Lagerhalle und Haus der Jugend Wilder Genremix: Japan-Filmfest startet

Von Tobias Sunderdiek

Eröffnet das Filmfest: das Anime-Historiendrama „Miss Hokusai“ von Keiichi Hara. Foto: ©Hinako Sugiura/Sarusuberi Film PartnersEröffnet das Filmfest: das Anime-Historiendrama „Miss Hokusai“ von Keiichi Hara. Foto: ©Hinako Sugiura/Sarusuberi Film Partners

Osnabrück. Ein Jubiläum: Zum bereits zehnten Mal können Osnabrücker Cineasten Filmkunst aus Fernost auf dem „Festival des neuen japanischen Films“ erleben.

Ab Dienstag, 1. November, werden auch dieses Jahr innerhalb von acht Tagen 14 Filme aus dem asiatischen Land gezeigt. Begonnen hat alles in den 90er-Jahren – mit einer unbändigen Leidenschaft fürs asiatische Kino: Damals hatte Gunnar Kählke , Ko-Gründer und seit der ersten Ausgabe dabei, eine Idee in einer – wo sonst – Sushi-Bar in Berlin. Auf der Berlinale hatten ihn besonders die Filme aus Japan fasziniert, ihre enorme Bandbreite an Themen und unterschiedlichen Erzählformen. „Ich fand es schade, dass man nirgendwo sonst diese Filme sehen konnte“, erzählt Kählke im Gespräch mit unserer Redaktion. Also ergriff er die Initiative und initiierte 1998 das „Festival des neuen japanischen Films“.

Das Festival besetzte von Anfang an nicht nur eine Nische, sondern fand auch viele Fans in Osnabrück. Im Mittelpunkt standen dabei meist Genrefilme. Wie auch in diesem Jahr. Ganz gleich, ob es sich um brutale Psychothriller wie „The World of Kanako“ handelt, Kurosawa Kiyoshis in Cannes ausgezeichneten Liebesdrama „Journey to the Shore“ oder Kultfilmer Sono Sion philosophische Science-Fiction in „The Whispering Star“: Auch dieses Jahr hält man am bewährten Konzept fest. Es finden sich vor allem aktuelle Werke auf dem Spielplan, wie etwa das Gangster-Hip-Hop-Musical „Tokyo Tribe“, die Komödie „The Actor“, die Gunnar Kählke besonders am Herzen liegt und die einen Blick in die japanische Filmindustrie wirft, das Anime-Historiendrama „Miss Hokusai“ (Dienstag, 18 Uhr, Lagerhalle) über die Tochter des berühmten Malers , mit dem das Festival startet, oder die zart-romantische Beziehungskomödie „Good Stripes“ am Sonntagmorgen, zu der es auch ein Frühstücksbuffet gibt. Liebe geht dabei also auch hier durch den Magen.

Doch auch Klassikerfreunde kommen mit „Die Tragödie der Belladonna“, einem neu restaurierten Erotik-Anime-Film von 1973, auf ihre Kosten. „Es ist wahrscheinlich der älteste Film, den wir jemals gezeigt haben“, so Kählke. Daneben werden wie die Jahre zuvor verschiedene Workshops angeboten, etwa zum Origami-Papierfalten , zur Kalligrafie sowie zur Kunst des Manga-Zeichnens. Auch japanisches Trommeln findet statt. „Uns ist es wichtig, eine eigene Atmosphäre zu schaffen“, so Kählke, der damit den Veranstaltungsorten im Haus der Jugend und in der Lagerhalle asiatisches Flair einhauchen will. Wobei Gunnar Kählke und seine fünf Mitstreiter auch ein wachsendes Bedürfnis vieler Zuschauer nach Filmen jenseits des Mainstreams erkennen, was sich auch in der Programmauswahl widerspiegelt: „Vieles ist heute so vereinheitlicht, da ist es wichtig, dem gängigen Angebot etwas anderes entgegenzusetzen.“ Ein Blick in das Programm zeigt: Diese Mission ist gelungen.

Osnabrück: Festival des neuen japanischen Films, bis 8. November im Haus der Jugend und in der Lagerhalle. Weiterlesen: Das gesamte Programm mit Trailern