Spende für „Wir starten gleich“ Ein Fall für Fays: Zehn Jobs in einem Sommer

<em>Reinhard Höfelmeyer freut sich, </em>als Jean-Charles Fays den Scheck in Höhe von 2756,36 Euro übergibt. Foto: Thomas OsterfeldReinhard Höfelmeyer freut sich, als Jean-Charles Fays den Scheck in Höhe von 2756,36 Euro übergibt. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Unser Redakteur Jean-Charles Fays hat mit der Serie „Ein Fall für Fays“ 2756,36 Euro verdient und spendet den Lohn an „Wir starten gleich“. Mit dem Geld stattet der gemeinnützige Verein 27 Schulanfänger aus sozial schwachen Familien mit Schulranzen aus.

„Damit haben Sie dafür gesorgt, dass 27 Kinder im kommenden Schuljahr nicht mit einer Jute-Tüte zur Schule müssen“, bedankt sich der Vereinsvorsitzende Reinhard Höfelmeyer bei der Spendenübergabe. Zum Abschluss lässt Fays die zehn Jobs noch einmal Revue passieren.

„Erst das Vergnügen, dann die Arbeit“, dachte ich mir. Deshalb suchte ich mir als ersten „Fall für Fays“ als Barkeeper den Club „ Sonnendeck “ aus.

Barkeeper

Es war wie eine Zeitreise zurück in das Studentenleben. Wir arbeiteten, wie andere feierten. Ich werde diesen einen Satz aus dem Vorgespräch mit dem Chef und seiner Stellvertreterin nie vergessen: „Die einzige Bedingung ist, dass Du mit dem Fahrrad kommst.“ Erst nachher merke ich, wie ernst sie das meinen. Das Mitfeiern und Mittrinken gehört zum Konzept des Studentenclubs im Bermuda-Dreieck an der Lohstraße. Der Barkeeper ist mittendrin, statt nur dabei. Er lädt sympathische Gäste auf Kosten des Chefs ein oder wird von den Gästen eingeladen, stößt mit ihnen an und wird so zu einem Teil der Party. Es war ein Job wie eine Party. Als Barkeeper verdiente ich so 100 Euro. Dazu kommen 13 Euro Trinkgeld.

Wäscherei-Fachkraft

Mein nächster Fall war nicht hochprozentig, sondern viel- mehr hoch anstrengend. Optimistische Mitarbeiter sehen die Knochenarbeit als Wäscherei-Fachkraft in der Großwäscherei Glosemeyer sportlich und vergleichen sie mit einem Fitness-Training. Ich werde nie vergessen, wie meine Brille bei tropischer Luftfeuchtigkeit an der Waschstraße beschlägt und ich meinem Kollegen die Wäsche um die Ohren haue. Dabei will ich die Kopfkissen und ihre Bezüge eigentlich nur über meinen Kollegen Jamba auf der anderen Seite des Bandes hinweg in die Container schmeißen. Doch unter der Hitze leidet die Präzision. Obwohl Jamba den Kissen ausweicht wie ein Boxer Faustschlägen, bleiben Teile an seiner Schulter kleben. Es ist wie Kissenschlacht am Arbeitsplatz. Die harte körperliche Arbeit soll sich auszahlen. Chef Burkhard Glosemeyer legt noch 400 Euro zu dem regulären Lohn von 100 Euro drauf.

Tierpfleger im Zoo

Der nächste Fall ist einer der schönsten meiner Serie: Tierpfleger im Zoo . Nie hätte ich gedacht, dass ich den Tieren so nahe kommen darf. Meine Laune hellt sich von Stunde zu Stunde auf. Morgens um acht darf ich noch die Kamelköttel aus den Rillen der Pflastersteine entfernen und später mit der Forke 300 Kilo Gras als Futter für die Alpakas, Dromedare und Trampeltiere verteilen. Doch im Südamerikahaus erobere ich dann das Herz der 22-jährigen Flachlandtapir-Dame Olivia, indem ich sie aus Rücksicht auf ihre schlechten Zähne mit weichen Bananen füttere. Der Höhepunkt folgt am Nachmittag, als ich die Nandu-Eier mit einem Eiweißgehalt von etwa 15 Hühnereiern an die Nasenbären verfüttere. Als ich die Eier aufschlage, kommen sie binnen Sekunden von ihren Bäumen und fressen mir aus der Hand. Ein buchstäblich tierisches Vergnügen. Dass ich in diesem Beruf mit 93,36 Euro weniger als in allen anderen Jobs verdiene, liegt daran, dass Tierpfleger ihren Job nicht wegen des Geldes, sondern aus Freude am Beruf machen.

Landschaftsgärtner

Ähnlich wie als Wäscherei-Fachkraft schwitze ich auch als Landschaftsgärtner . Das Gute daran ist: Ähnlich ist auch die Entlohnung. Während ich auf der Baustelle bei Arbeitsbeginn um sieben Uhr noch friere, sieht das nur eine Stunde später beim Setzen von 20 Kilo schweren Kantensteinen und beim Einschlagen von Pfählen mit einem Vorschlaghammer schon anders aus. Als ich mit einem Spaten Beton einsetzen muss, schwitze ich so stark, dass auch Bremsen sich davon angezogen fühlen und ich allein bis zur Frühstückspause etwa einem Dutzend mit dem Spaten den Garaus machen muss. Spätestens als ich Speis für den Schachtring eines Brunnens anrühren muss, wird mir klar, dass die Landschaftsgärtnerei mehr mit dem Knochenjob eines Bauarbeiters gemein hat als mit dem gängigen Klischee vom Gärtner als Töpfchenkrauter. Als ob mich Chef Jürgen Dukat für die harte Schufterei bei knapp 30 Grad, Sonne und Staub entlohnen will, legt auch er noch 375 Euro auf den regulären Arbeitslohn von 125 Euro drauf.

Servicekraft im „la vie“

Vom rauen Job auf der Baustelle zur Haute Cuisine. Im fünften Fall für Fays arbeite ich als Servicekraft im Drei-Sterne-Restaurant „la vie “. Während man woanders banal vom Kellner spricht, sagt Drei-Sterne-Koch und Geschäftsführer Thomas Bühner bei meiner Anfrage: „Als Kellner können Sie hier nicht arbeiten. Wir beschäftigen nur Servicekräfte.“ Der Unterschied in dem Gourmet-Restaurant, das zu den Besten in Deutschland gehört, sei: Als Servicekraft bringe man nicht nur das Essen, man sei auch Gastgeber. Mit Anzug und Krawatte versuche ich zumindest dem optischen Anspruch an eine „Drei-Sterne-Servicekraft“ zu genügen. Das können die Gäste bei einem Sieben-Gang-Menü mit Weinbegleitung für 285 Euro schon verlangen. Nachdem ich nach den Vorspeisen auf einmal alle silbernen Tableaus aus der Küche ins Restaurant bringen soll, komme ich auch bei nur 14 Gästen ins Schwitzen und sehne ich mich danach, im Anschluss in der Küche bis Mitternacht zu putzen und zu polieren. Die Kollegen danken es mir, indem sie mir ihr komplettes Trinkgeld von 250 Euro spenden.

Erzieher in der Kita

Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich vor fünf Monaten zum ersten Mal selbst Vater geworden bin, dass ich als Erzieher in einer Kita den schönsten Fall meiner Serie hatte. Entgegen allen Unkenrufen empfinde ich den Job als Erzieher in der katholischen Kita Heilig Geist als überhaupt nicht anstrengend. Die Arbeit mit den Kindern macht vor allem glücklich. Ins Schwitzen komme ich lediglich, als ich mit den Drei- bis Sechsjährigen eine meterlange Sandburg baue. Ich werde zum König ernannt und damit quasi zum Bauleiter der Riesen-Sandburg. Besonders beim Toben, Fußballspielen und Sandburgbauen fällt auf, dass die Jungen sich nach einem männlichen Erzieher sehnen. Diese sind in Kitas aber kaum anzutreffen, weil das Gehalt nicht ausreicht, um eine Familie zu ernähren. Ich bekomme als Lohn für diesen Tag 126,64 Euro. Das Lob von einer Mutter, die ihren Sohn am Nachmittag nur mit Mühe von der Sandburg wegziehen kann, werde ich nie vergessen. Sie sagt: „Na, da haben Sie ja wirklich alle Herzen erobert.“

Personal Trainer

Als ehemaliger Marathonläufer und begeisterter Sportler freue ich mich besonders auf den Job als Personal Trainer . Ich ersetze den Personal Trainer der High Society vom Westerberg, Thorsten Kröner. Der Tag beginnt morgens um sieben mit einem Lauf um den malerischen Rubbenbruchsee. Als ich mit dem ersten Kunden losjogge, schnattern die Enten vor uns bei sonnigen 25 Grad, und ich glaube noch an einen Traumjob. Bis zum Abend wird sich das grundlegend ändern. Als ich auch am Nachmittag noch das Training mit meinen Kunden mitmache, zwingt mich ausgerechnet ein rüstiger 57-Jähriger im Fitnessstudio in die Knie. Es ist ein Job wie ein Marathon. Die Kunden danken mir meinen Einsatz mit zusätzlichen Spenden. Neben dem Honorar von Thorsten Kröner in Höhe von 150 Euro verdiene ich durch eine Einzelspende des Rubbenbruchsee-Gaststätten-Chefs zusätzlich 100 Euro, durch eine (Mitleids-)Spende des 57-Jährigen 20 Euro und durch eine nachträgliche Spende von Marion Künker vom Münzauktionshaus Künker weitere 180 Euro. Insgesamt verdiene ich als Personal Trainer somit sogar 450 Euro. Zumindest war dieser härteste Job damit auch einer der lukrativsten.

Bademeister

Die Arbeit eines Bademeisters im Nettebad hat wenig von dem Glamour, den die Serie Baywatch geprägt hat. Der Alltag eines Rettungsschwimmers im Nettebad ist oft von einschläfernder Langeweile geprägt. Die Kunst ist es dabei, in dem entscheidenden Moment da zu sein, wenn etwas passiert. Dazu kam es bei meinem Einsatz nicht. Auch wenn viele Bademeister sich hochtrabend als Schwimmmeister bezeichnen, sagt der dienstälteste Bademeister Osnabrücks, Gregor Borgstädde, dazu übrigens: „Wir waren Bademeister und werden es immer bleiben.“ Die offizielle Berufsbezeichnung lautet übrigens „Geprüfter Meister für Bäderbetriebe“. Die Stadtwerke honorieren meinen Einsatz mit 200 Euro.

Verkäufer bei L+T

Als Verkäufer bei L+T im Sommerschlussverkauf geht es neben dem Verkaufen vornehmlich ums Hemdenauffalten und Hemdenstecken. Ich verkaufe in der Herrenartikel-Abteilung Ware im Wert von rund 350 Euro, was im Sommerschlussverkauf wohl eher gering ist. Dieser vorletzte Samstag des Sommerschlussverkaufs verläuft allerdings auch eher ruhig. Spaß macht vor allem das Gespräch mit den Kunden. Vor allem, weil mich nach meiner Serie nun gefühlt jeder zweite Osnabrücker erkennt. Das Modehaus spendet nach meinem Einsatz 120 Euro.

Flugzeugabfertiger

Der letzte Fall für Fays als Flugzeugabfertiger am Flughafen Münster/Osnabrück ist noch einmal richtig schweißtreibend. Pro Schicht bewegt ein Flugzeugabfertiger etwa sechs Tonnen. Nachdem ich im Kofferwagen und im Frachtraum der Passagiermaschinen Dutzende Koffer gehievt, geschleppt und (ja, ich gestehe) in Teilen auch geworfen habe (als die Kraft nachließ), bin ich froh, dass ich nach diesem letzten Teil meiner Serie auch die Koffer als Sommerjob-Reporter packen kann und mich wieder meinem Traumjob, dem Journalismus, zuwenden darf. Der FMO spendet zu dem normalen Flugzeugabfertiger-Salär von 100 Euro noch weitere 250 Euro. So kommen insgesamt 2756,36 Euro zusammen. „Darüber werden sich 27Kinder sehr freuen“, verspricht Höfelmeyer von „Wir starten gleich“ bei der Spendenübergabe. Mit diesem Gefühl kehre ich gerne wieder an meinen Schreibtisch zurück. Alle Teile der Serie finden Sie auf der Themenseite www.noz.de/fallfays .


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