfang und bekamen durchaus positive Rückmeldung auf ihren Vorschlag. „Es gibt definitiv Passanten, die den 9. November geeigneter finden als den 3. Oktober“, resümierte Alina Poske.

Für Michael Schwarzkopf war die Befragung Gelegenheit, theoretische Erkenntnisse mit praxisnaher Erfahrung zu verbinden. „Die Schüler müssen rausgehen und feststellen, was Schule mit unserem Leben zu tun hat und lernen, sich mit anderen Personen über bestimmte Themen zu unterhalten“, so der Lehrer. „Meine Hoffnung ist, dass die Schüler diese Erfahrung in Erinnerung behalten. Sie waren sehr beeindruckt von den Passanten, mit denen sie ins Gespräch gekommen sind.“

Auswertung der Ergebnisse

Im Unterricht wollen die 28 Zehntklässler die Ergebnisse der Befragung jetzt auswerten, auch wenn sie noch nicht genau wissen, was sie mit den Resultaten anfangen werden. „Für uns was es auf jeden Fall interessant zu erfahren, was die Personen mit den einzelnen Ereignissen verbinden und was sie damals gemacht haben“, bilanzierte die Schülerin Alicia Schoske: „Viele halten den 9. November aufgrund der Vielzahl von Ereignissen als ,Tag der Deutschen Einheit‘ für besser geeignet.“