Behauptungen der „Titanic“ Hasstiraden gegen Osnabrück im Faktencheck

Von Merle Sievers

Pflegt eine sonderbare Hassliebe zu Osnabrück: Das Satire-Magazin „Titanic“. Foto: dpaPflegt eine sonderbare Hassliebe zu Osnabrück: Das Satire-Magazin „Titanic“. Foto: dpa

msi Osnabrück. Das Satiremagazin Titanic pflegt eine sonderbare Hassliebe zu Osnabrück. Unsere rheinische Gastreporterin Merle Sievers unterzieht die Verleumdungen einem Faktencheck.


Das Satiremagazin Titanic pflegt eine sonderbare Hassliebe zu Osnabrück. Unsere rheinische Gastreporterin Merle Sievers unterzieht die Verleumdungen einem Faktencheck.
 
Eine Woche Osnabrück also. Das Bild, das ich von der Stadt habe (ohne mich jemals außerhalb des Bahnhofgeländes bewegt zu haben) speist sich vor allem aus Artikeln der Satire-Zeitschrift „Titanic“. Das Magazin lässt keine Gelegenheit aus, sich über Osnabrück als „Ort für wunderlichen Lokalkolorit mit einer Aura der wesensgemäßen Dickfelligkeit und Renitenz“ zu amüsieren. 
 
Diese Hassliebe geht wohl auf Martin Sonneborn zurück, der von 2000 bis 2005 Chefredakteur des Magazins war. Er ist in Osnabrück aufgewachsen und hadert ganz offensichtlich mit seinen Wurzeln im Zentrum der „provinziellen Tristesse“. Auch nach Sonneborns Weggang führt die „Titanic“-Redaktion die liebevollen Hasstiraden gegen die Stadt konsequent fort, regelmäßig bekommt Osnabrück in den besonders beliebten Listen der Zeitschrift sein Fett weg. Osnabrück hat sich zum exzellenten Prügelopfer der Satiriker gemausert. Aber wie viel Wahrheit steckt in den Behauptungen der „Titanic“ und wie viel ist dem bunten Chaos im Hirn der Redakteure entsprungen? Ein Faktencheck.
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1.) Fleischalternativen, die sich nicht durchgesetzt haben  (Juli 2015)

Auszug: Spanfenchel, Hackepetersilie, Auberschinken, Sämtliche Ideen des „Veggie-Guide Osnabrück“

Erkenntnis: Es gibt tatsächlich eine Broschüre mit dem Titel „Veggie-Guide für Osnabrück“ und die ist (man höre und staune) Ende 2015 bereits in dritter (!) Auflage erschienen. Inzwischen gibt es sogar eine zugehörige Karte im Netz, auf der alle veganen und vegetarischen Restaurants in der Umgebung verortet sind. Wer unbändige Lust auf grüne Smoothies, einen veganen Döner oder die Kichererbsen-Trilogie verspürt, ist (erstaunlicherweise) in Osnabrück genau richtig. 
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2.) Vollkommen ungeeignete Orte für Sex (Januar 2016)

Auszug: In der Waschmaschine, auf dem Rücksitz eines Bobbycars, in Alice Schwarzers Büro, in Osnabrück

Erkenntnis: Ich habe während meiner ersten 24 Stunden in Osnabrück mehrere Kinder auf der Straße gesehen. Sex ist hier also ganz offensichtlich und und sehr wohl möglich. 
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3.) Konzepte, die sich (noch) nicht durchgesetzt haben (Februar 2015)

Auszug: Radikaler Buddhismus, Randale-Yoga, Disneyland Osnabrück

Erkenntnis: Weit und breit kein Disneyland. Aber wer braucht schon zuckerwattenverklebte Laiendarsteller in lebensgroßen Mickey-Mouse-Kostümen? Die Wasserrutsche im Nettebad soll spektakulär sein.
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4.) Ratgeber-Bücher, die sich nicht durchgesetzt haben (Dezember 2015)

Auszug: Endlich Schnarcher, Richtig bewehrben, Atmen ohne Reue, Reiseführer Osnabrück

Erkenntnis: Allein Amazon liefert auf die Suchanfrage „Reiseführer Osnabrück“ mehr als 300 Treffer und auch in Buchhandlungen habe ich mich davon überzeugt, dass tatsächlich Reiseführer für die Stadt am Zipfel Niedersachsens geschrieben, gedruckt und verkauft werden. Aber habe ich mir selbst vorher einen besorgt? Fehlanzeige. 
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5.) Schlechte Coverband-Namen (September 2015)

Auszug: Igels, Die Supertrampel, OISIS, Stink Floyd, Osnabrück Cowboys

Erkenntnis: Stimmt. Osnabrück Cowboys wäre ein sehr schlechter Bandname. Zum Glück kam bislang noch keine Coverband auf die Idee, sich so zu nennen. Nein, auch aus Osnabrück niemand.