Uni-Start in Osnabrück Studienplatzklage: So geht‘s!

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Ein Platz im Hörsaal: Für manche Studenten ist der nur durch eine Klage zu bekommen. Foto: Swen Pförtner/dpaEin Platz im Hörsaal: Für manche Studenten ist der nur durch eine Klage zu bekommen. Foto: Swen Pförtner/dpa

Osnabrück Der Notendurchschnitt vom Abitur ist nicht gut genug fürs Studium? Das muss nicht das Ende der Uni-Träume sein. Deutschlandweit versuchen jedes Jahr tausende Studenten, sich in den Studiengang ihrer Wahl einzuklagen. Und das mit Erfolg. Wie es funktionieren kann, zeigt dieser Text.

Per Klage in den Vorlesungssaal: Allein in Osnabrück versuchen das jedes Jahr über 80 angehende Studenten. Damit das Verfahren erfolgreich ist, gibt es einiges zu beachten: Von der Einhaltung der Fristen über die Wahl des richtigen Anwalts bis zu den Kosten. Einen Überblick über alle wichtigen Fragen gibt es hier.

Die Studienplatzklage: Brauche ich einen Anwalt?

Ja und nein. Grundsätzlich darf jeder die nötigen Anträge bei der jeweiligen Hochschule beziehungsweise beim Verwaltungsgericht einreichen. Das spart die Anwaltskosten. Allerdings ist es bei den Dokumenten wichtig, gewisse Formvorgaben und Fristen einzuhalten. Natürlich kann man sich diese Informationen erfragen oder im Internet recherchieren. Sicherer ist es aber, sich einen kundigen Juristen zu suchen. Aber nicht irgendeinen: Der Anwalt der Wahl sollte sich auf den Bereich des Hochschulrechts spezialisiert haben. Häufig kann das Studentenwerk vor Ort bei der Suche helfen.

Die Studienplatzklage Welche Fristen gibt es?

Die Studienplatzklage muss fristgerecht eingereicht werden. Der richtige Zeitpunkt ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In Niedersachsen gibt es außerdem verschiedene Fristen für Hochschulen und Universitäten. Zum Wintersemester sind es der 20. September bzw. der 15. Oktober, zum Sommersemester der 1. März. bzw. der 15. April. In jedem Fall lohnt es sich, die Anträge so früh wie möglich zu stellen – spätestens aber, wenn die Zulassung abgelehnt wurde.

Die Studienplatzklage: Wie funktioniert das Verfahren?

Bei einer Zulassungsklage wird behauptet, dass die jeweilige Universität oder Hochschule mehr Studienplätze zur Verfügung hat, als sie vergibt. Das ist kein böser Wille der Hochschulen, sondern dem komplizierten Berechnungsverfahren geschuldet. Wie groß die Kapazitäten sind, hängt zum Beispiel davon ab, wie viele Lehrkräfte zur Verfügung stehen, wie viele Studenten sie betreuen können. Da kann es schon mal zu Fehleinschätzungen kommen. Als erstes stellt man deshalb bei der Hochschule ein Antrag auf „Zulassung außerhalb der Kapazitäten“. Wenn dieser abgelehnt wird oder keine Reaktion erfolgt, kommt das Verwaltungsgericht ins Spiel. Per Eilantrag prüft es dann, wie viele Studienplätze tatsächlich zur Verfügung stehen. (Hier geht es weiter: Wie sich eine Osnabrücker Studentin ihren Studienplatz einklagte.)

Die Studienplatzklage: In welchen Fächern lohnt es sich (nicht)?

Die meisten Kläger wollen einen Platz in Studiengängen der Medizin: Die Gerichte bearbeiten jedes Jahr Tausende Eilanträge in den Fächern Zahn-, Tier-, und Humanmedizin. Deshalb ist es hier besonders schwierig, einen Platz zu bekommen. Die Universitäten lassen sich selbst durch spezialisierte Kanzleien vertreten. Durch vorherige Klagen ist das Angebot an Studienplätzen schon ausgereizt. Und wenn die Gerichte doch noch Plätze finden, werden sie unter den vielen Klägern verlost. Anwälte raten dann häufig dazu, gleich mehrer Hochschulen zu verklagen, um die Chancen zu steigern. Einfacher ist es in Studiengängen, die nicht so beliebt sind. Die Erfahrung eines Anwalts, der einen Überblick über die Hochschullandschaft hat, kann hier sehr wichtig sein.

Die Studienplatzklage: Welche Rolle spielt die Abiturnote?

Die Abiturnote des Klägers bleibt bei vor Gericht unberücksichtigt. Auch die Wartezeit ist kein Kriterium für die Studienplatzklage. Wichtig ist nur, dass der angehende Student eine Hochschulzugangsberechtigung vorweisen kann.

Die Studienplatzklage: Was kostet das Verfahren?

Die Kosten für eine Studienplatzklage können sehr unterschiedlich sein. Die Höhe hängt vor allem davon ab, wie viele Hochschulen verklagt werden – denn mit jeder steigen die Gebühren. Die Osnabrücker Anwältin Britta Tornow macht auf ihrer Website eine beispielhafte Rechnung für eine Klage gegen die Hochschule Osnabrück auf: Die Kosten für den außerkapazitären Antrag an der Universität, den Eilantrag am Verwaltungsgericht, die Einigungsgebühr, die Hauptsachenregelung und die Gerichtskosten summieren sich auf 2013,60 Euro. In einigen Fällen übernimmt das sogar die Rechtsschutzversicherung.

Die Studienplatzklage: Was ist das Ergebnis?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie eine Studienplatzklage ausgehen kann. Der wohl günstigste Fall für den Studenten ist der Vergleich. Dabei erklärt sich die Hochschule bereit, einen Platz zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug lässt der Student seine Klage fallen und trägt die Kosten des Verfahrens. Anders sieht es aus, wenn der Eilantrag vor Gericht Erfolg hat und freie Studienplätze gefunden werden. Dann ist entscheidend, wie viele Klagen es gab. Wenn es nämlich mehr Kläger als Studienplätze gibt, verlost das Gericht sie unter den Antragsstellern. Der wohl schlechteste Ausgang ist es, das Verfahren zu verlieren. Das Gericht bestätigt dann die Kapazitätsrechnung der Universität. Das bedeutet: Der Kläger trägt die Verfahrenskosten und steht trotzdem mit leeren Händen da. (Lesen Sie hier: Zehn Fehler, die Erstsemester in Osnabrück nicht machen sollten.)


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN