Filmfest Osnabrück 2016 Wie finanziert man drei Jahre Dreh, Frau Bastian?

Manuela Bastian auf dem Filmfest. Foto: Swaantje HehmannManuela Bastian auf dem Filmfest. Foto: Swaantje Hehmann

Berlin. Wie finanzieren sich die Debütanten des Filmfests Osnabrück nach der Hochschule? Ein Gespräch mit Manuela Bastian, der Regisseurin von „Where to, Miss?“.

„Where to, Miss?“ heißt die Dokumentation, mit der Manuela Bastian auf dem Filmfest Osnabrück vertreten war. Der Titel bezieht sich auf eine Inderin, die gegen den Widerstand ihrer Familie berufstätig werden möchte – als Fahrerin eines Frauentaxis. „Wohin soll‘s gehen, junge Frau?“ Auch der Regisseurin selbst kann man die Frage stellen. Ihre Dokumentation ist eine Produktion der Filmakademie Baden-Württemberg, an der Bastian studiert. Auch ihren anstehenden Diplomfilm wird sie unter dem schützenden Dach der Akademie realisieren. Und danach? Wie bezahlt man den ersten Film nach der Hochschule? (Wie gut war das Filmfest Osnabrück 2016? Die Bilanz)

Diese Finanzierungen hat Manuela Bastian schon erprobt

Schon bei ihrem ersten Langfilm hat Manuela Bastian unterschiedlichste Modelle erprobt, sich und ihre Filme zu finanzieren: An „Where to, Miss?“ hat sie drei Jahren gearbeitet und dreimal vier Wochen in Indien verbracht. Beim ersten Dreh haben Eltern und Hochschule geholfen. Für den zweiten hat sie Geld über ein Crowdfunding eingesammelt, beim dritten ist eine Stiftung eingesprungen. Nach der Hochschule wird Bastian dann auch mit Filmförderanstalten zusammenarbeiten; damit kommt automatisch ein weiterer Spieler ins Team: „Um Förderung zu beantragen muss ein Fernsehsender im Boot sein.“

Zweites Standbein Oktoberfest: Manuela Bastians Langfristplanung

Wie hoch war das Budget für den indischen Film? „Das darf man gar nicht sagen, weil es so wenig war“, antwortet Bastian. „Wir haben natürlich alle keinen Cent für unsere Arbeit gesehen.“ Am Ende saß das Team sogar auf Schulden – zumindest bis „Where to, Miss?“ den Dokumentarfilm-Preis der Hofer Filmtage gewann: 7500 Euro, mit denen jetzt die schwarze Null erreicht ist. Entsprechend hoch ist Bastians Bewusstsein für Preissummen: „In Osnabrück geht es um 12.500 Euro; das hab ich sehr genau nachgesehen“, sagt sie.

Aber selbst diese Summe finanziert einem Filmteam nicht den Lebensunterhalt für drei Jahre Arbeit. „Es ist immer ratsam, ein zweites Standbein zu haben“, sagt Bastian deshalb. „Weil man nie weiß, wann der nächste Film finanziert wird.“ Die Studentin hat für sich auch schon eins im Sinn: Ihr Vater unterhält auf dem Oktoberfest einen Stand, an dem die Gäste sich in historischen Kostümen fotografieren lassen. Wenn Bastian das Geschäft übernimmt, kann sie den Broterwerb auf zwei Monate im Jahr bündeln – und sich ansonsten auf das Filmen konzentrieren.


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