Respekt Sung-Hyung Cho zu Besuch beim Filmfest Osnabrück



Osnabrück Mit „Meine Brüder und Schwestern im Norden“ will Filmautorin Sung-Hyung Cho Feindbilder abbauen, wie sie unserer Redaktion am Rande des Festivals verrät.

Mit ihrem Film „Full Metal Village“ über das Wacken-Open-Air-Festival wurde die aus Busan in Südkorea stammende Regisseurin Sung-Hyung Cho einem breiten Publikum bekannt. Am Samstag stellte Cho, die auch Jurymitglied für das FilmFest ist, in der Lagerhalle ihren aktuellen Film „Meine Brüder und Schwestern im Norden“ vor, der außerhalb der Konkurrenz in der Sektion „Frieden“ lief.

Im Gespräch mit unserer Redaktion bestätigt sie, dass sie für diesen Film tatsächlich die südkoreanische Staatsangehörigkeit abgelegt und die Deutsche angenommen habe. Alleine schon „für meine eigene Sicherheit vor der südkoreanischen Regierung und ihren Geheimdiensten“, wie sie sagt. Offiziell dürfen Südkoreaner nämlich gar nicht in den Norden. Wer als Koreaner aus dem Süden trotzdem ohne Genehmigung in den Norden reise, müsse bei der Rückkehr mit Verhaftung rechnen.

Einfluss auf die Kontrolleure

Im Gegensatz zu Filmen wie „ Inside Nordkorea „, über den sie sich ärgert und „sehr empört“ zeigt, sei es ihr mit ihrem Film nicht darum gegangen, das Regime bloßzustellen und die Menschen als „Marionetten“ vorzuführen, sondern unvoreingenommen auf die Menschen zuzugehen. Natürlich wurden die Dreharbeiten seitens des Regimes kontrolliert, aber sie habe auch Einfluss auf die Kontrolleure sowie auf die Auswahl ihrer Protagonisten vor der Kamera ausüben können.

„Keine Monster“

Ihren Protagonisten nähert sie sich generell stets mit „großem Respekt und großer Behutsamkeit“, sagt Cho. Ganz gleich, ob in Wacken oder Nordkorea. Wobei sie mit ihrem Film über die Menschen im Norden Koreas auch hofft, „Feinbilder abbauen zu können“. „Die Menschen im Norden sind keine Monster“, betont sie mit Nachdruck. Auch wenn sie im Süden des Landes häufig als solche verteufelt würden. Aus dem rechten Lager in Südkorea wurde Cho wegen ihres Filmes mit üblen Anfeindungen überschüttet. „Von Leuten, die den Film wahrscheinlich gar nicht gesehen haben“, wie sie vermutet.

Auch ihr neuestes Projekt führt Cho wieder nach Nordkorea. Vergangenen Freitag ist sie erst aus Pjöngjang zurückgekehrt – gemeinsam mit Robert Grund, dem gehörlosen Protagonisten des Filmes, an dem sie gerade arbeitet. Der mittlerweile in Nordkorea lebende Grund hat dort mit Erfolg zahlreiche Projekte für Gehörlose und andere Menschen mit Behinderungen auf den Weg gebracht und geholfen, das Thema Behinderung zu enttabuisieren. Ehrensache, dass die Filmautorin für dieses Projekt die Gebärdensprache erlernt.


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