Premiere am Theater Osnabrück Gelungenes Familienstück: „Robin Hood“

Von Anne Reinert


Osnabrück. Die Premiere von „Robin Hood“ im Theater Osnabrück begeisterte das Publikum. Das Stück erzählt von Freundschaft und Gerechtigkeit.

Welcher Stoff eignet sich besser, über Gerechtigkeit zu erzählen, als „Robin Hood“? Der den Reichen nimmt, um den Armen zu geben? Regisseurin Anna Werner und Dramaturgin Marie Senf haben eine eigene Bühnenfassung aus dem englischen Sagen- und Balladenstoff gemacht, die actionfreudig und dynamisch ist.

Immer seinem Pfeil nach zieht Robin Hood auf der „Suche nach Abenteuern“ durch den Sherwood Forest. Da ist er noch ein wohlhabender Adliger. Das soll nicht so bleiben. Denn der Sheriff von Nottingham lässt sein Haus abbrennen. Und so wird aus Robin ein Vogelfreier, der eine Diebesbande gründet.

Habgieriger Sheriff

Auslöser ist eine Begegnung mit den Schergen des Sheriffs, Large und Extra-Large (wunderbar clownesk: Jacques Freyber und Astrid Köhler). Den Schießwettbewerb im Wald gewinnt zwar der Held, muss sich aber vorwerfen lassen, sich mit der Erlegung eines Wildschweins am Eigentum des Sheriffs vergriffen zu haben. Das zeigt: In diesem Reich herrscht reine Willkür. Der habgierige Sheriff von Nottingham nimmt den Bauern nicht nur den Großteil ihres Eigentums, sondern beansprucht auch den Thron des Königs, der im Krieg ist. Und damit auch dessen Tochter Marian.

Schlagkräftige Prinzessin

Die ist ebenso abenteuerlustig wie Robin Hood. Kein Zufall, dass deren erste Begegnung buchstäblich schlagkräftig ausfällt. Mit den beiden finden aufrechte Rebellen zueinander, die sich durch Widerstände nicht beirren lassen. Die Oskar-Schauspieler Benjamin Werner und Johanna Franke stellen sie authentisch dar und lassen sie zu sympathischen Helden werden. Gregor Müller spielt den Sheriff von Nottingham schön fies und selbstherrlich und erinnert an manchen Narzissten der politischen Weltbühne. Widerworte von Untergebenen? Sofort ins Gefängnis.

Die Nebenfiguren mit ihren Ecken und Kanten tun dem Ganzen gut. Neben den tollpatschigen Gehilfen des Sheriffs sind das Robins Kumpanen, der hilflose, aber treue Little John und der ewig hungrige Bruder Tuck. Jost op den Winkel (Tuck) und Manuel Flach (John) spielen ihre Figuren überzeugend. Oskar-Mitglied Jost op den Winkel gefällt dazu in der Rolle von Marians besorgter Gouvernante, die ihrem Schützling mit britischem Akzent gepflegte Konversation beibringt.

Bewegliches und dynamisches Stücks

Für den richtigen Ton sorgen die Musiker Eberhard Schneider und Mischa Vernov, die viele Szenen atmosphärisch untermalen und den Gesang begleiten. Bewundernswert, wie energiegeladen alle Schauspieler in diesem Stück sind, in dem geschossen und gekämpft wird. Zu der Beweglichkeit passt auch Margrit Flagners Bühnenbild, das dank Drehbühne die Szenerie wechselt.

Manchmal wünscht man der Inszenierung mehr Frechheit. Insgesamt ist Anna Werner aber ein dynamisches Familienstück gelungen, das ein Erfolg werden sollte. Darauf lassen auch der lange Applaus und der Jubel des Premierenpublikums im Theater am Domhof schließen.

Nächste Aufführung: Sonntag, 13. November, 11.30 Uhr, Theater am Domhof. Kartentel.: 0541/7600076.


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