Nachwachsender Rohstoff Osnabrücker dämmt sein Haus mit Hanfplatten

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Osnabrück. Ein Osnabrücker Malermeister dämmt sein Haus mit Hanf. Die Dämmplatten aus dem nachwachsenden Rohstoff sind zwar teurer als Polystyrol, müssen aber im Gegensatz zu dem Kunststoff nicht später als Sondermüll entsorgt werden.

Gerd Feldmann hat schon viele Gebäude auf konventionelle Weise gedämmt. Eine gute Wärmeisolierung ist ihm wichtig, aber eigentlich widerstrebt ihm der Gedanke, ein Haus „in Plastik zu verpacken“, wie er sagt. Im August nahm er in Österreich an einem Seminar zur energetischen Wärmedämmung mit Hanf teil. Das hat ihn so nachhaltig von der Faserpflanze überzeugt, dass er sein Haus in Gretesch jetzt mit den Dämmplatten aus dem Naturmaterial verkleidet.

Ohne berauschende Wirkung

Wenn von Hanf die Rede ist, kommen viele Zeitgenossen gleich mit wissendem Lächeln auf Haschisch zu sprechen. Gerd Feldmann kennt das schon. Im österreichischen Hanfthal – so heißt der Ort wirklich – hat der 46-Jährige gesehen, wie Cannabis großflächig angebaut wird. Bei der Nutzpflanze ist der berauschende Wirkstoff THC allerdings herausgezüchtet worden, und die Landwirte würden zudem streng kontrolliert, fügt er hinzu.

„Hanf ist genial“, schwärmt der selbstständige Malermeister. Ganz ohne Pestizide und mit nur wenig Wasser wachse die anspruchslose Pflanze in 100 Tagen vier Meter hoch. Und dabei binde sie so viel Kohlendioxid, dass sogar die Produktion der Dämmplatten klimaneutral vonstattengehe.

Das Material lasse sich überdies leicht verarbeiten, verursache kein Hautjucken und sei extrem diffusionsoffen, schalldämmend und zudem hagelfest, wie Feldmann begeistert erzählt. Auch beim Brandschutz gebe es keine Bedenken: Hanfplatten seien als „schwer entflammbar“ eingestuft und könnten bei Hitzeeinwirkung nicht schmelzen wie Polystyrol.

Dämmplatten sind teurer

Einen Nachteil verschweigt der Praktiker jedoch nicht: Das Dämmmaterial aus der Naturfaser ist pro Quadratmeter etwa dreimal so teuer. Feldmann führt das auf die bislang sehr überschaubaren Stückzahlen zurück. Er gibt aber zu bedenken, dass die Materialkosten nicht der Hauptposten bei der Kalkulation sind. Unter dem Strich rechnet er mit 30 Prozent Mehrkosten gegenüber der konventionellen Wärmeisolierung. Das liegt auch an der etwas geringeren Dämmwirkung. Deshalb müssen die Platten etwas dicker (18 statt 14 cm) sein, um auf den gleichen Effekt zu kommen.

Für den Malermeister überwiegen aber die Vorteile beim Dämmen mit der Naturfaser. Und deshalb war für ihn und seine Frau schnell klar, dass bei der Wärmeisolierung des eigenen Hauses Hanf verwendet wird. Seit fünf Monaten wohnt Familie Feldmann an der Albrecht-Dürer-Straße in Gretesch. Der Altbau von 1960 hat schon dreifach verglaste Fenster bekommen, aber um den Gasverbrauch wirksam zu reduzieren, müssen die Wände von 1960 einen dicken Mantel bekommen.

Die Hanfplatten werden aufgeklebt und mit Dübeln im Mauerwerk verankert. Feldmann hat sich dafür selber Urlaub gewährt und hofft, in dieser Woche damit fertig zu werden. Anschließend wird ein mineralischer Putz aufgebracht. Da stehen dem Handwerker noch etliche Stunden Arbeit bevor. Gerd Feldmann ist stolz darauf, dass er in Osnabrück der Erste ist, der sein Haus mit Hanf dämmt. Deutschlandweit steht er damit wohl an 20. Stelle.


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