Leben und arbeiten am Osnabrücker Limberg Rock aus der Offizierskneipe: Docmaklang produziert Musik

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Osnabrück. Vor sechs Jahren ist das Tonstudio Docmaklang an den Osnabrücker Limberg gezogen. In einem alten Kasino der britischen Offiziere wird heute von Matthias Lohmöller Pop, Rock und Folk produziert.

Der Osnabrücker Limberg war für Matthias Lohmöller nicht die erste Wahl. Als er nach einem neuen Ort für sein Tonstudio suchte, hatte er eigentlich eine andere Immobilie im Sinn. Doch sein Plan platzte und er musste reagieren. „Ich stand unter Zugzwang und rechnete nicht damit, dass ich lange am Limberg bleiben würde“, sagt der Produzent. Schon seit sechs Jahren ist er mit seinem Tonstudio Docmaklang am Limberg Zuhause.

Früher Drinks, heute Musik

Wer die Schranke an der ehemaligen Militärkaserne passiert und sich links hält, gelangt zur alten Offizierskneipe der Briten. Hier produziert Lohmöller auf 400 Quadratmetern Musik aus den Bereichen Pop, Rock, Folk oder Metal. Die runde Theke und der Teppich, verziert mit der britischen Krone erinnert, daran, dass früher in diesen Räumen getrunken und gefeiert wurde. Heute hängen Gitarren an den Wänden, Schlagzeuge und eine Orgel stehen in den Ecken. Durch eine kleine Holztür, vorbei an Mikrofonen, Verstärkerkabeln und einem Akkordeon, geht es zum Aufnahmeraum. Durch eine Glasscheibe hält Lohmöller aus seinem Studio Blickkontakt zu den Sängern und Musikern. Lautsprecher und Bildschirme umgeben den 41-Jährigen, dessen rechter Nasenflügel ein Piercing ziert. In seinem schwarzen Ledersessel, der an den Armlehnen so abgenutzt ist, dass schwarzes Tape ihn schützt, ist er der Herr über Regler und Knöpfe.

1998 startete Docmaklang in Osnabrück

Die Trompete war das erste Instrument, dass er als Zehnjähriger in die Hand nahm. Griffe an der Gitarre folgten mit 16 Jahren. Schon in seiner Jugend war für den gebürtigen Emsländer klar, dass er die Musik zum Beruf machen wollte. So begann er ein Studium an der Universität Osnabrück und baute ab 2001 parallel sein Tonstudio auf. Als er in einem Gebäude an der Hannoverschen Straße startete, habe er nicht gewusst, ob er mit den Einnahmen des Studios überleben kann. Trotzdem wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit und nahm erste Stücke für andere Bands auf.

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Vierter Umzug steht bevor

Seit vielen Jahren ist Matthias Lohmöller in der Osnabrücker Musikszene unterwegs. Doctor Matze lautete früher sein Pseudonym. An diese alten Zeiten erinnert heute noch die Abkürzung seines Studios Docmaklang. Drei Umzüge hat sein Studio schon hinter sich. Von der Hannoverschen Straße ging es 2004 in die Buerscher Straße, darauf folgte 2010 die neue Bleibe in der Limbergkaserne. Lohmöller gefällt es auf dem Areal sehr gut. Er liebt den Charme des Geländes. Die Räumlichkeiten sind mit ihrer Größe und Höhe ideal für ihn. Trotzdem wird ein vierter Umzug für ihn in naher Zukunft unvermeidbar sein.

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Auf das Tonstudio folgt ein Regenrückhaltebecken

Nach dem neuen Bebauungsplan der Stadt soll ein Regenrückhaltebecken am Platz seines Musikstudios entstehen. Lohmöller wusste mit seinem Einzug, dass er nur für eine begrenzte Zeit am Limberg bleiben wird. Traurig lässt es ihn sein künftiger Umzug trotzdem werden, weil sich in den vergangenen Jahren eine harmonische Musikszene auf dem Gelände etabliert hat. „Es gibt in Osnabrück viel musikalisches Potenzial. Nicht zuletzt durch das Institut für Musik sind fitte Leute in die Stadt gekommen“, sagt der Produzent, der auch als Dozent tätig ist. Viele Baracken werden mit dem neuen Bebauungsplan abgerissen. Viele Proberäume für lokale Bands werden damit verschwinden. Lohmöller sorgt sich nicht nur um gute und bezahlbare Proberäume für junge Bands, sondern auch um die Stimmung in der Szene. Bei fehlenden Proberäumen könnte bald mit Ellenbogen in der Szene gekämpft werden, mit der Harmonie wäre es dann vorbei. (Mehr dazu: Wie sieht Stadtbaurat Otte die Situation am Limberg?)

Suche nach einer neuen Bleibe

Matthias Lohmöller, der neben seiner Arbeit als Produzent in den Bands „Safkan“ und „Therapiezentrum“ an der Gitarre steht, kümmert sich bereits um eine neue Bleibe. Ob er in der Stadt bleiben oder in das Umland ziehen wird, weiß er noch nicht. Dem Beruf will er beruflich treubleiben. „Ich will auch noch in zehn Jahren Musik produzieren“, sagt der Emsländer. „In meinem Studio fühle ich mich einfach am wohlsten.“


Die Limberg-Kaserne

Am Limberg befand sich nach dem Zweiten Weltkrieg die größte von sechs Kasernen der Briten in Osnabrück. Vor der Nutzung der britischen Streitkräfte wurde die Militärfläche von den Teutowerken genutzt. Sie produzierten auf dem südlichen Hang Munition für die Wehrmacht. Rund zehn Millionen Patronen sollen Frauen und ausländische Zwangsarbeiter hier monatlich hergestellt haben. Nach dem Ende des Krieges bauten die britischen Streitkräfte die Fläche zur Kaserne um. Dabei entstanden 167 Gebäude, das Gelände erstreckte sich auf einer Länge von 1,2 Kilometern und einer Breite von 750 Metern. Die Militärfläche wurde von den Briten für logistische Zwecke genutzt. Auch Panzerwerkstätten und Garagen befanden sich am Limberg. Zudem diente die Kaserne als Zwischenstation für Soldaten, die in den Irak oder nach Afghanistan ausrückten. 2009 verließen die Briten das Gelände und übergaben es an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA).

Heute finden sich auf dem 70 Hektar großen Gelände Künstler, Bands, Kleinunternehmer und Existenzgründer. Auch der Stadtsportbund hat hier seine Geschäftsstelle bezogen und die Feuerwehr trainiert auf der Kaserne für Einsätze. Die Mehrheit der Baracken und Garagen soll in naher Zukunft abgerissen werden, da die Bausubstanz als marode gilt. Ein Kunstrasenplatz, die neue Turnhalle, die Unteroffiziersmesse und die ehemalige Sanitätsstation sollen erhalten bleiben. Letztere wird zu einer Kindertagesstätte mit 80 Krippen- und Kita-Plätzen ausgebaut. Seit dem Abzug der britischen Truppen plant die Stadt die Neuausrichtung der grünen Fläche. Auf dem 118 Meter hohen Limberg sollen im nördlichen Teil Gewerbebetriebe und Dienstleister einziehen. Im südlichen Teil wünscht sich die Stadt eine Mischung aus Gewerbe, Sport- und Freizeiteinrichtungen sowie Grünflächen.

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