Nach Kakerlaken-Plage gefeuert Osnabrücker Cinestar-Chefin offenbar unschuldig

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Die Ex-Chefin des Cinestar Osnabrück hat sich bei der Entsorgung von kakerlakenverseuchter Ware nicht strafbar gemacht. Der Kündigungsstreit geht trotzdem weiter. Foto: Michael GründelDie Ex-Chefin des Cinestar Osnabrück hat sich bei der Entsorgung von kakerlakenverseuchter Ware nicht strafbar gemacht. Der Kündigungsstreit geht trotzdem weiter. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Die frühere Chefin des Cinestar Osnabrück hat sich bei der Entsorgung von kakerlakenverseuchter Ware nicht strafbar gemacht. Das sollen Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft Osnabrück ergeben haben. Feuern will der Kinobetreiber die Frau trotzdem.

Verhärtete Fronten im Kakerlaken-Prozess: Die nach einem Schädlingsbefall im Cinestar Osnabrück gleich zweimal fristlos gefeuerte Kino-Chefin und ihr Arbeitgeber lehnen einen Vergleich weiterhin ab. Erst soll das Landesarbeitsgericht (LAG) entscheiden.

Das Arbeitsgericht Osnabrück hat deshalb am Dienstag ein Verfahren ausgesetzt, in dem sich die Theaterleiterin gegen ihre nächste fristlose Kündigung durch die Neue Filmpalast GmbH (Lübeck) vom 18. Mai wehrt. Zur Begründung sagte der Kammervorsitzende, ein Urteil in dieser Sache würde der rechtskräftigen Entscheidung in einem älteren Prozess vorgreifen.

Berge von Ware entsorgt

Damit ist zunächst das anhängige – und noch nicht terminierte – Berufungsverfahren vor dem LAG Hannover gemeint. Der Kinobetreiber hat es angestrengt, weil er bei dem Versuch, seine ehemalige Führungskraft bereits zum 12. Januar loszuwerden, in erster Instanz eine Niederlage kassierte. Dieser Rauswurf war im Sommer vom Arbeitsgericht Osnabrück für unwirksam erklärt worden.

Anlass für den gesamten Kündigungsstreit ist eine inzwischen ein Jahr zurückliegende Kakerlaken-Plage im Cinestar Osnabrück. Die Theaterleiterin hatte damals Berge von Lebensmitteln und andere von Ungeziefer befallene Ware weggeworfen – und zwar in einem Ausmaß, dass der Kinobetreiber die Frau nicht nur umgehend schasste, sondern auch wegen mutmaßlicher Unterschlagung anzeigte. Denn so viel, wie angeblich entsorgt wurde, passe doch gar nicht in die hauseigenen Mülltonnen, erklärte die Neue Filmpalast GmbH. Da müsse die Angestellte doch etwas für sich abgezweigt haben.

Keine Anhaltspunkte für Straftat

Die 3. Kammer des Arbeitsgerichts Osnabrück unter Vorsitz von Thomas Schrader erkannte allerdings keinen strengen Verdacht auf eine Straftat, welcher die fristlose Kündigung der heute 38-jährigen Klägerin gerechtfertigt hätte. Zum selben Ergebnis kommen angeblich auch die Strafverfolgungsbehörden. „Die polizeilichen Ermittlungen sind abgeschlossen, es gibt keine Anhaltspunkte für eine Straftat“, trug Manfred Kubillus als Anwalt der Kino-Chefin am Dienstag vor – wenngleich die Staatsanwaltschaft Osnabrück dies so nicht bestätigen wollte. Auf Nachfrage unserer Redaktion teilte ein Sprecher am Mittwoch mit, die Ermittlungen würden erst „in den nächsten Tagen“ abgeschlossen. Nähere Auskünfte seien „Ende nächster Woche“ möglich.

Laut Kubillus hat der Polizeibericht ergeben, dass die ins Spiel gebrachten Gütermengen tatsächlich nicht vorhanden waren. Im Klartext: Die Theaterleiterin hat weniger kontaminierte Ware vernichtet, als die Bestandsliste zunächst vermuten ließ. Für Cinestar kein Grund einzulenken. Im Gegenteil: Kündigungsgrund soll nun die fehlerhafte Erstellung von Inventuren sein. (Weiterlesen: Cinestar tanzt „La Cucaracha“ auf der Rasierklinge – ein Kommentar)

Inventuren fehlerhaft?

Dass er auch einen daraus resultierenden Prozessbetrug für wenig nachvollziehbar hält, hatte Richter Schrader bereits beim gescheiterten Gütetermin Ende Juni angedeutet. Cinestar braucht das vorläufig nicht zu kümmern: Denn bevor die Einschätzung des Osnabrücker Arbeitsgerichts wieder maßgeblich wird, muss erst das LAG sein Berufungsurteil fällen. Folgt es der Argumentation der Neuen Filmpalast GmbH, fliegt die Klägerin rückwirkend zum 12. Januar aus der Firma.

Theaterleiterin im Vorteil

Sollte Cinestar allerdings auch in Hannover verlieren, würde das zweite Verfahren, das auf der späteren Kündigung fußt, wieder aufgenommen. Wobei die Chancen der Theaterleiterin auf ein Ende des Streits zu ihren Gunsten dann steigen dürften. So macht sie für einen Vergleich unter anderem eine saubere Trennung nach mittlerweile 18 Dienstjahren zur Bedingung sowie eine Abfindung von mehr als 30.000 Euro. Cinestar hingegen will ihr überhaupt nichts zahlen.

Wie unversöhnlich sich beide Seiten zurzeit gegenüberstehen, wurde am Dienstag mehr als deutlich. Cinestar-Personaldirektorin Simone Philipp formulierte es so: „Wir bewegen uns eher voneinander weg als aufeinander zu.“ (Weiterlesen: Unnachgiebigkeit kommt Cinestar teuer zu stehen – ein Kommentar)


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