Schöne neue Studienwelt Drei Erstis in Osnabrück: Träume bei Studienbeginn

„Ersti“ Carla Buchholz aus Hagenow, hier im Vorlesungssaal an der Kolpingstraße, studiert in Osnabrück Jura. Foto: Michael Gründel„Ersti“ Carla Buchholz aus Hagenow, hier im Vorlesungssaal an der Kolpingstraße, studiert in Osnabrück Jura. Foto: Michael Gründel

jar/coa Osnabrück. Tausende Studenten beginnen gerade ihr Studium an der Hochschule und Universität Osnabrück. Unsere Redaktion hat sich drei herausgepickt und gefragt, woher und mit welchen Erwartungen und Träumen sie nach Osnabrück kamen. In einem Jahr treffen wir sie wieder und hören, wie es ihnen ergangen ist.


 
Laura Flüthmann und Cheyenne Wöbbecke sind gerade zu einem Treffen mit ihrer Mentorin nahe des Schlosses unterwegs. Die Einführungswoche an der Osnabrücker Universität hat begonnen. Beide studieren Grundschullehramt: Laura mit der Fächerkombination Sport und Englisch und Cheyenne studiert Englisch und Religion. "Meine Wahl fiel auf Osnabrück, weil man hier schön ländlich und günstig wohnen kann", sagt Laura. Außerdem habe sich die Uni flexibler bei der Fächerkombination gezeigt als Münster. Die 19-jährige stammt ursprünglich aus Neuenkirchen. "Ich spiele schon seit sechs Jahren das Kindermädchen und habe auch Mini-Kicker in meiner Heimat trainiert", erzählt sie. Deshalb habe es nahe gelegen, Grundschullehrerin zu werden. 
 
"Wir fühlen uns willkommen"
 
Jetzt liegen fünf Jahre Bachelor- und Masterstudium vor den beiden. "Das sind fünf Jahre um Osnabrück zu unserer neuen Heimat zu machen", sagt Cheyenne. Sie ist in Hildesheim aufgewachsen und kam aufgrund der Empfehlung ihrer Grundschullehrerin nach Osnabrück. "Sie sagte mir, dass Osnabrück einfach eine schöne Stadt sei und eine gute Uni haben." Bereits in den ersten Tage habe sich bestätigt, dass einem überall, ob bei Professoren oder der Fachschaft, die Türen offen stehen. "Wir fühlen uns sehr willkommen", sagen beide. 
 
Die Erstis Laura Flüthmann (links) und Cheyenne Wöbbecke studieren an der Uni Osnabrück Grundschullehramt. Foto: David Ebener
 
Durchgetakteter Stundenplan
 
Die Hauptsorgen der beiden in den ersten Tagen: Räume finden, neue Leute kennen lernen und den Stundenplan durchtakten. "Wir hoffen einfach, dass wir in der Regelstudienzeit durchkommen - bei den vielen Fächern, die es zu kombinieren gilt, ist das manchmal schwierig", sagt 19-jährige Cheyenne. Und schon sind die beiden in ihrem Grundschullehrerpulk verschwunden - zum nächsten Kennenlernspiel. 
Alina Rezovic freut sich auf ihr Studium an der Hochschule Osnabrück. Nur ein Modul macht ihr etwas Sorgen. Foto: Swaantje Hehmann
 
Auf dem Campus am Westerberg kennt sich Alina Rezovic schon ganz gut aus. Die 19-Jährige aus Kloster Oesede hat bereits während der Schulzeit beim Niedersachsen-Technikum mitgemacht und durfte in dieser Zeit schon einmal die technischen Studiengänge an der Hochschule Osnabrück kennenlernen. Dabei ist es dann auch geblieben: Alina studiert Fahrzeugtechnik. „Ich weiß, das ist ein bisschen crazy, aber Autos fand ich schon immer interessant.“ Im Autohaus Hülsmann und Tegeler hat sie bereits ein Praktikum gemacht und während des Technikums ein Projekt bei den Amazone-Werken in Hasbergen verantwortet. Ob sie also so richtig an einem Auto rumschrauben kann? Sie lacht. „Also einen Reifenwechsel traue ich mir schon zu.“
 
Nähe zu Freunden und Familie
 
Für Osnabrück hat sie sich schließlich wegen des modernen und schönen Campus entschieden. Dazu die Nähe zu ihren Freunden und ihrem Zuhause, wo sie derzeit noch wohnt. „Aber ich will mir bald ein WG-Zimmer suchen.“ Und Zuhause ist auch relativ – denn Alina wohnt erst seit ein paar Jahren in Kloster Oesede. Aufgewachsen ist sie in Bayern. Genau gesagt in Erdingen. Das dürfte den meisten Studenten ein Begriff sein.
„Osnabrück ist cool. Eine große Stadt, aber trotzdem familiär. Eine ganz große Stadt wie München wäre nicht mein Fall“, sagt die 19-Jährige. Bei all der Vorfreude – wo klemmt’s? „Mathe“, sagt die Erstsemestlerin. „Mathe wird kniffelig.“
 
Ob Alina mit dem Mathe-Modul zurecht kommt, ob sie eine nette WG gefunden hat und Osnabrück immer noch cool findet – wir werden es erfahren. Denn in zwei Semestern wollen wir sie noch einmal treffen und nachfragen.
Eigentlich wäre Carla Buchholz aus Hagenow (Mecklenburg-Vorpommern) jetzt als Au-pair bei einer Gastfamilie in Neuseeland. Eigentlich wollte sie nach dem Auslandsaufenthalt Geschichte und Englisch auf Gymnasiallehramt studieren. "Doch der Neuseelandtraum ist geplatzt, weil ich keine Gastfamilie gefunden habe und dann bin ich spontan auf Jura umgeschwenkt", sagt die 18-Jährige. Die Regelstudienzeit beim Staatsexamen Rechtswissenschaften beträgt neun Semester plus zwei Jahre Referendariat und die Prüfung des zweiten Staatsexamens. Carla Buchholz schätzt, dass sie mindestens sechs Jahre in Osnabrück leben wird. In einer Stadt, die sie vorher nicht kannte.

 
„Ersti“ Carla Buchholz aus Hagenow, hier im Vorlesungssaal an der Kolpingstraße, studiert in Osnabrück Jura. Foto: Michael Gründel
 
Engagement in Hochschulgruppen
Für sie als Kind der Provinz war vor Studienbeginn klar, dass sie nicht in einer anonymen Großstadt wie Hamburg oder Hannover studieren wollte. Außerdem wohnen ihre Großeltern im Emsland. Niedersachsen war ihr Favorit. "Ich wusste gar nichts über Osnabrück, aber beim Bewerbertag war ich wirklich positiv von den universitären Angeboten und der Stadt überrascht. Das Schloss ist wirklich schön", schwärmt sie. Ihre Pluspunkte für die Osnabrücker Uni: Enge Bindungen zwischen Studenten und Professoren, breites Unisportangebot, interessante Wahlpflichtfächer, Zusatzausbildungen, Auslandsbeziehungen zu anderen Unis und zahlreiche Hochschulgruppen. "Ich könnte mir vorstellen, tauchen zu lernen und möchte mich bei Amnesty International, Viva con Aqua - oder mich für Flüchtlinge - engagieren", erzählt Carla Buchholz. Auch eine fachspezifische Fremdsprachenausbildung neben dem Studium will sie ins Auge fassen.
 
Schwerpunkt auf Völker- und Umweltrecht
 
Die Einführungswoche mit Abstechern ins Zucker und den Nize Club hätten sie davon überzeugt, dass man auch in Osnabrück gut feiern kann. Doch ob sie dafür noch neben all ihren Plänen Zeit findet?  "Ich habe eine große Selbstdisziplin", sagt sie. Auf lange Sicht weiß Carla Buchholz eines ganz sicher: "Ich werde nicht in einer Kanzlei landen und Scheidungsakten wälzen. Ich will etwas international bewegen und meinen Schwerpunkt auf Völker- und Umweltrecht legen."

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