Premiere am Theater Osnabrück Regieteam über Hornbachs „Über meine Leiche“

Wollte schon zu Schulzeiten Regisseurin werden: Marlene Anna Schäfer. Foto: Michael GründelWollte schon zu Schulzeiten Regisseurin werden: Marlene Anna Schäfer. Foto: Michael Gründel

Ch.A. Osnabrück. Regisseurin Marlene Anna Schäfer und Dramaturgin Marie Senf über die Umsetzung von Stefan Hornbachs „Über meine Leiche“ im Osnabrücker Emma-Theater.

Die offizielle Uraufführung von Stefan Hornbachs Theaterstück „Über meine Leiche“, mit der er den zweiten Durchlauf des Osnabrücker Dramatikerpreis es gewonnen hat, steht vor der Tür – nach einer Voraufführung im Rahmen der Autorentheatertage am Deutschen Theater Berlin und vor der Österreichischen Erstaufführung am Wiener Burgtheater. Premiere in Osnabrück ist am Samstag, 29. Oktober wie immer um 19.30 Uhr im Emma-Theater.

Worum geht es in dem jetzt schon so erfolgreichen Stück? Kurz, um den jungen Mann Friedrich, der Krebs hat, in Form von Seegurken. Mit dieser lakonischen Bezeichnung Friedrichs sind wir schon mitten drin im spezifischen Humor des Stücks, der der Dramatikerpreisjury so gefallen hat. Aber Humor ist nicht alles, was das Stück auszeichnet: Ein Nebeneinander extremer Gefühlszustände, von Sarkasmus, Zynismus, Verzweiflung, Trauer, Aggression nennen Uraufführungs-Regisseurin Marlene Ann Schäfer und Dramaturgin Marie Senf im Vorgespräch.

„Es gibt keinen logischen Bogen“, sagt Schäfer. Und „keinen Sinnzusammenhang“ wie etwas zu lernen aus der Krankheit, setzt Senf hinzu. Marlene Anna Schäfer findet eher das Bild der „Stimmungsringe“ zutreffender, wie die Scheiben einer MRT-Aufnahme. Deshalb hat das Regieteam auch zu seinem Bühnenbild gefunden: Diese weiße, kubusartige Bühne nennt Schäfer eine starke Setzung: „Rahmen in Rahmen in Rahmen wie ein Tunnel oder eine Spirale stehen für das perspektivisch Verschachtelte des Stücks“, so die Regisseurin. Das soll einen Blick in Friedrichs Kopf darstellen. Ohne ihn zu sehr in den Vordergrund zu stellen, denn da gibt es noch viele andere Erzählperspektiven. Die von der depressiven Jana, die Friedrich das Leben beibringen will, aber selbst am liebsten sterben. Die aber auch „Du“ sein kann, eine der vielen Erzählinstanzen neben Mama, Papa oder dem Arzt, von denen auch in der Inszenierung offen bleiben soll, ob sie nun Stimmen im Kopf Friedrichs, Abbilder von realen Figuren oder tatsächlich ganz reale Figuren sind. Offen bleibt auch, ob Friedrich am Ende gesund ist oder sich mit seiner Krankheit arrangiert hat.

Marlene Anna Schäfer schreibt sich selbst eine gewisse Affinität zu schweren, auch traurigen, aber auf der Bühne natürlich erträglich verabreichten Themen zu. Am Landestheater Tübingen hat sie „Nach Korfu“ von Nikolaus Hoppe über Suizid inszeniert oder am Staatstheater Karlsruhe Lot Vekemanns „Gift. Eine Ehegeschichte“ über Sterbehilfe. Inszeniert hat sie schon in ihrer Schulzeit und bald am Berliner Ensemble oder der Berliner Schaubühne hospitiert, bevor sie dann von 2011 bis 2014 Regieassistentin am Staatstheater Darmstadt wurde. Ihr Berufsweg war ihr also schon sehr früh klar.


Uraufführung von „Über meine Leiche“ ist am Samstag, 29. Oktober um 19.30 Uhr im Emma-Theater. Karten an der Theaterkasse unter 0541-7600076.

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