Klägerin will Überprüfung 900.000-Euro-Pferd: Kasselmann sieht Gutachten positiv

Von Jean-Charles Fays

Der Streit um ein 900.000-Euro-Pferd vom Hof Kasselmann, das inzwischen lahmt, geht voraussichtlich erst 2017 und damit mehr als ein Jahr später als erwartet in die nächste Runde. Ullrich Kasselmann hat das Gutachten der Tierärztlichen Hochschule Hannover bekommen und sieht seine Position dadurch gestärkt. Eine gütliche Einigung im Streit um das Dressurpferd „Londontown S“ vom Hof Kasselmann scheiterte im September 2015 vor dem Landgericht Osnabrück. Symbolfoto: David EbenerDer Streit um ein 900.000-Euro-Pferd vom Hof Kasselmann, das inzwischen lahmt, geht voraussichtlich erst 2017 und damit mehr als ein Jahr später als erwartet in die nächste Runde. Ullrich Kasselmann hat das Gutachten der Tierärztlichen Hochschule Hannover bekommen und sieht seine Position dadurch gestärkt. Eine gütliche Einigung im Streit um das Dressurpferd „Londontown S“ vom Hof Kasselmann scheiterte im September 2015 vor dem Landgericht Osnabrück. Symbolfoto: David Ebener

Osnabrück. Ein Gutachten im Prozess um ein 900.000-Euro-Pferd vom Hof Kasselmann, das inzwischen lahmt, geht offenbar positiv für den Züchter aus Hagen a.T.W. aus. Das sagte die Rechtsanwältin des Hofs, Dagmar Borchers, auf Anfrage unserer Redaktion.

Ihren Angaben zufolge hat die Klägerin bereits angekündigt, das Gutachten selbst gutachterlich überprüfen zu lassen. Borchers schlussfolgert: „Sie scheint also mit dem Gutachten nicht zufrieden zu sein, sonst würde es keinen Sinn machen, ein solches Gutachten zu überprüfen zu lassen.“ Die Vorsitzende Richterin am Landgericht Osnabrück hatte beim Auftakt des Zivilprozesses im September 2015 festgelegt, dass ein Sachverständigengutachten von der Stiftung der Tierärztlichen Hochschule Hannover klären soll, ob schon beim Kauf des Wallachs im Jahr 2013 ein Mangel vorhanden war, der für die akute Lahmheit des Pferdes verantwortlich ist.

Rechtsanwalt der Klägerin will keine Stellungnahme geben

Der Rechtsanwalt der Klägerin wollte auf Anfrage unserer Redaktion keine Stellungnahme zum laufenden Verfahren geben. Die Klägerin hatte in der Auftaktverhandlung davon gesprochen, dass sie bereits bei der Ankaufuntersuchung auf eine Schwellung am vorderen rechten Bein hingewiesen habe, an dem das Pferd nun lahmt. Der Tierarzt hatte das damals laut Klägerin aber lediglich als Galle beschrieben, die kein gesundheitliches Problem darstelle.

( Weiterlesen: Klage gegen Züchter Kasselmann: Lahmes 900.000-Euro-Pferd: Verhandlung erst 2016)

Prozess geht wahrscheinlich erst 2017 weiter

Eine Sprecherin des Landgerichts Osnabrück geht davon aus, dass der Prozess frühestens im Dezember 2016, wahrscheinlich aber erst 2017 fortgesetzt wird, weil beide Parteien bezüglich der Stellungnahme zum Gutachten Antrag auf Fristverlängerung eingereicht hätten. Rechtsanwältin Borchers erläuterte: „Die Gutachterin hat das Pferd Londontown S etwa drei Wochen intensiv untersucht und ein fast 30-seitiges Gutachten erstellt. Auch die lange Zeit, die es brauchte, das Gutachten zu erstatten, zeigt, wie intensiv sich die Gutachterin damit beschäftigt hat. Nun brauchen wir auch noch etwas mehr Zeit für unsere Stellungnahme.“ Deshalb habe sie Fristverlängerung bis Mitte November beantragt. Fristverlängerungsanträge zu stellen, sei ist in Zivilprozessen durchaus nicht unüblich.

„Mit einem Dressurpferd ist es wie mit einem Profifußballer“

Ullrich Kasselmann sagte als einer der drei Geschäftsführer des Hofs: „Mit einem Dressurpferd ist es wie mit einem Profifußballer. Das Risiko, dass er sich nach einem Wechsel verletzt, ist im Sport immer groß. Eine Garantie dafür, dass das nicht passiert, kann niemand geben.“

Kasselmann: „Sie hätte eine Garantie für das Bein bekommen“

Er zeigte sich im Gespräch mit unserer Redaktion überzeugt, dass es beim Ankauf keine Mängel gab, die zur Folge hatten, dass das Pferd später lahmte: „Hätte die Käuferin des Pferdes beim Ankauf eine Garantie für das vordere rechte Bein verlangt – so wie sie es für das Nackenband verlangt und bekommen hat – hätte sie diese Garantie auch bekommen. Das ist aber gar nicht erst besprochen worden.“ Deshalb hält Anwältin Borchers den Antrag auf Klageabweisung aufrecht. Der Züchter fügt hinzu: „Wir hatten aus Kulanz angeboten, das Pferd wieder gesund zu pflegen. Das ist aber bislang ausgeschlagen worden.“ Aus Kulanz halte er aber eine Einigung weiterhin für möglich. Seine Anwältin schränkt jedoch ein: „Je weiter das Verfahren voranschreitet, desto schwieriger ist es auch, eine Einigungsmöglichkeit zu finden.“

Gutachten weckt Ehrgeiz, das Pferd wieder sporteinsatzfähig zu machen

Kasselmann sagt: „Wenn ich mir als Experte das Gutachten ansehe, weckt es in mir den Ehrgeiz, das Pferd wieder sporteinsatzfähig zu machen und auf ein Niveau zu bringen, dass es auf Grand-Prix-Ebene geritten werden könnte.“ Das Dressurpferd habe eine sehr gute Einstellung, sei hochintelligent und leicht zu reiten. Er erklärte: „Wir würden bei der Behandlung und dem anschließenden Antrainieren des Pferdes mit Rat und Tat zu Seite stehen, die Behandlungs- und Trainingskosten würden wir jedoch nicht übernehmen.“

Der Traum vom Grand Prix

Laut Kasselmann stand das Pferd beim Verkauf „vor dem Sprung, die Reife zu haben, auf höchstem Niveau eingesetzt zu werden.“ Die Klägerin hatte mit dem Wallach den Traum, auf Grand Prix-Ebene zu reiten.

( Weiterlesen: Klage gegen Züchter Kasselmann: Gütliche Einigung im Prozess um 900.000-Euro-Pferd scheitert)


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