Im thüringischen Salzbergwerk Janet Biggs geht mit Videoarbeiten an ihre Grenzen

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Videokünstlerin Janet Biggs in ihrer Ausstellung, hier mit Video-Projektionen. Foto: Michael GründelVideokünstlerin Janet Biggs in ihrer Ausstellung, hier mit Video-Projektionen. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Es könnte auch die Wahl zum amerikanischen Präsidenten gewesen sein, sagt Janet Biggs mit einem bitteren Lachen über die Extremsituationen, die sie in ihren Videos verarbeitet. Eine Auswahl ihrer Arbeiten zeigt sie jetzt im Kunstraum hase29.

Mit Helm und Atemmaske klettert eine Frau im roten Overall in eine Höhle. Wie man bald feststellt, handelt es sich um ein Salzbergwerk, in das sie da einsteigt, denn plötzlich ist sie von der bizarrsten Kristalllandschaft umgeben. Diese faszinierenden Bilder werden allerdings von Laborszenen gegengeschnitten und von einem Mann, der durch eine Mineralienbörse pirscht. Es handelt sich nämlich nicht um einen Dokumentarfilm über die Welt der Kristalle, sondern um die Auseinandersetzung mit einer Krankheit, die hier zur Videokunst wird.

Sieben Jahre Recherche

Janet Biggs ist die amerikanische Medienkünstlerin, von der ab dem 11. November ausgewählte Arbeiten im Kunstraum hase29 zu sehen sind. Das Hauptwerk „Can´t find my way home“ wird im rückwärtigen Teil des Raumes synchronisiert auf vier Leinwände projiziert. Das verbindende Glied zwischen den unterschiedlichen Schauplätzen ist die Alzheimer-Krankheit . „Sieben Jahre habe ich recherchiert und herausgefunden, dass das gezeigte Salzbergwerk, Merkers Höhlen in Thüringen, mit ihren Gängen und Hallen von der Form eine Ähnlichkeit mit dem menschlichen Hypothalamus aufweist“, sagt Biggs.

Kranker Großvater

Ihr Großvater starb an der unheilbaren Krankheit. Er war Hobby-Mineralien-Forscher und konnte sogar mit fortschreitender Krankheit seine Mineralien bestimmen, sich aber nicht an die Namen seiner Familienmitglieder erinnern. Der Kreis schließt sich in dem Moment, in dem Biggs einen Zusammenhang zwischen kristallinen Formen und den biochemischen Strukturen der Proteine herstellt, die in den Gehirnen von Alzheimer-Erkrankten gefunden wurden.

Herausforderungen und Grenzerfahrungen im Kontext von Orientierungslosigkeit und Identitätsverlust sucht Janet Biggs. Ob sie einen Eisforscher in eine Eiskaverne ins Norwegische Niemandsland begleitet oder die schnellste Motorradfahrerin der Welt, die mit 376 Kilometern pro Stunde über einen Salzsee donnert, stets führt sie selbst die Kamera, setzt sich so Extremsituationen aus und lässt die Zuschauer an ihren existenziellen Erlebnisse partizipieren.

„Als wir die ´Gesellschaft für zeitgenössische Kunst´ gründeten, mussten wir in kürzester Zeit ein Jahresprogramm auf die Beine stellen“, erzählt Elisabeth Lumme vom Vorstand des Vereins. Daher war sie an die Kuratorin Berta Sichel herangetreten, die sich auf dem Sektor der Medienkunst einen Namen gemacht hat. Sie vermittelte den Kontakt zu Janet Biggs.


hase 29 – Kunstraum der Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Osnabrück (Hasestraße 29): „Can´t find my way home“. Videoarbeiten, Fotografien und Objekte von Janet Biggs. 11. November (Eröffnung um 19 Uhr) bis 10. Dezember. Di., Mi. und Fr. 14-18 Uhr, Do. 16-20 Uhr, Sa. 11-15 Uhr.

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