Leben und arbeiten am Osnabrücker Limberg Nebelschwaden und Synthesizer: Band „Alphamay“ steht auf Elektro

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Osnabrück. Henning Hammoor und Cris Frickenschmidt sind Mitglieder der Band Alphamay. In ihren Proberäumen auf der Kaserne am Limberg in Osnabrück arbeiten sie an neuer Musik. Bei einem Besuch verraten sie uns, warum sie gerne am Limberg proben und warum sie auf die Räumlichkeiten angewiesen sind.

Idyllisch sieht es aus, wenn man sich der Baracke Nummer 17 an der Limberg-Kaserne in Osnabrück nähert. Vögel zwitschern und an der Hauptstraße, die zu mehreren Baracken führt, geht ein Mann mit seinem Hund spazieren. Überhaupt ist es sehr still auf dem Gelände. Ein schmaler Weg zwischen Bäumen und Sträuchern führt zum Eingang der Baracke. Spätestens dort ist es dann vorbei mit der Gemächlichkeit. In einem der vier Räume probt der 39-jährige Henning Hammoor mit seinem Bandkollegen, dem 40-jährigen Cris Frickenschmidt.

Aus dem Raum erklingen Synthesizer und der Gesang von Hammoor. Der Musiker steht am Mikrofon, Frickenschmidt sitzt am Keyboard. Eine Maschine hüllt die beiden in Nebelschwaden. Sie performen den Song „Don´t go“ von der Band Yazoo. Gemeinsam sind sie die Band Alphamay.

„Wir haben die Band 2012 gegründet. Anlass war der Verkehrsunfall von Cris“, erzählt Hammoor. Seit dem Unfall sitzt der in Osnabrück geborene Frickenschmidt im Rollstuhl. „Weil der Verkehrsunfall am 1. Mai war, nennen wir uns auch Alphamay“, sagt Frickenschmidt. Schon vor dem Unfall war der Musiker Mitglied in Bands. Seine Instrumente - Bass und Keyboard – kann er immer noch spielen. Daran ändert auch der Unfall nichts. „Wenn wir irgendwo auftreten wollen, machen die Veranstalter manchmal Probleme, weil sie sich Sorgen machen, dass ich mit dem Rollstuhl eventuell nicht auf die Bühne komme. Das ist natürlich Quatsch“.

Elektronische Musik im Fokus

Insgesamt fünf Bands teilen sich die Baracke Nummer 17. Dass hier viel an Musik und an zukünftigen Sounds aus Osnabrück gefeilt wird, ist kaum zu übersehen: Zahlreiche E-Gitarren, ein Schlagzeug-Set, mehrere Mikrofone, ein mit einem orange-gelben Tuch abgedecktes Keyboard, viele Lautsprecher, Monitore und alte Kassettenrekorder säumen den Raum.

Auf dem mit mehreren bunten gemusterten Teppichen belegten Boden schlängeln sich unzählige Kabel. Die von außen vergitterten Fenster sind mit Fahnen abgehängt. Für die Inspiration hängt ein Poster der Band AC/DC an der Wand.

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Elektronische Musik steht bei der Band im Fokus. Neben eigenen Songs covern die beiden gerne Musik aus den 80er Jahren. „Wir wühlen sehr gerne in den achtziger Sounds und lassen die Musik noch einmal aufleben“, sagt Hammoor. „Synthesizer-Archäologie“ nennt der Musiker das.

Mitglied in gleich mehreren Bands

Hammoor und sein Bandkollege haben sich beide der Musik und auch der Limberg-Kaserne verschrieben.

„Die Baracke eignet sich perfekt zum Proben für Bands. Wir haben eine Zentralheizung hier, Toiletten, Wasser – das gibt es nicht in jedem Proberaum. Über die Sicherheit muss man sich hier auch keine Sorgen machen. Am Limberg arbeiten sehr viele unterschiedliche Menschen zusammen. Und es funktioniert“, sagt Frickenschmidt. Er ist neben „Alphamay“ noch in zwei weiteren Bands Mitglied – „Spirit of Disere“ und „Rozencrantz“. Hammoor ist ebenfalls Teil von „Rozencrantz“.

„Wenn man in mehreren Bands spielt, dann kann man seinen Horizont erweitern. Unser Anspruch und Ziel ist es, Musik fertigzustellen, sie aufzunehmen und zu veröffentlichen“, sagt Hammoor. Von der Musik leben, können Hammoor und sein Bandkollege nicht. „Wir arbeiten, um Musik machen zu können“, sagt Hammoor. Er ist nicht nur Musiker, sondern auch Schausteller. Frickenschmidt betreibt eine Werbeagentur.

Hammoor ist außerdem Vereinsvorsitzender des Kulturfördervereins Laterna Magica. Der Verein setzt sich dafür ein, die Osnabrücker Maiwoche umzukrempeln , und das Volksfest attraktiver machen. Vor allem die Osnabrücker Musikkulturszene liegt Hammoor am Herzen. Er will junge Künstler auf die Maiwoche bringen.

Ohne Plan B

Diese seien vor allem auf die Proberäume an der Limberg Kaserne angewiesen, sagt Hammoor. „Wenn es die Baracken nicht mehr gäbe, würde es der Osnabrücker Musikszene stark schaden. Viele Bands würden abwandern“. Doch die Zukunft ihrer Proberäume ist aufgrund des Bebauungsplans der Stadt für den Limberg ungewiss. (Weiterlesen: Wie sieht Stadtbaurat Otte die Situation am Limberg?)

Einen Plan B haben die beiden Musiker für ihre Proberäume nicht. Die Ausstattung ihrer Räume sei zu gleichen Bedingungen schwer im Umkreis zu finden. Zwischen den unterschiedlichen Künstlern, die die Baracken nutzen, seien die drohenden Mietkündigungen das Thema Nummer eins. „Die Kündigungsfrist der Baracken beträgt drei Monate“, sagt der Musiker. Innerhalb eines Quartals könnten Alphamay und die über 100 Bands, die sich inzwischen an der Kaserne angesiedelt haben, ihre Proberaüme verlieren.


Die Limberg-Kaserne

Am Limberg befand sich nach dem Zweiten Weltkrieg die größte von sechs Kasernen der Briten in Osnabrück. Vor der Nutzung der britischen Streitkräfte wurde die Militärfläche von den Teutowerken genutzt. Sie produzierten auf dem südlichen Hang Munition für die Wehrmacht. Rund zehn Millionen Patronen sollen Frauen und ausländische Zwangsarbeiter hier monatlich hergestellt haben. Nach dem Ende des Krieges bauten die britischen Streitkräfte die Fläche zur Kaserne um. Dabei entstanden 167 Gebäude, das Gelände erstreckte sich auf einer Länge von 1,2 Kilometern und einer Breite von 750 Metern. Die Militärfläche wurde von den Briten für logistische Zwecke genutzt. Auch Panzerwerkstätten und Garagen befanden sich am Limberg. Zudem diente die Kaserne als Zwischenstation für Soldaten, die in den Irak oder nach Afghanistan ausrückten. 2009 verließen die Briten das Gelände und übergaben es an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA).

Heute finden sich auf dem 70 Hektar großen Gelände Künstler, Bands, Kleinunternehmer und Existenzgründer. Auch der Stadtsportbund hat hier seine Geschäftsstelle bezogen und die Feuerwehr trainiert auf der Kaserne für Einsätze. Die Mehrheit der Baracken und Garagen soll in naher Zukunft abgerissen werden, da die Bausubstanz als marode gilt. Ein Kunstrasenplatz, die neue Turnhalle, die Unteroffiziersmesse und die ehemalige Sanitätsstation sollen erhalten bleiben. Letztere wird zu einer Kindertagesstätte mit 80 Krippen- und Kita-Plätzen ausgebaut. Seit dem Abzug der britischen Truppen plant die Stadt die Neuausrichtung der grünen Fläche. Auf dem 118 Meter hohen Limberg sollen im nördlichen Teil Gewerbebetriebe und Dienstleister einziehen. Im südlichen Teil wünscht sich die Stadt eine Mischung aus Gewerbe, Sport- und Freizeiteinrichtungen sowie Grünflächen.

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