Ausverkaufte Lesung Heinz Strunk hat in Osnabrück aus seinem Roman gelesen

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Heinz Strunk präsentierte in der Osnabrücker Lagerhalle eine „eingedampfte“ Version seines Romans „Der goldene Handschuh“. Foto: Jörn MartensHeinz Strunk präsentierte in der Osnabrücker Lagerhalle eine „eingedampfte“ Version seines Romans „Der goldene Handschuh“. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Ausverkauft war die Lesung von Heinz Strunk in der Lagerhalle Osnabrück. Der 54-Jährige präsentierte seinen Roman „Der goldene Handschuh“.

Heinz Strunk liest nicht aus seinem Buch. Jedenfalls nicht aus dem gebundenen Exemplar, das es im Handel zu kaufen gibt. „Sie wundern sich vielleicht über die scheinbar lose Zettelsammlung, die ich hier vor mir habe“, sagt er zu seinem Publikum in der Lagerhalle. Denn er hat seinen Roman „Der goldene Handschuh“ zu einer Kurzgeschichte „eingedampft“. Die hat es in sich mit ihrem typischen Strunk-Humor und dem langsamen Spannungsaufbau, der sich schließlich in der Katastrophe entlädt.

In dem Roman geht es um den Serienmörder Fritz Honka, der in den 70er-Jahren vier Frauen umbrachte. Drei Leichen bewahrte er zerstückelt in seiner Wohnung auf. Der Fall sorgte für viel Aufsehen. Die „Bild“ habe fast jeden Tag Schlagzeilen über Honka gebracht, so Strunk. Wahre und falsche.

Absturzkneipe im Kiez

Seine Opfer traf Honka in der titelgebenden Absturzkneipe „Der goldene Handschuh“, die rund um die Uhr geöffnet hat und deren Gäste nichts mehr vom Leben zu erwarten haben. „Es gibt ja in jeder Stadt diese Alkoholikerkneipen“, sagt Strunk, „aber „Der goldene Handschuh“ ist irgendwie anders.“

2009 war er selbst zum ersten Mal in der Kiez-Kneipe, die es bis heute gibt. Schnell war ihm klar, dass er gern etwas über sie schreiben würde. Aber erst der Zusammenhang zwischen Kneipe und Honka brachte ihn zu seiner Geschichte, der ersten, für die Heinz Strunk recherchieren musste. Denn bisher waren alle seine Romane von „Fleisch ist mein Gemüse“ bis „Junge rettet Freund aus Teich“ autobiografisch. Aber irgendwann sei seine Biografie „ausgequetscht“ wie eine Zitrone gewesen, sagt der 54-Jährige, der mit Rocko Schamoni und Jacques Palminger das Studio Braun bildet.

Spannung, aber auch Humor

Die geraffte Geschichte, die Heinz Strunk in Osnabrück präsentiert, hat Spannung und Humor. Denn wenn der Autor erst einmal in das schmutzige Milieu des „goldenen Handschuhs“ einführt, beschreibt er die kaputten Gestalten mit dem ihm eigenen trockenen Witz, der auch aus seinen anderen Büchern bekannt ist. Doch es baut sich auch eine düstere Spannung auf mit dem Auftauchen von Fritz „Fiete“ Honka, der verlorene, kaputte Frauen in der Kneipe auftreibt und sie mit zu sich nach Hause nimmt. Tagelang quält er sie, sperrt sie in seiner Wohnung ein und lässt sie hungern.

Dass der Abend trotz der grausamen Geschichte ein unterhaltsamer ist, verdankt sich auch Strunks Vortragskunst. In rasendem Tempo und mit ausgeprägtem Hamburger Dialekt lässt er eine Figur etwa einen schlechten Witz nach dem anderen erzählen. Ein bisschen Alfred Hitchcock, ein bisschen Detlev Buck, diese Lesung hat was von beidem.

Weiterlesen: Heinz Strunk machen Lesungen „null“ Spaß


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