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Wir müssen draußen bleiben Dänemark: 13 Hunderassen auf „Todesliste“ – Deutsche Urlauber stornieren Reisen

Wir müssen draußen bleiben.Illustration: Colourbox

            

              Montage: Neue OZ/NabrotzkyWir müssen draußen bleiben.Illustration: Colourbox Montage: Neue OZ/Nabrotzky

Osnabrück. Der dänische Tourismus droht auf den Hund zu kommen. Immer mehr Deutsche stornieren ihren Urlaub in dem Land. Der Grund ist das dänische Hundegesetz, das die Haltung, Zucht und Einfuhr von 13 Hunderassen verbietet, wenn sie nach dem 17. März 2010 angeschafft wurden.

Bei Verstößen kann die Polizei die Tiere beschlagnahmen und einschläfern lassen. Und auch die Vierbeiner von Urlaubern fallen unter diese Bestimmungen.

Seit Inkrafttreten des Gesetzes vor zwei Jahren sollen bereits circa 1400 Hunde eingeschläfert worden sein. Die Bestimmungen gelten auch für Kreuzungen, an denen eine der verbotenen Rassen beteiligt ist. Der Ferienhausanbieter Novasol, der damit wirbt, dass Dänemark das ideale Ziel für den Urlaub mit Hund sei, setzt sich jetzt an die Spitze des Protests und kämpft für eine Änderung des Hundegesetzes. „Man schießt doch nicht auf Urlauber-Hunde – und man droht auch nicht damit!“, protestiert der Vorstandsvorsitzende von Novasol, Jan Haapanen. „Unser erklärtes Ziel ist es, dass sich alle Hunde und Hundebesitzer in Dänemark wohlfühlen und damit in einem unserer Ferienhäuser einen erholsamen Urlaub verbringen können. Deshalb setzen wir uns mit Nachdruck dafür ein, dass dieses Gesetz schnellstmöglich überprüft und entsprechend geändert wird.“ Die dänische Tourismusbranche verzeichnet schon seit Jahren einen Rückgang bei den Urlaubern aus Deutschland. Im vergangenen Jahr übernachteten Deutsche 12,6 Millionen Mal in dem nördlichen Nachbarland. Das waren rund drei Prozent weniger als 2011.

Die dänische Landwirtschafts- und Tierschutzministerin Mette Gjerskov räumte bereits ein, dass es in der Frage der Hundetötungen Klärungsbedarf gebe. Auch Gesetzesänderungen schloss sie nicht aus.

Eine Facebook-Aktion „Thor darf nicht sterben!“ setzte alle Hebel in Bewegung, um die Tötung eines Thor genannten Rüden in Dänemark zu verhindern. Bei Thor wird vermutet, dass er eine verbotene Kreuzung aus gelisteten Rassen ist. Seit fünf Monaten steht der Fall vor Gericht. Thor lebte bis vor einigen Tagen in einer Hundepension und wartete dort auf das Urteil, das über Leben oder Tod entscheidet. Nach dem Willen des Gerichts, sollte ein viertes Gutachten für Klarheit sorgen, ob er die beanstandete(n) Rasse(n) in sich trägt. Doch dazu wird es wohl nicht mehr kommen. Eine Gruppe, die sich „Thors Venner“ („Thors Freunde“) nennt, hat den Mischling am Wochenende aus der Pension entführt. Es ist bereits die zweite Entführung eines bedrohten Hundes innerhalb von wenigen Wochen.

In Internetforen melden sich aber auch dänische Hundehalter zu Wort, deren Vierbeiner bereits eingeschläfert wurden: „Ich hatte 15 Minuten Zeit, um mich in der Tierarztpraxis von meinem Hund zu verabschieden, bevor dieser eingeschläfert wurde. Begründung für das Todesurteil laut dänischer Polizei: „Der Hund sieht aus wie ein Amstaff“ – Gegenargumente, Gutachten, Aussagen von Tierärzten wurden abgewiesen. Der Hund musste gestern sein Leben lassen!!!“, schreibt eine Betroffene.

Als besonders problematisch wird es von den Kritikern angesehen, dass bei Mischlingshunden ungeschulte Polizisten darüber entscheiden, ob verbotene Rassen beteiligt sind. Eine Chance, sich dagegen zu wehren, hat der Hundehalter nicht. Denn er müsste ja nachweisen, dass sein Tier nicht auf dem Rasseindex steht. Gerade bei Mischlingshunden ist das aber sehr problematisch. Oft lassen sich die Rassen nicht zurückverfolgen. In den meisten Fällen werden die Hunde deshalb von der Polizei beschlagnahmt und direkt zum Tierarzt gebracht, um dort getötet zu werden. Die Verärgerung der deutschen Hundefreunde hat längst auch die dänische Botschaft in Berlin alarmiert. Sie informiert deshalb auf ihrer Internetseite in deutscher Sprache über das dänische Hundegesetz. Dort wird betont, dass es generell unproblematisch sei, mit Haustieren nach Dänemark zu reisen.

Doch: „Aufgrund einer Reihe von Vorfällen, bei denen Hunde – von den Medien oft als „Kampfhunde“ bezeichnet – sowohl andere Hunde als auch Menschen angegriffen haben“, habe man sich aber 2010 zu den umstrittenen Gesetzesänderungen entschlossen. Personen, die Hunde der infrage stehenden Rassen vor dem 17. März 2010 angeschafft haben, müssen sie auf Straßen, Wegen, Fußwegen und Plätzen an einer maximal zwei Meter langen Leine führen. Außerdem muss der Hund einen sicher verschlossenen Maulkorb tragen. Alle anderen Hunde sind erlaubt.

Was sagt der Hundeprofi Martin Rütter dazu? Hier geht‘s zum Interview mit Rütters Appell an Dänemark.


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