Hypothese „Römerlager“ im Fokus Grabung in Kalkriese mit Überraschung über Varusschlacht

Von Berthold Hamelmann

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Präsentierten im Exklusivinterview Ergebnisse der Grabungskampagne 2016: Varusschlacht-Geschäftsführer Dr. Joseph Rottmann, der wissenschaftliche Grabungsleiter Prof. Salvatore Ortisi und der örtliche Grabungsleiter Marc Rappe (von links). Foto: Berthold HamelmannPräsentierten im Exklusivinterview Ergebnisse der Grabungskampagne 2016: Varusschlacht-Geschäftsführer Dr. Joseph Rottmann, der wissenschaftliche Grabungsleiter Prof. Salvatore Ortisi und der örtliche Grabungsleiter Marc Rappe (von links). Foto: Berthold Hamelmann

Bramsche. Spannende Zeiten in Kalkriese: Hat sich hier ein tagelanges Gemetzel während der legendären Varusschlacht im Jahr 9 n. Chr. doch ein wenig anders abgespielt als bisher angenommen?

Stimmt es vielleicht gar nicht, dass die Germanen unter Führung des Cheruskerfürsten Arminius aus dem Hinterhalt im Schutz einer Wallanlage die römischen Truppen beschossen? War es nicht vielmehr so, dass sich die Überreste der römischen Legionen im Schutz eines befestigten Lagers vergeblich gegen ihren Untergang verteidigt haben?

Der Ausschnitt ist zu klein

Diese Theorie zu widerlegen oder zu verifizieren war Ziel der diesjährigen Grabungskampagne auf dem Gelände des Obereschs im Museumspark Kalkriese . Bei einem Suchschnitt von 160 Meter Länge habe es auf vier Metern einen Befund gegeben, der dem weiter südlich beim bisherigen „Germanenwall“ ähnele, stellt Professor Salvatore Ortisi fest. Also ein Hinweis auf die Umwehrung eines römischen Lagers? Der wissenschaftliche Leiter der Ausgrabungen ist da extrem zurückhaltend. „Der Ausschnitt ist viel zu klein, um dies mit Sicherheit behaupten zu können“.

Grabungen in Feuchtniederungen

2017 seien nach Pfingsten weitere Grabungen geplant, die dann Antworten geben und ein „definitives Manko“ beseitigen könnten: Bislang erfolgten Grabungen nur im trockenen, oberen Bereich des vermuteten Schlachtgeländes. Der Übergang zu den Feuchtniederungen warte noch auf die Archäologen.

Funde belegen Kampfhandlungen

Trotz der zurückhaltenden Interpretation der diesjährigen Ergebnisse sind sich Prof. Ortisi und Varusschlacht-Geschäftsführer Dr. Joseph Rottmann dennoch einig: Bestätigen die zukünftigen Grabungen die Existenz eines römischen Lagers, sei eine andere, kleinräumige Interpretation der Kampfhandlungen möglich. Von der Größe eines Lagers etwa könne auch auf die Größe der Truppe geschlossen werden. „Alle bisherigen Funde belegen eindeutig Kampfhandlungen. Und wenn es ein römisches Lager war – bislang eine reine Hypothese – ist es von den Germanen förmlich überrannt worden“, so Ortisi.

Spektakulärer Goldfund

Die Grabungsergebnisse 2016 stützen nach Meinung der Verantwortlichen alle bisherigen Deutungen zur Varusschlacht. „Wäre es ein Lager, würde das sogar sehr gut zu den Schriftquellen passen.“ Denn als der römische Feldherr Germanicus Jahre nach der Vernichtung der Varus-Legionen zum Rachefeldzug aufgebrochen sei, habe er zunächst ein großes, dann ein kleines und ein noch kleineres Lager gesehen“, zitiert Ortisi historische Quellen. Die Grabungsergebnisse 2016 befeuern nicht nur die wissenschaftliche Diskussion. Die breite Öffentlichkeit blickt seit Juni wieder fasziniert nach Kalkriese: Bei einer zweiten Grabung stießen die Archäologen auf acht, fast prägegleiche Goldmünzen aus der Zeit 2 v.Chr. und 4./5. n. Chr. Der spektakuläre Goldfund, dem in Kürze eine Ausstellung gewidmet wird, entspricht fast dem Jahressold eines römischen Legionärs.

Vortrag am Sonntag

Für Besucher werden die Ergebnisse der Grabungskampagne am Sonntag, 13. November um 16 Uhr im Rahmen eines Vortrages vom diesjährigen örtlichen Grabungsleiter Marc Rappe vorgestellt.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN