4. Junger Deutscher Jazzpreis Drei Bands beim Wettstreit im Blue Note

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Sieger: Das Ensemble um den Saxofonisten und Bassklarinettisten Marc Doffey. Foto: Hermann PentermannSieger: Das Ensemble um den Saxofonisten und Bassklarinettisten Marc Doffey. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Zum vierten Mal wurde das Blue Note Schauplatz des Finales zum Jungen Deutschen Jazzpreis. Zum Gewinner kürte die Jury das Marc Doffey Quintett aus Berlin.

Erst hört sich die Posaune wie ein Didgeridoo an, dann wie ein Luftballon, dem flatternd die Luft entweicht. „Jetzt werden wir gegeneinander spielen, wie bei einem Trinkspiel“, sagt etwas später Moritz Wesp, Posaunist der Band Avocado. So macht er der Jury das Leben schwer, die gerade versucht, den Gewinner des Jungen Deutschen Jazzpreis es zu küren. Denn ein Kriterium für die Qualität der teilnehmenden Ensembles ist, wie gut sich das Zusammenspiel der Musiker gestaltet.

Im Blue Note treten drei Bands an, die sich für das Finale des Wettbewerbs qualifizieren konnten. Zum vierten Mal wird der Junge Deutsche Jazzpreis verliehen, der vom Institut für Musik (IfM) der Hochschule Osnabrück initiiert wurde und mit 2500 Euro dotiert ist. Er verfolgt das Ziel, die Jazzszenen deutscher Hochschulen stärker miteinander zu vernetzen und junge kreative Bands auf ihrem Weg in die Professionalität voran zu bringen.

Aus Berlin und Köln

Aus Berlin und Köln kommen die Finalisten in diesem Jahr. Und es fällt auf, dass die Vorauswahl auf zwei Bands getroffen ist, die an Bass und Schlagzeug eine Personalunion aufweisen. Beim Yannis Anft Trio und bei dem Ensemble Avocado spielen Alexander Dawo Bass und Leif Berger Schlagzeug. Daher zeigen sich auch Parallelen in der stilistischen Ausprägung ihre Musik. Freistil könnte man das nennen, was sowohl deren kompositorische als auch improvisatorische Elemente angeht.

Während das Yannis Anft Trio fast poppig mit einem fluffigen Keyboardsound startet, driftet die Musik alsbald in freie, assoziative, Klangexperimente ab, die immerhin von harmonischen, eher konventionellen Jazzsounds aufgefangen werden. Auf die wartet man bei Avocado fast vergeblich, denn hier regiert das Experiment. Nur das bereits erwähnte Gegeneinanderspielen endet in einer versöhnlichen Passage.

Lyrische Spielart des Jazz

Dass Klangexperimente spannend und dynamisch sein können, hatte im vergangenen Jahr das Trio Malstrom bewiesen, das melodischen Jazz mit experimentell-assoziativem Ausbrüchen mischte und der lebendigen Melange auch mal eine Prise Metal, Punk, spukige Surfmusik oder gar Drum´n´Bass hinzufügte. Davon kann bei den erwähnten Ensembles keine Rede sein, daher entscheidet sich die Jury in diesem Jahr wohl auch dafür, das Marc Doffey Quintett zum Gewinner des Wettbewerbs zu küren. Das Berliner Ensemble um den Saxofonisten und Bassklarinettisten Marc Doffey präsentiert eine geradezu lyrische Spielart des Jazz. Alle fünf Musiker beteiligen sich an den Kompositionen. Die sanfte Stimme von Sängerin Sabeth Pérez und Doffeys Saxofon entfalten im Vordergrund ihren Reiz. Scats, Lautmalerei und von Pérez geschriebene Texte trägt sie im Dialog mit dem Bläser vor, derweil Gitarre und Bass vom Schlagzeug angefeuert lebendige Akzente setzen.

Den drei Juroren, IfM-Saxofon-Professor Volker Winck, Jazzgitarrist Arne Jansen und Musikjournalist Arne Schumacher, gefällt diese Performance offenbar am besten, sodass Frank Wingold, Professor für Jazzgitarre am IfM, dem Marc Doffey Quintett schließlich Scheck und Urkunde überreichen kann.


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