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Wo sie aufgetaucht sein sollen Horrorclowns in der Region – Fake oder ernsthafte Bedrohung?

Gruselclowns im Raum Osnabrück? Die Meldungen gibt es. Aber was ist dran? Foto: dpaGruselclowns im Raum Osnabrück? Die Meldungen gibt es. Aber was ist dran? Foto: dpa

Osnabrück. Blutige Fratze, schwarze Augen, dämonisches Lachen: Horrorclowns sorgen für Angst und Schrecken. Auch in der Region Osnabrück/Emsland sollen sie immer häufiger auftauchen. Aber was ist dran an den Meldungen? Selbst der Polizei fällt die Überprüfung schwer.

Das unscharfe Foto eines Gruselclowns, der bei Dunkelheit in einem Hauseingang sitzt – angeblich aufgenommen in Osnabrück-Schinkel. Das verwackelte Bild eines Horrorclowns, der sich nachts bedrohlich über eine Wiese nähert – angeblich geschossen in Eversburg. Die Meldung „Killerclown greift Passanten in Fürstenau an“, „Killerclown greift Passanten in Freren an“ oder „Killer-Clowns in Georgsmarienhütte!“ – geteilt über lokale Gruppen bei Facebook. (Weiterlesen: Grusel-Clowns: Gefälschte Fotos schnell entlarven)

Meldungen sorgen für Unruhe

Wer dieser Tage sein Handy in die Hand nimmt, könnte den Eindruck gewinnen, Menschen in Clownskostüm und Gruselschminke hätten die Region fest im Griff. Die Liste der Orte, an denen sie aufgetaucht sein sollen, wird immer länger. Und die Meldungen sorgen für Unruhe: bei Schülern, die immer wieder neue Nachrichten über Horrorclowns in der Nähe lesen, hundertfach geteilt über Whatsapp und Co, bei jungen Frauen, die sich fürchten nachts noch das Haus zu verlassen, und bei Eltern, die nicht wissen, was sie von dem Phänomen halten sollen.

Damit geht es ihnen ähnlich wie der Polizei in Osnabrück. „Sogenannte Killerclowns beschäftigen uns im Moment sehr stark, aber die Fälle sind ganz schwer zu verifizieren“, sagt Sprecherin Mareike Kocar. Es gebe eine enorme Verunsicherung bei einem Großteil der Bevölkerung – dabei sei nicht klar, ob in der Region überhaupt mehr dahinter stecke als ein Hype um Fakenachrichten.

Keine einzige Anzeige für den Raum Osnabrück

Fakt ist: Bisher ist der Polizei Osnabrück kein einziger Fall etwa über eine Anzeige bekannt, der tatsächlich in der hiesigen Region spielt. „Es gab zwar Osnabrücker, die Gruselclowns angezeigt haben. Die waren allerdings in NRW gesichtet worden“, berichtet Kocar. Die Anzeigen hätten ihre Kollegen weitergeleitet.

Zumindest einige Clown-Meldungen, die im Netz kursieren, lassen sich schnell als falsch entlarven. Stammen sie wie die Killerclown-Nachrichten aus Fürstenau , Freren und Georgsmarienhütte von der Seite 24aktuelles.com sind sie mit Sicherheit ein Fake – schließlich lautet das erklärte Ziel des Portals: „Erstelle deinen Witz in wenigen Sekunden“. Die Seite lässt Nutzer mit ein paar Klicks ausgedachte Onlinemeldungen erstellen und sie über Social Media an Freunde schicken. Der Verein „Mimikama“ verschreibt sich der Aufklärung über Internetmissbrauch. Allein bis Freitag zählte Mimikama mehr als 400 Falschmeldungen zum Thema Killer-Clown, die ihren Ursprung bei 24aktuelles.com hatten.

Unseriöse Portale

Die Polizei in Hannover warnt Bürger davor, Meldungen von unseriösen Portalen uneingeschränkt Glauben zu schenken. Diese „vermeintlich wahren Mitteilungen mit Polizeibezug“ stammten weder von der Polizei, noch stimmte ihr Inhalt.

Schwieriger wird die Einordnung, wenn einzelne Nutzer Gerüchte aufschnappen und etwa über Facebook weiterstreuen. So sorgte ein Netzwerk-Post in Sögel für Unruhe: An einer Förderschule sollen zwei Clowns Kindern aufgelauert und sie bedroht haben. Doch weder der Polizei noch der Schule war der Vorfall bekannt – obwohl ihn Hunderte User zuvor bestätigten.

Fotos im Schneeballsystem weitergereicht

An der Stüveschule in Osnabrück-Schinkel kursiert seit Tagen das unscharfe Foto eines in einem Hauseingang sitzenden Gruselclowns. „Das soll die Schinkelstraße sein, könnte aber von überall stammen“, sagt Schulleiter Martin Igelmann. Im Schneeballeffekt weiterverbreitet, könne niemand mehr sagen, wer das Bild eigentlich gemacht habe. Auf die Besorgnis im Klassenzimmer reagierten die Lehrer mit Gesprächsangeboten über die Ängste. „Wir müssen aber aufpassen, dass wir das nicht zu hoch hängen und damit noch verstärken“, sagt Igelmann.

Ebenfalls die Runde macht in Osnabrück das verwaschene Foto einer Person am Berliner Platz. Eine Clownsmaskierung ist auf dem Bild wegen der schlechten Qualität nicht einmal eindeutig zu erkennen. Dennoch wird es mit der Warnung „Achtung: Clown in Osnabrück“ dutzendfach geteilt.

Fakenachrichten, Kettenbriefe, Fotos unbekannter Herkunft: Das alles werde weiter verbreitet, ohne zu hinterfragen, was damit bewirkt werde, so Polizeisprecherin Kocar. Es entstehe Panik – zumindest hier in der Region womöglich ohne Grund.

„Das ist kein Spaß“

Dass sich früher oder später tatsächlich Trittbrettfahrer des Trends bemächtigen und ins Kostüm steigen, sei jedoch zu befürchten. Besonders im Vorfeld zu Halloween sind Gruselclown-Masken leicht zu bekommen. „Wir warnen eindringlich davor, Leute so zu erschrecken“, sagt Kocar. „Das ist kein Spaß, sondern schießt weit übers Ziel hinaus.“ Eine Straftat ist das reine Erschrecken zwar nicht, erklärt sie. „Aber grober Unfug.“ Fühlen sich Menschen bedrängt und eingeschüchtert, könne das auch als Körperverletzung verfolgt werden.

Die Polizei in den Kreisen Cloppenburg und Vechta sieht Clowns-Kostüme für das kommende Halloween-Fest als generell unangebracht an. Als Clown verkleidete Jugendliche gingen das Risiko ein, missverstanden zu werden. Das hat einen ernsten Hintergrund: In Vechta gab es am Wochenende die Meldung, im Stadtgebiet sei ein Horror-Clown „abgestochen“ und schwer verletzt worden. 36.000 Mal sei diese Nachricht in einem sozialen Netzwerk geteilt worden, so die Polizei. Aber: „Dieser Sachverhalt ist frei erfunden!“

„Unangebrachte Kostümierung“

Tatsächlich hatten die Beamten in Vechta aber schon Berührungen mit Gruselclowns. Der Anzeige zweier Jugendlicher, die von einem Maskierten mit einem Messer bedroht worden sein sollen, werde nachgegangen, heißt es. Außerdem hätten mehrere junge Leute auf ihre unangebrachte Kostümierung hingewiesen werden müssen.

Das Phänomen von Horrorclowns, die ahnungslosen Passanten einen Schreck einjagen, war vor einiger Zeit zunächst in den USA aufgetaucht, auch aus Großbritannien, Schweden und auch Deutschland wurden zuletzt vermehrt Fälle gemeldet. Und immer häufiger kommt es zu Straf- und Gewalttaten: Allein am Wochenende gab es etwa in Aachen, Bremen, Duisburg, Rostock, Berlin und Aschaffenburg Attacken und Raubüberfälle von als Gruselclowns verkleideten Unbekannten. Die Maske schütze die Täter zwar davor, erkannt zu werden, heißt es bei der Polizei. Die Täter dürften aber nicht mit Nachsicht rechnen – im Gegenteil. Jede Straftat werde geahndet.

Ungewöhnlicher Appell

Soweit soll es im Bereich der Polizeiinspektion Leer/Emden gar nicht erst kommen. Nachdem sich angebliche Gruselclown-Sichtungen in der Stadt Leer als mutmaßliche Räuberpistolen erwiesen, richtete sich die Behörde nun mit einem ungewöhnlichen Appell an die Bürger: „Bei aller nachvollziehbaren Sorge trägt jeder Einzelne vermutlich am besten zu einem schnellen Abebben dieser Kostümshow bei, indem er dem gesamten Phänomen so wenig Aufmerksamkeit wie möglich schenkt“, heißt es in einer Mitteilung. Und weiter: „Denn was ist schon ein Clown ohne Publikum?“ (mit mao, dpa und AFP)


Verhaltenstipps der Polizei Osnabrück:

Sollten Sie einem „Horror-Clown“ begegnen, rufen Sie die Polizei.

Seien Sie vorausschauend. Das ermöglicht Ihnen, Gefahren zu erkennen und ihnen frühzeitig aus dem Weg zu gehen. Wenn Sie auf eine bedrohlich wirkende Person oder Gruppe treffen, dann ist es manchmal besser, der Person/dieser Gruppe auszuweichen und einen längeren Weg in Kauf zu nehmen. Das ist keine Feigheit, sondern „gesunder Menschenverstand“!

Scheuen Sie sich nicht, die Polizei über Notruf zu verständigen! Bedenken Sie aber auch, dass nicht jede als Clown verkleidete Person Sie tatsächlich angreifen will. In den meisten Fällen wollen diese Personen Sie erschrecken. Allerdings versteht die Polizei keinen Spaß, wenn andere in Angst und Schrecken versetzt werden und dadurch vielleicht sogar gesundheitlichen Schaden davon tragen! Derartige Straftaten werden von uns konsequent verfolgt.

Ebenso warnen wir ausdrücklich vor Selbstjustiz, denn auch sie ist strafbar und wird von uns zur Anzeige gebracht. Da jedoch auch viele Falschmeldungen kursieren, möchten wir Sie bitten, sich dadurch nicht beeinflussen zu lassen und diese „Warnmeldungen“, Videos etc. nicht zu teilen. Ein zusätzliches Verbreiten verunsichert und hilft weder dem Adressaten, noch uns. (Quelle: Polizei Osnabrück)

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