Leben und arbeiten am Osnabrücker Limberg Glitzer, Pailletten und Tutus: Sabine Meiners tanzt mit Kindern

Von Svenja Kracht


Osnabrück. Für Sabine Meiners läuft es seit zwei Jahren beruflich gut: Sie hat in der Kaserne am Limberg den perfekten Ort gefunden, um ihre Tanz- und Kunstwerkstatt Erlebnisreich für Kinder zu betreiben. Dass dieser Ort für sie zeitlich begrenzt ist, will sie noch nicht recht wahrhaben.

Es ist Freitag, 16.30 Uhr. Langsam aber sicher haben sich alle neun Kinder des heutigen Tanz- und Kunstkurses im Sitzkreis um Sabine Meiners versammelt. Alle haben sich besonders chic gemacht. Zwischen rosa- und lilafarbenden Tutus mit Glitzer und Pailletten fühlt man sich wie auf einer Prinzessinnen-Geburtstagsparty. Zum sanften Einstieg in den Kurs holt die Tanzpädagogin den „Musikkater“ – eine schwarze Plüschkatze. „Der Musikkater hat sich schon so auf alle Kinder gefreut“, sagt Sabine Meiners und gibt das Tier an ein Mädchen weiter. Nacheinander läuft ein Kind um den Sitzkreis herum und alle singen ein Lied, das mit dem Namen des Kindes endet, das als Nächstes an der Reihe ist.

„Das ist die wichtigste Zeit im Leben“

Anschließend geht es für die Vier- bis Sechsjährigen auf große Reise in das Land Zimbie, wo ein Zauberzwerg wohnt. Dazu singen und tanzen die Kinder mit der 38-Jährigen. „Ich liebe es, mit Kindern von Null bis sechs Jahren zu arbeiten, denn das ist die wichtigste Zeit im Leben eines Menschen“, sagt Meiners. Dann würden die meisten Synapsen miteinander verknüpft. „Es gibt keine andere Zeit im Leben, in der wir so schnell so viel lernen können.“ Die Mutter zweier Kinder hat Lehramt und Kunstpädagogik mit dem Schwerpunkt Kunsterziehungsbewegung und Bildbetrachtung im Unterricht an der Uni Osnabrück studiert. Neben der Leitung verschiedenen Tanzgruppen ist sie derzeit Lehrerin an der Drei-Religionen-Grundschule in Osnabrück sowie Musik-Lehrerin in der Musikschule Forum Musaik in Westerkappeln.

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Die 38-Jährige hat lange nach einem passenden Ort für ihre Tanz- und Kunstgruppen gesucht – in der Größe waren alle anderen Räume, die sie sich angeschaut hatte, so teuer, dass sie keine bezahlbaren Kurse hätte anbieten können. Vorher war sie im Haus der Jugend. „Hier ist die geografische Lage perfekt: In allen anliegenden Stadtteilen wohnen viele Familien mit kleinen Kindern, die froh sind, wenn sie nicht in die Stadt fahren müssen, um ihr Kind zum Tanzen oder Malen zu bringen“, sagt Sabine Meiners, die die Tanz- und Kunstwerkstatt Erlebnisreich seit zwei Jahren in der Kaserne am Limberg betreibt.

Unbefristeter Mietvertrag

Sie hat einen unbefristeten Mietvertrag mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). „Beide Seiten können zum Ende eines Monats kündigen und haben dann eine Frist von drei Monaten“, erklärt die 38-Jährige, während sie eine Dose mit Glitzerpuder für die Kinder im Kunstkurs öffnet. Gedanken über die Zukunft mache sie sich aber trotzdem: „Phasenweise suche ich immer mal wieder nach neuen Räumen, wenn mich die Panik überkommt.“ Es sei aber für sie und andere Privatpersonen, die nicht von der Stadt unterstützt werden, nicht möglich, Mieten in Höhe von 1000 oder 1600 Euro zu bezahlen.

Die Pläne der Stadt für die zukünftige Nutzung der Limbergkaserne sieht die 38-Jährige sehr kritisch: „Die Stadt bietet einfach keine vergleichbaren Objekte für Menschen an, die im künstlerischen Bereich tätig sind.“ (Weiterlesen: Wie sieht Stadtbaurat Otte die Situation am Limberg?)

„Einige haben Existenzängste“

Ähnlich beschreibt Sabine Meiners auch die Stimmung unter den Mietern in der Kaserne am Limberg: „Die meisten hier haben eine positive Lebenshaltung und lassen sich dadurch nicht runterziehen. Aber einige haben schon Existenzängste und eine aggressive Haltung der Stadt gegenüber.“ Die Mieter hätten alle das Gefühl, von der Stadt nicht Ernst genommen zu werden. „Die Stadt vertröstet uns immer, wenn wir nachfragen, was hier wann passieren soll. Es weiß also niemand, wann hier tatsächlich Schluss sein wird.“ In einem Bürgerforum am Sonnenhügel vor einigen Monaten habe Oberbürgermeister Wolfgang Griesert mal von fünf bis acht Jahren gesprochen. (Weiterlesen: Limberg-Kaserne wird bald durch Grünzone geteilt)

„Ich habe kein Verständnis für die Verantwortlichen“

Wenn die Kündigung des Mietvertrags im Briefkasten von Sabine Meiners liegen würde, bedeutet das möglicherweise das Aus für ihren Traumberuf. „Ich habe kein Verständnis für die Verantwortlichen. Es geht ihnen nur um die finanziellen und wirtschaftlichen Faktoren, dabei sind die Bereiche, die es in der Kaserne am Limberg schon gibt, für Kinder beispielsweise so wichtig“, sagt Sabine Meiners. Sie wüsste zwar, dass die Gebäude alle sehr alt sind, aber „mir und vielen anderen reicht das und dann kann man es auch einfach stehen lassen.“ Aber es würde für sie schon irgendwie weitergehen, falls sie sich neue Räume suchen müsste – gesetzt dem Fall, dass sie andere bezahlbare Räume findet.


Die Limberg-Kaserne

Am Limberg befand sich nach dem Zweiten Weltkrieg die größte von sechs Kasernen der Briten in Osnabrück. Vor der Nutzung der britischen Streitkräfte wurde die Militärfläche von den Teutowerken genutzt. Sie produzierten auf dem südlichen Hang Munition für die Wehrmacht. Rund zehn Millionen Patronen sollen Frauen und ausländische Zwangsarbeiter hier monatlich hergestellt haben. Nach dem Ende des Krieges bauten die britischen Streitkräfte die Fläche zur Kaserne um. Dabei entstanden 167 Gebäude, das Gelände erstreckte sich auf einer Länge von 1,2 Kilometern und einer Breite von 750 Metern. Die Militärfläche wurde von den Briten für logistische Zwecke genutzt. Auch Panzerwerkstätten und Garagen befanden sich am Limberg. Zudem diente die Kaserne als Zwischenstation für Soldaten, die in den Irak oder nach Afghanistan ausrückten. 2009 verließen die Briten das Gelände und übergaben es an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA).

Heute finden sich auf dem 70 Hektar großen Gelände Künstler, Bands, Kleinunternehmer und Existenzgründer. Auch der Stadtsportbund hat hier seine Geschäftsstelle bezogen und die Feuerwehr trainiert auf der Kaserne für Einsätze. Die Mehrheit der Baracken und Garagen soll in naher Zukunft abgerissen werden, da die Bausubstanz als marode gilt. Ein Kunstrasenplatz, die neue Turnhalle, die Unteroffiziersmesse und die ehemalige Sanitätsstation sollen erhalten bleiben. Letztere wird zu einer Kindertagesstätte mit 80 Krippen- und Kita-Plätzen ausgebaut. Seit dem Abzug der britischen Truppen plant die Stadt die Neuausrichtung der grünen Fläche. Auf dem 118 Meter hohen Limberg sollen im nördlichen Teil Gewerbebetriebe und Dienstleister einziehen. Im südlichen Teil wünscht sich die Stadt eine Mischung aus Gewerbe, Sport- und Freizeiteinrichtungen sowie Grünflächen.

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