Trump unbeliebt, Clinton auch So haben Osnabrücker Austauschschüler die Wahl erlebt

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Osnabrück. Donald Trump ist bei jungen Amerikanern nicht beliebt, Hillary Clinton aber auch nicht. Das haben Amelie, Louisa und Ole aus Osnabrück beobachtet. Sie sind als Austauschschüler des American Field Service (AFS) für ein Jahr in den USA.

„Meine Familie war geschockt, dass er gewählt wurde“, erzählt Amelie Schulte (17), die es in einen Vorort von Milwaukee verschlagen hat. Donald Trump sei in der Region zwar der Favorit gewesen, nicht jedoch in ihrer Gastfamilie und in ihrem Freundeskreis. Da wurde viel diskutiert über die TV-Duelle und die Schlammschlacht, aber „alle hatten mit einem knappen Sieg von Clinton gerechnet“, sagt die Caro-Schülerin aus Osnabrück.

Das kleinere Übel

Gewundert hat sich Amelie über die Wahlwerbung im Fernsehen, bei der das Trump-Lager vor Beleidigungen und Unterstellungen nicht haltmachte: „Das war teilweise echt krass!“ Viele aus ihrem Freundeskreis hätten die Schlammschlacht missbilligt, vermerkt die 17-Jährige, aber Hillary Clinton sei auch nicht gut angekommen: „Gewählt wurde, wen man am wenigsten schlimm findet.“

Für Amelie war es auf jeden Fall spannend, eine für deutsche Verhältnisse so ungewöhnliche Wahl zu erleben. Ihre Erwartungen an Donald Trump halten sich aber in Grenzen: Er habe vieles versprochen, das er als Präsident nicht halten könne.

Politik ist kein Geheimnis

Die Nachricht vom Wahlsieg Donald Trumps war auch für Louisa Hehmann ein Schock. Einige ihrer Freunde hätten geweint, erzählt die 16-jährige Schülerin vom Gymnasium Oesede. Sie lebt für ein Jahr bei einer Gastfamilie in Omaha, der größten Stadt im Bundesstaat Nebraska. „Meine Stadt ist komplett für Clinton,“ sagt Louisa, „aber der Staat ist für Trump“.

Vom AFS sei ihr zwar eine gewisse Zurückhaltung gegenüber politischen Themen nahegelegt worden, aber zu ihrer Überraschung werde unter Jugendlichen sehr offen darüber diskutiert. Und im Gegensatz zu Deutschland mache kaum jemand ein Geheimnis aus seiner Überzeugung, vermerkt Louisa.

Ihr ist aufgefallen, dass durch viele Familien ein Riss gehe: Die Älteren unterstützten Trump, die Jüngeren Clinton. Dass der Wahlkampf häufig unter die Gürtellinie ging, habe viele Leute „genervt“. Aus der Ablehnung von Trump lasse sich allerdings nicht unbedingt Sympathie für Clinton ablesen, meint die 16-Jährige. Viele Wähler hätten sich offensichtlich für das kleinere Übel entschieden.

Streit unter Freunden

In einem republikanischen Kosmos ist der 16-jährige Ole Klassen gelandet. Seit August lebt der Schüler von St. Angela in Benjamin, einem 1100-Seelen-Dorf, eine knappe Autostunde südlich von Salt Lake City im Bundesstaat Utah. Seine Gasteltern schauen zwar keine Fernsehnachrichten und reden nicht viel über Politik, aber der Wahlkampf war stets präsent für den jungen Austauschschüler.

Auf dem Weg zur Schule kam er jeden Morgen an den roten oder blauen Wahlplakaten vorbei, die Anhänger der Republikaner oder Demokraten in ihren Vorgärten aufstellen. Das seien aber nicht mehr so viele gewesen wie bei früheren Wahlen, wurde ihm immer wieder versichert. Bei Google erschien in den letzten Tagen der Aufruf „Geht wählen!“ Seine Gasteltern hätten sich an der Wahl beteiligt, erzählt Ole, aber welche Partei sie bevorzugen, weiß er nicht.

Utah sei ein „Republican State“, meint der 16-Jährige. Er hat den Eindruck, dass seine Mitschüler den neuen Präsidenten Donald Trump zwar nicht sonderlich mögen, aber immer noch besser finden als Hillary Clinton. In der Schule hätten sich zwei seiner Freunde einmal darüber gestritten, welcher der beiden Kandidaten der Bessere sei. Aber solche Auseinandersetzungen seien die Ausnahme gewesen.

Vorbehalte gegenüber der demokratischen Politikerin kämen häufig von Männern, berichtet Ole: „Die sind oft gegen Hillary, weil sie ihre Waffen dann abgeben müssten“. Dass die Schießeisen in den USA zum Alltag gehören, fand der 16-Jährige zuerst „gruselig“, aber so langsam gewöhnt er sich daran. Eigentlich würde er das Schießen auch selber gerne einmal ausprobieren. Aber seine Eltern wollen das nicht.


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