Stadtwerke stellen Konzept vor Mit neuer Rutsche „Twist“ kommt Preiserhöhung im Nettebad


Osnabrück. Die Stadtwerke Osnabrück haben die Pläne für die neue Trichterrutsche am Nettebad vorgestellt. In der „Twist“ erreichen Badegäste Geschwindigkeiten bis zu 43 Kilometer pro Stunde. Eine Rutschpartie dauert etwa 15 Sekunden. Wer die neue Rutsche ausprobieren will, muss künftig aber tiefer in die Tasche greifen.

Die Meldung über die neue Trichterrutsche im Osnabrücker Nettebad hat im Juli für Begeisterung bei den Badegästen aus Osnabrück und der Region gesorgt. Zumindest bei den meisten. Mancher befürchtete auch eine erneute Preiserhöhung aufgrund der neuen Attraktion. Und die Zweifler sollten recht behalten.

„Alle profitieren“

„Die ‚Twist‘ wird am 3. Dezember eröffnet“, berichtete Bäderchef Wolfgang Hermle am Donnerstag bei einem Pressetermin. Gleichzeitig führe das Nettebad eine neue Tarifpolitik ein. Der Basistarif, aktuell 5,60 Euro, werde „moderat“ erhöht, sagte Hermle. Zudem stiegen die Kosten für die Verlängerung der Aufenthaltszeit im Bad.

Hermle warb um Verständnis: „So finanzieren wir die Daseinsvorsorge für das Schul- und Vereinsschwimmen.“ Der Grund: Sportschwimmer würden meist nicht länger als 90 Minuten im Nettebad bleiben. Besonders auswärtige Ausflügler hätten hingegen eine hohe Verweildauer im Nettebad und einen höheren „Freizeitanspruch“. Und: „Mit der neuen Trichterrutsche werten wir den Freizeitstandort Nettebad weiter auf“, sagte Hermle. „Daher profitieren alle Schwimmer in Osnabrück von der neuen Trichterrutsche – unabhängig davon, ob sie sie nutzen oder nicht.“

68 Meter lang

So soll die Trichterrutsche „Twist“ an den Turm am Nettebad angedockt werden.

Wer sich den Eintritt ins Nettebad leistet, der wird in der steilen Konstruktion künftig mit einer hohen Anfangsgeschwindigkeit – immerhin bis zu 43 Kilometer pro Stunde – in den acht Meter breiten Trichter gefeuert. Darin werden dann bis zu drei Runden zurückgelegt, ehe ein Loch die Badegäste verschluckt. Pro Rutschgang peilen die Stadtwerke eine Verweildauer von etwa 15 Sekunden an. Lange Wartezeiten sollen ausbleiben, obwohl die Rutsche aus Sicherheitsgründen nur allein genutzt werden darf. Die Gesamtlänge der „Twist“ beträgt rund 68 Meter. Kleine Kinder dürfen sie nicht nutzen. Zwar hat der TÜV das Mindestalter noch nicht abschließend beurteilt. Die Stadtwerke gehen aber davon aus, dass dieses zwischen acht und zwölf Jahren liegen wird.

„Weltweit einmalig“

Laut Hermle soll die Osnabrücker Trichterrutsche „weltweit einmalig“ werden. Dafür werde eine „individuell beeinflussbare Projektionstechnik“ sorgen. Hinter der sperrigen Bezeichnung verbergen sich Themenwelten, die in die Rutsche projiziert werden. Eine weitere Besonderheit: Die Projektionen reagieren auf die Rutscher. So könnte der Badegast inmitten einer Unterwasserwelt durch einen Schwarm Fische geleitet werden und die Projektion durch eine Armbewegung beeinflussen. Welche Themenwelt installiert wird, bestimmen die Badegäste: Wie beim Namen „Twist“, der aus 250 Vorschlägen der Nettebad-Besucher ausgewählt wurde, findet dazu eine Abstimmung statt. Zur Auswahl stehen neben einem Unterwasserabenteuer auch eine Farb-, Weltraum- oder Discowelt.

Rutschenpark kurz geschlossen

Aus den nun offengelegten Plänen geht hervor, dass der große Trichter der „Twist“ vor das Schwimmerbecken des Nettebads platziert wird. Die Voraussetzungen für den Bau der Attraktion waren schon im Vorfeld gut. „Heute profitieren wir von der vorausschauenden Planung und können die Investitionssumme mit 500.000 Euro verhältnismäßig gering halten“, sagte Projektleiter Jürgen August. Der Einstieg zur „Twist“ in 13,5 Metern Höhe soll oberhalb der „Black Hole“ gebaut werden. Weil im Becken, in dem die anderen drei Rutschen enden, nicht genügend Platz ist, erhält „Twist“ einen separaten Ausstiegspunkt. Die Höhe des Landebeckens liegt bei knapp drei Metern. Es wird an den Rutschenturm angedockt. Während der Bauarbeiten wird der Rutschenpark vom 2. bis 4. November geschlossen.

Weitere Rutsche geplant

Von der „Twist“ versprechen sich die Stadtwerke einen ähnlichen Effekt wie nach der Eröffnung der Hochgeschwindigkeitsrutsche „Sloop“. Diese hatte 2012 für einen deutlichen Zustrom von Badegästen gesorgt. Auch die Kosten für die „Sloop“ hätten sich in weniger als zwei Jahren amortisiert. Bäderchef Hermle und Projektleiter August gaben am Donnerstag zudem einen Ausblick über das kommende Jahr hinaus. „Twist“ wird nicht die letzte Rutsche sein, die im Nettebad installiert wird, ließen sie durchblicken. Das Landebecken biete Platz für mindestens eine weitere. Diese sei aber frühestens in vier bis fünf Jahren zu erwarten.




Rutschen im Nettebad Osnabrück

Aktuell verfügt das Nettebad Osnabrück über fünf Rutschen. Die größte und wildeste heißt „Sloop“. Sie ist 94 Meter lang und beginnt in 17,5 Meter Höhe mit einem freien Fall. Durch die stockdunkle „Black Hole“-Rutsche sausen Badegäste 9 Meter tief und 86 Meter weit hinab. Die Reifenrutsche „Crazy River“ startet auf sechs Meter Höhe und führt auf der Hälfte ihrer 82-Meter-Strecke durch eine Art Ufo-Kapsel. Einmal kreuz und quer durchs Hallenbad verläuft hingegen die Indoor-Familienrutsche (36 Meter lang). Für Kleinkinder gibt es im Nichtschwimmerbecken des Freibads eine sechs Meter lange Breitrutsche.

Die Trichterrutsche wird die sechste Attraktion dieser Art im Nettebad. Solche Anlagen bestehen für gewöhnlich aus einer steilen, kurvigen Röhre, durch die Badegäste in eine riesige Schüssel gespült werden. Darin kreiseln sie wie Roulettekugeln die Seitenwände hinab, bevor sie am tiefsten Punkt des Trichters durch ein Loch fallen: Hier geht die Schlitterpartie dann rasant weiter – oder endet direkt in einem Wasserbecken. (sst)

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