Filmfest Osnabrück 2016 Soleen Yusef gewinnt für „Haus ohne Dach“ Friedensfilmpreis



Osnabrück. Soleen Yusef hat für ihr Drama „Haus ohne Dach“ beim Unabhängigen Filmfest Osnabrück am Sonntagabend den Friedensfilmpreis gewonnen. Weitere Auszeichnungen gingen an „Mellow Mud“, „Starless Dreams“ und „(Out of Fra)me“.

Die junge Regisseurin konnte ihre Chancen noch zwei Tage vor der Preisverleihung im Gespräch mit unserer Zeitung nur schwer einschätzen. Das sei „schwierig“, sagte Soleen Yusef angesichts der sehr unterschiedlichen Filme, die für den Friedensfilmpreis nominiert waren. Die Jury aus Regisseurin Sung-Hyung Cho, Medienjournalistin Anne Krüger und Produzent Gunter Hanfgarn konnte „Haus ohne Dach“ vollends überzeugen. Sie vergaben die 12.500 Euro für den Friedensfilmpreis an Soleen Yusef.

Der deutsch-kurdische Spielfilm handelt von drei in Deutschland aufgewachsenen Geschwistern, die den letzten Willen ihrer Mutter erfüllen und sie in ihrem kurdischen Heimatdorf neben dem im Krieg gestorbenen Vater beerdigen wollen.

Odyssee in umkämpfter Region

Yusefs Film „erzählt uns in großen Kinobildern den Konflikt in Kurdistan vor dem Hintergrund einer Familiengeschichte, in der es um das Verständnis von Identitäten geht“, begründete die Jury ihr Urteil. Die Geschichte sei in einer der aktuell umkämpftesten Regionen der Welt angesiedelt und gebe „mit der Odyssee der drei Geschwister einen Einblick in das oft schwer verständliche politische Flechtwerk der Region“. „Die Flucht mit dem Sarg der Mutter ist letztlich eine späte, immer wieder aufgeschobene Reise zu sich selbst.“ Soleen Yusef nahm den Preis selbst entgegen.

Der Publikumspreis (2500 Euro) ging an das lettische Coming-of-Age-Drama „Mellow Mud“ . Regisseur Renārs Vimba erzählt die aufwühlende Geschichte der 17-jährigen Raya, die nach dem Tod ihrer Großmutter mit ihrem kleinen Bruder Robis ganz auf sich allein gestellt ist.

Filmpreis für Kinderrechte

Den dotierten Filmpreis für Kinderrechte (2000 Euro) konnte Regisseur Mehrhad Oskouei für seine Dokumentation „Starless Dreams“ mit nach Hause nehmen. Er zeigt den Alltag in einem iranischen Korrektur- und Rehabilitationszentrum. Die zum Teil noch nicht einmal volljährigen Insassinnen sind straffällig geworden, nachdem sie selbst Opfer von Misshandlung, Drogenmissbrauch oder Zwangsheirat waren. „Besonders berührt hat uns, dass sich einige von ihnen hinter den dicken Mauern, in der Gemeinschaft der Insassinnen, sogar besser aufgehoben fühlen als bei ihren Familien“, so die vierköpfige Jury aus Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren. „Die Mädchen leiden und niemand setzt sich für die Durchsetzung ihrer Rechte ein“, heißt es weiter in der Begründung.

Außerdem wurde der Preis für den besten Kurzfilm verliehen. Regisseurin Sophie Linnenbaum bekommt für ihren Beitrag „(Out of Fra)me“ 500 Euro.


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