Schaden mehr als 300.000 Euro? Osnabrücker Lehrerin kassiert mit gefälschten Rezepten ab

Von Sebastian Philipp

Eine Lehrerin aus Osnabrück soll laut Staatsanwaltschaft über Jahre hinweg die Beihilfestelle um einen sechsstelligen Eurobetrag betrogen haben, indem sie Rezepte für Medikamente verfälscht hat. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpaEine Lehrerin aus Osnabrück soll laut Staatsanwaltschaft über Jahre hinweg die Beihilfestelle um einen sechsstelligen Eurobetrag betrogen haben, indem sie Rezepte für Medikamente verfälscht hat. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa

Osnabrück. Eine 64-jährige Lehrerin aus Osnabrück soll seit mehreren Jahren Rezepte verfälscht und damit einen sechsstelligen Eurobetrag kassiert haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt wegen Betrugsverdachts.

Gegen die Frau werde aktuell wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betruges und Urkundenfälschung zum Nachteil der Beihilfestelle ermittelt, wie Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer im Gespräch mit unserer Redaktion bestätigt. Konkret werfen die Ermittler der Beamtin vor, über einen längeren Zeitraum Rezepte mehrerer Ärzte verfälscht und dann bei der Beihilfestelle zur Erstattung eingereicht zu haben. Wegen einer Erkrankung habe die 64-Jährige, die an einer Osnabrücker Realschule tätig ist, regelmäßig Medikamente verschrieben bekommen. Zur Schwere der Erkrankung machte Retemeyer keine Angaben.

Frau soll Belege manipuliert haben

Jedenfalls bestehe der dringende Verdacht, dass die Beamtin möglicherweise seit bis zu zehn Jahren bei der Erstattung der Arzneikosten durch die Beihilfestelle des Niedersächsischen Landesamtes für Bezüge und Versorgung (NLBV) geschummelt hat. Hintergrund: Die Kosten für Medikamente teilen sich in der Regel bei Beamten einerseits die private Krankenversicherung und andererseits die Beihilfestelle. Bei den Belegen für Letztgenannte soll die Frau Mengenangaben und somit die Erstattungshöhe manipuliert haben, so Retemeyer.

Schaden geht in die Hunderttausende

Den monatlichen Schaden beziffert die Staatsanwaltschaft momentan auf mindestens 9000 Euro. Im nicht rechtsverjährten Zeitraum – in diesem Fall die zurückliegenden fünf Jahre – soll die Beamtin so mindestens 399.000 Euro zu Unrecht bekommen haben.

Durchsuchung am Montag

Am vergangenen Montag durchsuchten mehrere Staatsanwälte und zahlreiche Polizeibeamte das laut Staatsanwaltschaft „luxuriös eingerichtete Einfamilienhaus“ der Beamtin in Osnabrück, ihre persönlichen Behältnisse in der Schule sowie eine Apotheke, über die sie teilweise Medikamente bezogen hatte. Den Angaben zufolge sind die Mitarbeiter der Apotheke offenbar aber nicht an den Betrugshandlungen beteiligt gewesen.

Hinweis kam von der Beihilfestelle

Aufgrund ihres angeschlagenen Gesundheitszustandes hat die Staatsanwaltschaft davon abgesehen, die Beamtin in Untersuchungshaft zu nehmen. Bei der Durchsuchung wurden erhebliche Vermögenswerte beschlagnahmt, die jetzt dazu dienen sollen, einen Teil des entstandenen Schadens auszugleichen. „Wir vermuten aber, dass die Frau kurz vor der Durchsuchung etwas geahnt hat. Offenbar hat sie noch versucht, größere Vermögenswerte an Dritte zu übertragen“, sagt Retemeyer. Den entscheidenden Hinweis hatte die Staatsanwaltschaft vom NLBV bekommen.


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